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Erst Volvo, jetzt Daimler: KBA genehmigt Diesel-Nachrüstung | BR24

© picture alliance / empics

Auspuff und Abgase

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Erst Volvo, jetzt Daimler: KBA genehmigt Diesel-Nachrüstung

Ende Juli hat das Kraftfahrtbundesamt die erste Betriebserlaubnis für die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen erteilt. Sie gilt für Modelle von Volvo. Heute hat die Behörde eine weitere Genehmigung erteilt – für Diesel-Pkw von Daimler.

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Die jetzt vorliegende Betriebserlaubnis zur Nachrüstung von Daimler-Diesel-Fahrzeugen ist die erste für einen deutschen Massen-Hersteller. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die Genehmigung des Nachrüst-Systems des Anbieters Dr Pley SCR Technology auf seiner Internetseite veröffentlicht. Der Nachrüster mit Sitz in Bamberg hatte sich bereits seine Technik für Volvo-Diesel-Fahrzeuge genehmigen lassen.

Diesel-Nachrüstung für E- und C-Klasse von Daimler

Nach Angaben des Nachrüst-Entwicklers Pley können die vom KBA genehmigten Systeme in bestimmten Daimler-Modellen der E- und C-Klasse sowie im SUV GLK mit der Schadstoffklasse Euro 5 eingesetzt werden. Fahrzeughalter können auf einem Online-Portal prüfen, ob eine Hardware-Nachrüstung bei ihrem Modell möglich ist. Das Portal hat Daimler bereits in der vergangenen Woche freigeschaltet.

Im Interview mit dem BR spricht Nachrüster Martin Pley die gute Zusammenarbeit mit Daimler an: "Im Vergleich zu allen anderen Herstellern hat uns Daimler bei der Entwicklung der Hardware-Nachrüstung uneingeschränkt unterstützt".

Daimler zahlt bis zu 3.000 Euro für die Nachrüstung

Im Gegensatz zu Volvo beteiligt sich Daimler mit jeweils bis zu 3.000 Euro an den Kosten für die Hardware-Nachrüstung – allerdings nur für Kunden "in definierten Schwerpunktregionen". Nach Angaben eines Daimler-Sprechers ist noch unklar, wie viele Diesel-Besitzer diesen Zuschuss beantragen werden. "Eine verlässliche Schätzung ist derzeit noch sehr schwierig", sagte er.

Betriebserlaubnis für VW-Modelle in Kürze erwartet

Neben Daimler hat sich auch Volkswagen dazu bereit erklärt, die Hardware-Nachrüstung finanziell zu unterstützen. Bislang liegt allerdings noch keine Betriebserlaubnis des Kraftfahrt-Bundesamtes für ein Nachrüstsystem für VW-Modelle vor. Die Baumot Group AG hat nach BR-Informationen einen entsprechenden Antrag für die Genehmigung eines Nachrüst-Systems eingereicht.

Stickoxidausstoß sinkt bei nachgerüsteten Diesel-PKW deutlich

Dieses soll einsetzbar sein bei Modellen in verschiedenen Fahrzeugen des Konzerns, die mit einem bestimmten 1.6-Liter-Diesel-Motor ausgestattet sind. Das Nachrüstunternehmen mit Sitz in Königswinter hat bereits einen Passat Diesel Euro 5 mit einer Hardware-Nachrüstung versehen und so den Stickoxid-Ausstoß deutlich auf etwa 130 mg/km reduzieren können.

Zusätzliche Ad Blue-Lösung reinigt die Diesel-Abgase

Technisch funktionieren die Nachrüst-Systeme ähnlich: Beide Hersteller setzen auf die sogenannte SCR-Technologie (Selektive Katalytische Reduktion). Dabei führt das System nach der Verbrennung des Diesel-Kraftstoffs im Motor bei der Abgasreinigung eine künstlich hergestellte Harnstofflösung in den nachgerüsteten Katalysator ein. Sowohl dieser als auch ein Tank, in dem diese Harnstofflösung ("Ad Blue") untergebracht ist, werden bei der Nachrüstung in das Auto verbaut.

Scheuer: Lange Vorbehalte gegen die Nachrüstung

Die deutsche Autoindustrie und auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatten sich lange gegen die Hardware-Nachrüstung gesträubt. Der CSU-Politiker betonte seit seinem Amtsantritt im März 2018 wiederholt, er und sein Haus hätten "technische und finanzielle Bedenken gegen die Diesel-Umrüstung".

Technik muss fünf Jahre oder 100.000 Kilometer reibungslos laufen

Trotzdem legte das Ministerium Ende Dezember 2018 die technische Richtlinie vor, die näher definiert, welche Anforderungen die Systeme der Nachrüster erfüllen müssen. Sie schreibt unter anderem vor, dass die Technik mindestens 100.000 Kilometer oder fünf Jahre lang reibungslos funktionieren muss. Außerdem dürfen die nachgerüsteten Diesel-Fahrzeuge nicht mehr als 270 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen.

© BR

Viele Dieselfahrer fürchten Fahrverbote wegen zu hohem Stickoxid-Ausstoß ihrer Autos. Nun wurde ein neues Nachrüstsystem genehmigt, an dem der Bamberger Martin Pley getüftelt hat.