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Der Einzelhandel in Bayern darf im Lockdown keine Abholdienste für Waren anbieten. Das geht aus einer Verordnung des Freistaates zum Lockdown hervor. "Click and Collect" als Rettung für Teile des Umsatzes ist damit nicht möglich.

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Einzelhandel in Bayern: Regierung verbietet "Click and Collect"

Der Einzelhandel in Bayern darf im Lockdown keine Abholdienste für Waren anbieten. Das geht aus einer Verordnung des Freistaates zum Lockdown hervor. "Click and Collect" als Rettung für Teile des Umsatzes ist damit nicht möglich.

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Von
  • Dirk Vilsmeier

Die bayerische Staatsregierung hat umfangreiche Details zu den Vorgaben des neuen Lockdowns veröffentlicht. In einer Verordnung werden diese genau festgehalten. In Teil 4, zum Wirtschaftsleben, heißt es dort, dass unter anderem Abholdienste bei geschlossenen Ladengeschäften untersagt sind. Das vom Einzelhandel angestrebte "Click and Collect" ist damit in Bayern nicht möglich. Lediglich Geschäfte, die öffnen dürfen, können die Abholung von Waren anbieten.

Die Enttäuschung im bayerischen Einzelhandel über die Entscheidung ist groß. Es herrsche Wut und Unverständnis über die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung, so der Handelsverband Bayern.

FAQ erläutert wichtige Details für Einzelhandel

In einem FAQ des Gesundheitsministeriums heißt es aber, dass Lieferdienste weiterhin möglich sind. Dort werden auch zahlreiche Fragen beantwortet. Beispielsweise wird noch einmal genau aufgeführt, welche Geschäfte offen bleiben dürfen - von "Abgabe von Speisen zum Mitnehmen" über "Jagdbedarf" und "Schreibbedarf zur Versorgung von zu Hause lernenden Schülern/Studenten und zur betrieblichen Bedarfsdeckung" bis hin zum "Zeitungs- und Zeitschriftenverkauf".

Dabei wird auch erläutert, wie Betriebe vorgehen müssen, die unterschiedliche Waren oder Dienstleistungen anbieten. Bei sogenannten Mischbetrieben gilt demnach der Schwerpunkt der Tätigkeit. Unternehmen die also mehr als 50 Prozent ihrer Tätigkeit im erlaubten Bereich ausüben, dürfen weiter öffnen - auch für Waren, die vom Sortiment her eigentlich nicht mehr zugelassen wären.

Härtere Vorgaben gelten hier aber für Großbetriebe, die dann einzelne Abteilungen abriegeln müssen. Mischbetriebe deren Waren zum Großteil im nicht erlaubten Bereich liegen, dürfen aber die Bereiche öffnen, die erlaubte Waren anbieten. Ausdrücklich aufgeführt sind auch die Betriebe, die schließen müssen: von Archiven über Fahrschulen und Hundesalons bis hin zu Wettannahmestellen.

"Click and Collect": Regeln in Bundesländern variieren

Auch in Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen wird es kein "Click and Collect" geben. Im Gegensatz zu beispielsweise Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Schleswig-Holstein - dort ist die Abholung von Waren in geschlossenen Geschäften erlaubt. Voraussetzung ist meist allerdings eine kontaktlose Übergabe.

Hilfe in der Krise und Entlastung der Paketdienste

Der Einzelhandel hatte zuvor ins Spiel gebracht, dass Kunden die Möglichkeit haben sollten, Ware online zu bestellen und sie dann vor dem Geschäft abholen zu können. Das würde Einzelhändlern ermöglichen, auch im Lockdown noch Umsatz zu machen und die Paketdienste entlasten, die jetzt schon am Anschlag seien. "Click and Collect" könne ein wichtiger Beitrag für viele Händler sein, besser durch diese Krise zu kommen, so der Sprecher des Handelsverbands Deutschland Stefan Hertel.

Andreas Gärtner, der schwäbische Bezirksgeschäftsführer beim Einzelhandelsverband Bayern, betonte auch, "Click and Collect" gebe Kunden eine Chance , noch Geschenke zu kaufen, die kurzfristig nicht mehr dazu gekommen seien.

Große Einzelhandelsketten für "Click and Collect"

Unterstützung bekam der Verband von den Elektronikketten Media Markt und Saturn sowie dem Möbelhändler Ikea. Ein Sprecher der Elektronikketten betonte, schon in der ersten Corona-Welle habe sich gezeigt, dass es möglich sei, beim Abholen von vorab bestellter Ware den Gesundheitsschutz für Kunden und Mitarbeiter durch speziell eingerichtete Abholstationen zu gewährleisten.

