BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Energiewende: Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen | BR24

© Dirk Vilsmeier/BR

Stichwort Wasserstoff: Wie die Zukunftsenergie sinnvoll eingesetzt werden kann

11
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Energiewende: Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen

Die Bundesregierung hat die Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Wasserstoff soll zur sauberen Energiequelle der Zukunft werden. Seine Erzeugung braucht viel Energie. Ohne den Ausbau erneuerbarer Energien wird es also nicht gehen.

11
Per Mail sharen

Deutschland will Wasserstoffweltmeister werden, da sind sich die deutschen Wirtschaftspolitiker weitgehend einig. Trotzdem hat die Nationale Wasserstoffstrategie der Regierung monatelang auf sich warten lassen. Dass sie nun trotzdem kommt, ist auch ein Nebeneffekt des Konjunkturpaktes gegen die Corona-Krise.

Wasserstoff und erneuerbare Energien

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einer neuen qualitativen Stufe für die Energiewende. Das gelinge mit dem Einsatz von langfristig "Grünem Wasserstoff". Deutschland wolle hier Marktführer werden. Bis 2030 solle eine Elektrolyse-Leistung im Umfang von fünf Gigawatt aufgebaut und der Anteil bis 2040 auf zehn Gigawatt gesteigert werden. Es müsse aber zusätzlich Wasserstoff importiert werden.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) setzt daher auf eine enge Kooperation mit Afrika. Ohne die Sonne Afrikas könne Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen, so Müller. "Grüner Wasserstoff" und seine Folgeprodukte wie Methanol könnten das saubere Öl von morgen werden.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) betonte, dass die erneuerbaren Energien in Deutschland stark ausgebaut würden. Gut fürs Klima sei auf Dauer nur Wasserstoff aus 100 Prozent erneuerbaren Energien.

Aiwanger: "Schon voll in der Arbeit"

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßte die Wasserstoffstrategie. In "B5 aktuell" verwies der Freie Wähler-Chef auf das Zentrum Wasserstoff Bayern in Nürnberg und sagte, der Freistaat habe schon früh auf die Entwicklung von Brennstoffzellen gesetzt. In dem Zentrum würden Wissenschaftler mit Unternehmen und Verbänden zusammenarbeiten, um Entwicklung und Vernetzung mit der Industrie zu bewerkstelligen. "Wir haben ein bisschen vor der Bundesrepublik Deutschland den Braten gerochen und sind jetzt schon voll in der Arbeit", so Aiwanger. Ziel seien Produkte "Made in Bavaria", die weltweit einen guten Ruf genießen. Der Wirtschaftsminister hofft, damit an die Erfolge der bayerischen Autoindustrie anschließen zu können.

Hoher Energiebedarf bei Wasserstoff-Erzeugung

Das Ziel der Bundesregierung: Wasserstoff als Energiequelle bei der Stahlerzeugung, beim Schwerlastverkehr oder in der Chemie-Industrie einzusetzen, wo heute noch fossile Brennstoffe die Umwelt belasten. Dabei ist der Energiebedarf zur Wasserstoff-Erzeugung enorm. Soll sie klimaneutral bleiben, wird es ohne einen Ausbau erneuerbarer Energien nicht gehen.

Hergestellt werden soll Wasserstoff vor allem mit Ökostrom – gewonnen durch Solaranlagen, Windräder oder sonstige Kraftwerken. Mit diesem Strom lässt sich mittels Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und eben Wasserstoff aufspalten. Das geht lokal in Baucontainer großen Anlagen.

© BR

Die Bundesregierung setzt auf Wasserstoff. Das Kabinett beschloss heute ein milliardenschweres Förderprogramm. Wasserstoff soll vor allem in der Industrie und im Verkehr die fossilen Brennstoffe ersetzen.

Ziel ist die industrielle Wasserstoffgewinnung

Künftig soll die Herstellung von grünem Wasserstoff aber auch in industriellem Maßstab umgesetzt werden. Der so gewonnene Wasserstoff kann beispielsweise dann Elektroautos betanken, die eine Brennstoffzelle an Bord haben. Die macht aus dem Wasserstoff wieder Strom, der den E-Motor antreibt. Der Wasserstoff kann aber auch in das Erdgasnetz eingespeist werden – pur zwar nur zu kleinen Teilen, chemisch weiterbearbeitet aber auch in großen Mengen. So ließe sich die umfangreiche und schon bestehende Infrastruktur zum Transport des Wasserstoffs nutzen – und die Stromnetze entlasten. Am Zielort könnte der Wasserstoff dann wieder Gasturbinen antreiben,die Strom herstellen oder zum Heizen verwendet werden. Ökostrom könnte mittels Wasserstoff - als Energieträger - also wesentliche Teile der Energieversorgung übernehmen.

Knackpunkt Wirtschaftlichkeit

Schwierigkeiten bereitet derzeit aber noch die Wirtschaftlichkeit – da die Umwandlungsverluste von Strom zu Wasserstoff und wieder zurück noch sehr hoch sind. Außerdem gibt es bei weitem noch nicht genügend Ökostrom, um Mobilität und Wärmebereich mit abzudecken. Dem TÜV-Süd zufolge ist eine Wasserstoffwirtschaft übrigens nicht gefährlicher als die heutige auf Basis von Erdöl, Benzin und Erdgas. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Gefahren des Urans oder der Kohle.

Wirtschaftsverbände für mehr Tempo

Erst kürzlich hatte der Verband deutscher Maschinen-und Anlagenbauer VDMA mit anderen Verbänden Bundeswirtschaftminister Altmaier aufgefordert, ein überfälliges Signal zu setzen und die notwendige Planungssicherheit mit der Nationalen Wasserstoffstrategie zu schaffen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl nannte die heute vorgestellte Wasserstoffstrategie der Bundesregierung einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

Die Siemens AG erwartet eine nachhaltige Stärkung des Industriestandortes Deutschland, wenn die Wasserstoffstrategie konsequent umgesetzt wird.

"Wir werden als Unternehmen die Rahmenbedingungen nutzen und unsere Aktivitäten für den Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft im industriellen Maßstab weiter mit aller Kraft betreiben." Dr. Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender Siemens-Energy

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung.