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Energiewende im Heizungskeller | BR24

© BR/Johannes Reichart

Der Wärmeverbrauch macht in Deutschland einen großen Teil des CO2-Ausstoßes aus. Dafür sind in erheblichem Maße auch die Öl-Heizungen verantwortlich. Da könnte man viel CO2 einsparen. Ist eine Abwrackprämie für Ölheizungen sinnvoll oder ein Verbot?

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Energiewende im Heizungskeller

Der Wärmeverbrauch macht in Deutschland einen großen Teil des CO2-Ausstoßes aus. Dafür sind in erheblichem Maße auch die Öl-Heizungen verantwortlich. Da könnte man viel CO2 einsparen. Ist eine Abwrackprämie für Ölheizungen sinnvoll oder ein Verbot?

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Die Energiewende muss auch im deutschen Heizungskeller ankommen, da sind sich Fachleute und Politiker einig. Das heißt, die umweltschädlichen Ölheizungen müssen durch andere Heizungen ersetzt werden. Das hat auch Hausbesitzer Stephan Birkner vor. Seine Ölheizung ist ohnehin in die Jahre gekommen. Der 52-jährige Familienvater will nun klimafreundlicher heizen.

Das Nahwärmenetz in seinem Dorf Eberfing in Oberbayern ist 300 Meter zu weit weg. Dass andere an seiner Stelle erneut eine Öl-Heizung kaufen würden, kann er nicht verstehen.

"Ich finde jeden Liter Öl, den ich hier verbrenne, schecklich. Dabei habe ich ein sehr schlechtes Gewissen." Stephan Birkner

Ölheizungen verbieten?

Birkner findet: Der Einbau neuer Ölheizungen sollte auch bei uns gesetzlich verboten werden, wie etwa in Dänemark. Auch die Landtagsgrünen plädieren für striktere Vorgaben bei Heizungssanierungen – der Wärmesektor sei der schlafende Riese beim CO2-Ausstoß, hier müsse man endlich ran, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann.

"Die Maßnahmen der letzten Jahre, die rein auf Freiwilligkeit gesetzt haben und einen gewissen Anreiz mit einer Förderung gegeben haben, haben das Ziel nicht erreicht. Da muss der Gesetzgeber auch mal sagen: Nach einer gewissen Zeit gehört eine alte und dreckige Ölheizung einfach ausgetauscht. " Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag

Abwrackprämie für Ölheizungen?

Die FDP ist gegen ein gesetzliches Verbot von Öl-Heizungen oder einen Austausch-Zwang für alte Heizungen. Auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern hält nichts von weiteren staatlichen Vorgaben. Selbst der Vorschlag nach einer Abwrackprämie für Öl-Heizungen, wie ihn die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Spiel brachte, greife zu kurz, heißt es schriftlich aus Aiwangers Ministerium. Vielmehr müsse der Bund noch stärker die Sanierung von Fenstern, Decken und Wänden fördern. Auf BR-Anfrage heißt es:

"Wir brauchen deshalb vom Bund sinnvolle und attraktive Anreize und Förderungen, um im Gebäudebestand die Anlagentechnik und die Wärmedämmung zu verbessern und um mehr erneuerbare Wärme in die Häuser zu bringen." Bayerisches Wirtschaftsministerium

Gebäudewärme macht 20 Prozent des CO2-Ausstoßes aus

Laut dem Gebäudereport 2018 der Deutschen Energieagentur Dena macht die Gebäudewärme fast 20 Prozent des CO2-Ausstoßes aus. Entsprechend wichtig sei es, in diesem Bereich konkrete Vorgaben zu machen, damit sich Leute jetzt keine neue Ölheizung mehr für die nächsten 20 oder 30 Jahre kaufen, findet der Grüne Hartmann.

Die Grünen haben in ihrem Entwurf eines bayerischen Klimagesetzes, den der Landtag im Frühjahr abgelehnt hat, sogenannte kommunale Wärmepläne vorgeschlagen. Darin sollte jede Kommune aufstellen, wie weit sie bei erneuerbarer Wärmeversorgung ist und ob beispielsweise der Ausbau von Nahwärmenetzen sinnvoll sei. Für Hartmann ist die Zeit der Freiwilligkeit beim Thema Heizen jedenfalls vorbei:

"Jeder, der mal ein Haus gebaut oder gekauft hat zum Sanieren, der weiß: Es gibt Vorgaben beim Brandschutz oder bei der Außengestaltung, es gibt Vorgaben, wie nah ich ans Grundstück vom Nachbarn hinbauen darf, und es ist höchste Zeit, hier auch für den Klimaschutz konkrete Vorgaben zu machen." Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag

Stephan Birkner will sich nun eine Holzpellet-Heizung zulegen, die sich ökologisch und nach 10 bis 15 Jahren dann hoffentlich auch finanziell lohnen soll. Er hat mit einem Berater der Energieagentur Energiewende Oberland alles durchgerechnet, jetzt fehlt nur noch der Einbau.

© BR

Ölheizungen gelten als klimaschädlich. Die Grünen kritisieren, dass der Bund dennoch deren Neueinbau fördert. Im Jahr 2018 mit 40 Millionen Euro, ergab eine Anfrage der Grünen im Bundestag. Hier ein Hausbesitzer, der klimafreundlicher heizen will.