Auch Deutschlands größter Möbelhändler Ikea wünschte sich die Möglichkeit, seine riesigen Verkaufshäuser im Shutdown zumindest als Abholstationen nutzen zu können. Es sei eine große Chance, bereits vorbestellte Ware den Kunden zur Verfügung zu stellen und neue Bestellungen rasch und unkompliziert für die Kunden abholbereit zu machen, hieß es auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Man hätte es begrüßt, wenn sich Bayern auch der Beschlussvorlage der Bundesregierung angeschlossen hätte, die das Thema Abhol- und Lieferdienste positiv beschieden hatte. Man habe jedoch auch größten Respekt vor den Entscheidungen der politisch Verantwortlichen. "Für unsere sechs Einrichtungshäuser in Bayern werden wir demnach kein Click&Collect anbieten können."

Heftige Kritik von der bayerischen SPD

Deutlicher wird die SPD in Bayern. SPD-Generalsekretär Uli Grötsch kritisiert ein "bizarres Ankündigungs-WirrWarr um eine Click & Collect Option". Vor allem auch, weil der Einzelhandel in Bayern schon länger in der Krise stecke. "Erst ruft der Wirtschaftsminister die Ladenbesitzer explizit dazu auf, funktionierende Click & Collect-Konzepte für die Zeit der Ladenschließungen vorzubereiten. Dann bläst die Söder-Regierung diese Möglichkeit nur Stunden vor Lockdown-Beginn ab." Das schade in dieser schwierigen Lage den Händlern zusätzlich. Dabei brauche es jetzt echte bayerische Kraftanstrengungen, um ein Ladensterben zu verhindern. Die SPD fordert deshalb eine "bayerische Task Force Einzelhandel" und ein "klares Konzept für die schrittweise Wiedereröffnung mit der Situation angemessenen Hygienekonzepten".

Warnung vor Pleitewelle und massiven Jobverlusten

Der Handelsverband Deutschland warnt angesichts des harten Lockdowns bereits vor einer möglichen Pleitewelle in den Innenstädten. Bis zu 250.000 Jobs könnten verloren gehen, wenn der Staat den Händlern nicht massiv unter die Arme greife.

Auch der Deutsche Städtetag erwartet erhebliche Belastungen für die Innenstädte. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte, die Probleme beim Einzelhandel in den Innenstädten seien älter als das Virus, sie hätten sich aber in diesem Jahr verschärft. "Deshalb stellt sich umso dringender die Frage, wie die Innenstädte attraktiver gestaltet werden können. Diese Debatte müssen wir im neuen Jahr zwischen allen Akteuren fortsetzen. Vorrang hat jetzt die finanzielle Hilfe für die Betroffenen, die Bund und Länder zugesagt haben. Sie muss schnell kommen."

Der vom Lockdown im Frühjahr und jetzt erneut betroffene Handel wird in diesem Jahr voraussichtlich Umsatzeinbußen in Höhe von 36 Milliarden Euro verzeichnen, wie der HDE vorrechnet. Der "Lockdown-Handel" werde ein Fünftel seiner Umsätze abgeben.

300 Millionen unverkaufte Kleidungsstücke

"Insbesondere im Modehandel stehen viele Betriebe kurz vor der Insolvenz", erklärte Hauptgeschäftsführer Genth. "Da die Schließung jetzt bereits vor dem 24. Dezember erfolgt, wird sich bis zum 10. Januar ein riesiger Berg von 300 Millionen Teilen unverkaufter Modeartikel auftürmen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Im Weihnachtsgeschäft gingen normalerweise pro Tag im Schnitt mehr als 15 Millionen Hosen, Shirts, Schuhe und sonstige Kleidungsstücke über den Ladentisch.

Das Thema "Click and Collect" war bei den Beratungen von Bund und Ländern am Sonntag noch nicht geregelt worden und musste jetzt von den Ländern in eigenen Verordnungen geklärt werden.

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Der Einzelhandel in Bayern darf im Lockdown keine Abholdienste für Waren anbieten. Das geht aus einer Verordnung des Freistaates zum Lockdown hervor. "Click and Collect" als Rettung für Teile des Umsatzes ist damit nicht möglich.

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