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Endspurt bei der Azubisuche – Tausende Lehrstellen unbesetzt | BR24

© BR/Karsten Böhne

In einem Monat beginnt in Bayern das neue Ausbildungsjahr. Die Wirtschaft rechnet damit, dass 20.000 Plätze nicht besetzt werden können. Wer jetzt noch Nachwuchs sucht, muss sich einiges einfallen lassen.

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Endspurt bei der Azubisuche – Tausende Lehrstellen unbesetzt

In einem Monat beginnt in Bayern das neue Ausbildungsjahr. Die Wirtschaft rechnet damit, dass 20.000 Plätze nicht besetzt werden können. Wer jetzt noch Nachwuchs sucht, muss sich einiges einfallen lassen.

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In Trainingskleidung steht der 19-jährige Azubi David Ebert vor dem Spiegel und stemmt Gewichte. In einem ganz besonderen Fitnessstudio. Es ist unter dem Dach seines Arbeitgebers, der Firma Bauer Elektroanlagen im oberbayerischen Buchbach. Mit Angeboten wie dem Gesundheitszentrum will das Unternehmen attraktiv sein für Arbeitnehmer und potenzielle Azubis, die oft die Wahl zwischen mehreren Betrieben haben.

In der Lehrwerkstatt können Azubis reale Probleme üben

Nicht weit entfernt befindet sich die Lehrwerkstatt, in der die Jugendlichen Problemstellungen aus der Praxis üben können, unter fachlicher Anleitung. David Ebert steht mit Werkzeug vor einem Kasten aus Metall, darin Kabel und Stecker.

"Hier da wird sich mit einem befasst, also da wird sich mit einem hingesetzt, Theorie wie auch Praxis, da wird dann halt was aufgebaut, mit dem Hintergrund ah so geht das, auf der Baustelle ist das halt immer schwierig." David Ebert, Azubi, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik

Mehr Ausbildungsplätze als Bewerber

Früher haben Azubis oft verzweifelt eine Lehrstelle gesucht. Heute ist es umgekehrt, da müssen sich eher die Firmen bewerben. Der Grund: Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze befindet sich mit 104.000 auf einem Rekordniveau. Gleichzeitig gibt es weniger Schulabsolventen. Einen Monat vor Beginn des Ausbildungsjahres sind in Bayern noch 40.167 Lehrstellen unbesetzt, doch es gibt nur noch 17.603 Bewerber. Viele Firmen dürften also leer ausgehen.

"Jede unbesetzte Ausbildungsstelle heute fehlt morgen als Fachkraft. Wir wissen, dass die Fachkräftelücke in den nächsten Jahren ansteigt. Das ist demographiebedingt, es kommen weniger junge Menschen nach. Und eine Million Menschen werden in Bayern in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen." Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer Bayerischer Industrie- und Handelskammertag

In allen Bereichen gibt es noch offene Lehrstellen

Offene Stellen gebe es noch quer durch alle Branchen. Vor allem aber im Einzelhandel, der Gastronomie, aber auch beim beliebten Beruf KFZ-Mechatroniker, erklärt Manfred Gößl vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag. Der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl ist zufrieden mit der Zahl der bis jetzt abgeschlossenen Verträge, glaubt aber nicht, dass alle Stellen besetzt werden können.

"Die Lebensmittelhandwerke suchen händeringend. Bäcker und Metzger für die Backstube oder die Wurstküche, aber genauso gut für die Filialen und für die Läden Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer. Hier ist der Bedarf riesig." Franz Xaver Peteranderl, Präsident Bayerischer Handwerkstag
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Im Gesundheitszentrum der Firma Bauer Elektroanlagen können die Mitarbeiter trainieren.

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Nicht selbstverständlich: Eine eigene Lehrwerkstatt für die Auszubildenden.

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Die Firma Bauer Elektroanlagen legt viel Wert auf eine fundierte Ausbildung.

Unternehmen lassen sich für die Azubis einiges einfallen

Um ihre Stellen zu besetzen, lassen sich die Firmen einiges einfallen, finanzieren den Jugendlichen den Führerschein oder ein Smartphone. Die Firma Bauer Elektroanlagen punktet mit ihrem Gesundheitszentrum und eigenen Lehrwerkstätten. Außerdem bietet das Unternehmen spezielle Kurse an, zum Beispiel zur Persönlichkeitsentwicklung.

"Ich denke das wichtigste ist auch die Mundpropaganda. Die Jugendlichen haben ja Freunde und Bekannte und wenn die sagen, das ist ne tolle Ausbildung, es wird für mich was getan, ich bin wichtig, nicht nur jetzt die Arbeit und die Unterstützung in allen Bereichen, dann ist das auch ein Hauptaugenmerkt, warum man hier neue Bewerbungen hinzu kriegt." Alexandra Unterholzer, Geschäftsführerin Bauer Elektroanlagen

Außerdem wirbt die Firma Bauer auch an Schulen und bei lokalen Vereinen um Nachwuchs. Mit Erfolg – dieses Jahr konnten bundesweit alle 80 Ausbildungsplätze besetzt werden. Aber das war ein ganz schönes Stück Arbeit.

Lehrstellen und Azubis passen oft nicht zusammen

Viele Unternehmen suchen noch - viele Azubis allerdings auch. Obwohl es mehr Stellen als Interessenten gibt, werden viele Jugendliche leer ausgehen. Denn Ort und Jobwunsch passen oft nicht zusammen. Wer sich in Oberfranken für eine Ausbildung zum Fotografen interessiert, kann mit einer Ausbildungsstelle zum KFZ-Mechatroniker in Schwaben nicht viel anfangen.

Wer jetzt noch unversorgt ist, sollte aber nicht gleich aufgeben. Denn in vielen Betrieben kann man noch bis Ende des Jahres in die Ausbildung einsteigen. In den kommenden Monaten ist auf dem Ausbildungsmarkt noch einiges in Bewegung.