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Das digitale Klassenzimmer: Lernen mit dem Tablet.
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Autoren

Isabella Kroth
Jan Degner
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Das digitale Klassenzimmer: Lernen mit dem Tablet.

Kurz vor 8 Uhr morgens: Für die Schüler an der Erlanger Realschule am Europakanal beginnt gleich der Unterricht. Auf den ersten Blick eine ganz normale Schule. Doch hinter dem Eingang verbirgt sich die digitale Revolution: In acht Klassen nutzen 240 Schüler ein Tablet. "Access Points" sorgen für flächendeckendes Internet. Digitales Werkzeug, das auch Lehrer Frank Lohrke beherrschen muss.

"Die Herausforderung ist, dass meine Schüler motiviert am Unterricht teilnehmen, dass alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe, dass die Technik auch mitmacht und dass die Schüler Spaß an der Stunde haben." Frank Lohrke, Biologielehrer, Realschule am Europakanal, Erlangen

Digitales Klassenzimmer - Schüler sind mit der Technik aufgewachsen

Die jungen Leute sind "digital natives", mit der neuen Technik aufgewachsen. Bücher brauchen sie keine mitschleppen, die können sie sich gleich auf dem Tablet ansehen. "Auch wenn man lernen will, braucht man nur das iPad, weil man in die Hefte ja nicht mehr reinschreibt", erklärt eine Schülerin.

Frank Lohrke will seine Schüler mithilfe der neuen Technik begeistern - heute für die menschliche Nervenzelle. Der Unterricht beginnt nicht mit dem Erklären von Neuronen und Synapsen - sondern mit "Augmented Reality" (AR): weg von Papier und Stift hin zu einer durch Computereffekte virtuell erweiterten Realität.

Bio-Unterricht mit Augmented Reality

Die Aufgabe: ein Nervenzell-Modell mit AR-Beschriftung gestalten. Als Beispiel dient der DNA-Strang an der Wand. "Jetzt kann ich das hier scannen. Und bekomme dann live die Beschriftung dazu", beschreibt Lohrke den Effekt, den die Schüler von Videospielen kennen. Jetzt sollen sie diese Technik anwenden, um eine Nervenzelle zu beschriften.

Das Unterrichtsmaterial hat Frank Lohrke bereits in eine digitale Lernplattform gestellt: "Ihr braucht nur das iPad und euer Buch darauf, bitte." Dann entstehen aus Knete und Drähten per Online-Anleitung menschliche Nervenzellen.

Wenn im digitalen Klassenzimmer die Technik streikt

Während eine Gruppe fertig ist, kann die andere nicht weitermachen: Das Internet hängt gelegentlich auch im digitalen Klassenzimmer. "Das ist schon nervig", findet ein Schüler. Lehrer Lohrke sieht das ähnlich:

"Wir haben ein recht stabiles WLAN. Aber gerade bei neuen Anwendungen weiß man jetzt nicht direkt, wie die jetzt aufs Netz zugreifen. Und wenn ich dann einen Kollegen irgendwie anspreche, dass er das doch ausprobieren soll, und dann funktioniert die Technik nicht, das ist so ein bisschen der Knieschuss, leider." Frank Lohrke, Biologielehrer, Realschule am Europakanal, Erlangen

Schulleiter Markus Bölling kennt solche Herausforderungen besonders gut. Er ist Visionär in Sachen digitale Schule. Und das schon seit 2006.

"Wir haben erst einmal in einer kleinen Gruppe angefangen. Also diejenigen, die gewollt haben, haben Schulungen, relativ viele Schulungen gemacht." Markus Bölling, Schulleiter, Realschule am Europakanal, Erlangen

Auch für viele junge Lehrer ist Digitalisierung Neuland

Inzwischen nutzt fast das gesamte Kollegium ein Tablet, um den Unterricht vorzubereiten oder um Hausaufgaben digital zu korrigieren. Nur manche setzen lieber weiter auf Füller und Schulbuch. Die Referendare sind mit den neuen Medien aufgewachsen. Doch auch sie müssen erst fit gemacht werden für die Schule der Zukunft.

"An meiner Uni hat man's nicht gelernt. Deshalb bin ich froh, dass wir hier auch viele praxisnahe Apps kennenlernen, die wir dann auch tatsächlich im Unterricht einsetzen können." Philipp Renz, Referendar, Realschule am Europakanal, Erlangen

Der Computer korrigiert automatisch

Im Bio-Unterricht von Frank Lohrke läuft mittlerweile das Internet wieder. Die eine Gruppe kann weitermachen, die andere macht sich an die nächste Aufgabe. "Wir müssen doch jetzt erst mal das Ganze beschriften", so Lohrke. Rechtschreibung ist nicht mehr so wichtig - der Computer korrigiert automatisch.

"Wir arbeiten in der Schule ja oft so ein bisschen mit der Technik von gestern. Und das Thema augmented und virtual reality ist ja auch in der Spielewelt ganz stark vertreten, ja. Und die Schüler haben damit ja Berührungspunkte. Und da sollen sie sehen, dass sie auch sinnvoll damit arbeiten können und nicht nur das klassische Spielen." Frank Lohrke, Biologielehrer, Realschule am Europakanal, Erlangen

Klar ist: Die digitale Revolution ist mitten unter uns. Aber auch: Tablets allein machen den Unterricht nicht besser. Entscheidend ist, die digitale Technik da einzusetzen, wo sie pädagogisch sinnvoll ist. Nur dann kann die Schule 4.0 wirklich zu einem Erfolg werden.