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© BR/Birgit Harprath
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Robert Michael

In Bayern hat die Tarifrunde für eine Branche, in der es Gewinner und Verlierer in der Pandemie gibt begonnen: dem Einzel- und Versandhandel. Während Geschäfte der Grundversorgung gute Umsätze erreichen, bekommen andere den Lockdown zu spüren.

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Erste Tarifrunde im bayerischen Einzelhandel vertagt

In Bayern hat die Tarifrunde für den Einzel- und Versandhandel begonnen. Das erste Treffen ging allerdings ohne weiteres Ergebnis zu Ende. Die Verhandlungen gelten als schwierig, da es Gewinner und Verlierer in der Corona-Pandemie gibt.

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Von
  • Birgit Harprath
  • Dirk Vilsmeier

Es war, wie in Tarifverhandlungen üblich, ein erstes Abtasten ohne ein konkretes Ergebnis in den Tarifverhandlungen für den Einzel- und Versandhandel. Die Arbeitgeber betonten dabei, laut einer Pressemitteilung, dass sie ihre Forderung nach "moderaten" Lohnerhöhungen untermauert hätten. Im Anschluss seien die Gespräche dann auf den 8. Juni vertagt worden.

Verdi fordert 4,5 Prozent mehr Lohn

Ob die Kassiererin, der Verkäufer an der Wursttheke oder die Auffüllkräfte von Regalen oder Tiefkühltruhen: Wie wertvoll deren Arbeit ist, haben viele Kunden erst in der Corona-Krise erkannt.

Diese Wertschätzung müsse sich auch auf deren Einkommen auswirken, meint die Gewerkschaft Verdi. Und auch das Personal in den geschlossenen Läden hatte ein Plus verdient. Mit einer Forderung von 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr im Monat für jeden zieht sie heute in München an den Verhandlungstisch. Die unteren Einkommensgruppen sollten künftig mindestens 12,50 Euro die Stunde erhalten.

Nun ist der Gewerkschaft auch klar, dass es im Einzelhandel eben auch Verlierer gibt mit erheblichen Einbußen beim Umsatz. Denen bietet sie differenzierte Lösungen an, wenn sie tarifgebunden sind und Beschäftigung sichern.

Arbeitgeber lehnen Forderungen ab

Auch die Arbeitgeber der Branche haben sich in der Tarifrunde zum Ziel gesetzt, Arbeitsplätze und Unternehmen zu retten. Allerdings sei das Forderungspaket von Verdi völlig unangemessen und absurd. Aktuell seien etwa 19.000 Unternehmen im Einzel- und Versandhandel von der Insolvenz bedroht. Für eine Lohnerhöhung bleibe wenig Spielraum – aktuell zumindest.

Corona sorgt weiterhin für Ungewissheit

Ein Problem in der Tarifrunde dürfte denn auch sein, einzuschätzen, wie die Branche sich entwickelt und wann der Lockdown beendet werden kann. Ein anderes ist die Tarifbindung: Knapp zwei Drittel der Beschäftigten in Bayern fallen laut Verdi nicht mehr unter den jetzt neu zu verhandelnden Tarifvertrag. Zum Teil wird nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt.

Verdi droht mit Warnstreiks

Hubert Thiermeyer von der Gewerkschaft zeigte sich nach der ersten Verhandlungsrunde enttäuscht. Es sei ein bitterer Schlag für die Beschäftigten, heute bei den Tarifverhandlungen kein Angebot bekommen zu haben, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite. Beschäftigte im Einzelhandel hätten die Republik mit Waren versorgt und dafür von Bürgerinnen und Bürgern Zuspruch bekommen. "Sie haben hervorragende Arbeit geleistet. Sie wollen jetzt auch Wertschätzung erfahren und, dass Wertschätzung sich auch bei anstehenden Lohn- und Gehaltsverhandlungen äußert", so Thiermeyer. Verdi droht deshalb mit ersten Warnstreiks Mitte Mai, wenn es kein konstruktives Angebot gibt.

Hunderttausende Beschäftigte betroffen

Laut Handelsverband kommt der bayerische Einzelhandel auf rund 58.000 Unternehmen mit 320.000 Beschäftigten und einem Umsatz von knapp 71 Milliarden Euro jährlich. Verdi rechnet geringfügig Beschäftigte und selbstständige Ladenbesitzer mit ein und kommt auf 553.000 Mitarbeiter.

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Interview mit Hubert Thiermeyer (Fachbereichsleiter Handel Verdi Bayern ) zu den Forderungen der Gewerkschaft für die Arbeitnehmer in der Tarifrunde im Einzelhandel in Bayern und mögliche Lösungen.

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