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Erbschaftswelle begünstigt vor allem Vermögende | BR24

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Erbschaftssteuererklärung

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    Erbschaftswelle begünstigt vor allem Vermögende

    Wer hat, dem wird gegeben: In Deutschland wird derzeit viel vererbt – und davon profitieren vor allem Menschen, die ohnehin schon reich sind. Das zeigen neue Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die Experten fordern Korrekturen.

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    • BR24 Redaktion

    Erbschaften machen Vermögende in Deutschland noch reicher. Sie erben laut einer nun vorgelegten Studie am häufigsten und am meisten. Das an der Studie beteiligte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt konkret zu folgendem Ergebnis: Fast die Hälfte des Erbschafts- und Schenkungsvolumens geht an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten - und die anderen 90 Prozent teilen sich die verbleibende Hälfte. DIW-Experte Markus Grabka resümiert: "Die Erbschaftswelle verschärft die absolute Vermögensungleichheit."

    Höhe der Erbschaften im Schnitt gestiegen – auf 85.000 Euro

    Wie Studie des DIW, der Universität Vechta und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) zeigt, hat in den vergangenen 15 Jahren rund jeder zehnte Erwachsene geerbt oder eine größere Schenkung erhalten.

    Im Schnitt belief sich das Erbe inflationsbereinigt pro Person auf rund 85.000 Euro, bei Schenkungen auf 89.000 Euro. Das ist auch deutlich mehr als vor 20 Jahren - im Schnitt stieg die Durchschnittssumme um jeweils etwa 20 Prozent. (Verglichen wurde der Zeitraum 1986 bis 2001 mit den Jahren 2002 bis 2017, befragt wurden 15.000 Haushalte.)

    Abstand zwischen Erben und Nicht-Erbenden vergrößert sich

    Zwar sinkt die relative Ungleichheit durch Erbschaften und Schenkungen tendenziell, da das Vermögen auf mehrere Personen verteilt wird. Doch zugleich vergrößert sich der Abstand beim Vermögen zwischen denen, die erben, und denen, die leer ausgehen. DIW-Fachmann Grabka sieht dafür vor allem soziale Gründe.

    "Kinder, die in einem Haushalt aufgewachsen sind, der bereits ein höheres Einkommens- und Vermögensniveau aufwies, erhalten später im Schnitt auch höhere Erbschaften und Schenkungen." Markus Grabka, Deutsches institut für Wirtschaftsforschung

    Der Studie zufolge profitierte im Zeitraum 2002 bis 2017 das vermögendste Fünftel der Bevölkerung von den größten Erbschaften und Schenkungen. Der Median - also der Mittelwert, wenn man die Beträge der Größe nach sortiert - lag bei 145.000 Euro. Nur zwei Prozent des ärmsten Fünftels erhielten überhaupt etwas von Eltern oder Großeltern. Die Summe fiel mit 10.000 Euro am geringsten aus.

    Menschen im Osten deutlich im Nachteil

    Auch die regionale Herkunft spielt in Deutschland eine Rolle. So waren der Studie zufolge Menschen in der damaligen DDR systembedingt weniger in der Lage, Vermögen aufzubauen. Sie können daher seltener und häufig nicht so viel an Kinder oder Enkel weitergeben. Während Westdeutsche im Untersuchungszeitraum im Schnitt rund 92.000 Euro erbten, erhielten Ostdeutsche 52.000 Euro. Bei Schenkungen waren es rund 94.000 Euro versus 58.000 Euro.

    Die Autoren der Studie sind angesichts der Ergebnisse und der Ungleichheiten dafür, dass das deutsche Steuerrecht geändert wird. Die Politik sollte gegensteuern, meint Studienautorin Claudia Vogel vom DZA, "indem sie beispielsweise verhindert, dass das Vererben großer Vermögen mit der Zehnjahresfrist zeitlich gesplittet wird." Derzeit können alle zehn Jahre Freibeträge in Anspruch genommen werden. Bei Kindern sind es 400.000 Euro pro einzelnem Elternteil.

    Verschärft Corona die Ungleichheit noch mehr?

    Würde die Frist abgeschafft und große Erbschaften damit effektiver besteuert, könnte es Spielraum geben, Freibeträge für nicht oder entfernt verwandte Personen anzuheben, erläutert DIW-Experte Grabka. Dies würde, sagt er, nicht nur der neuen Vielfalt der Familienformen entsprechen, sondern auch zusätzlich die soziale Ungleichheit reduzieren.

    Manche Ökonomen befürchten, dass die Corona-Pandemie die Ungleichheit in Deutschland vergrößern könnte. Nach einer im Herbst veröffentlichten Studie der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung sind von Einkommensverlusten überdurchschnittlich oft Erwerbstätige mit niedrigen Einkommen betroffen - genau wie Minijobber, Leiharbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund.

    (Material: dpa, DIW)

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