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Einzelhändler wollen wegen Corona-Einbußen sonntags öffnen | BR24

© BR / Steffen Armbruster

Markus Anselment, IHK-Regionalgeschäftsführer in Lindau, fordert, verkaufsoffene Sonntage nachzuholen.

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Einzelhändler wollen wegen Corona-Einbußen sonntags öffnen

Vor allem Bekleidungsgeschäfte und Spielzeughändler haben deutliche Verluste wegen des Corona-Lockdowns. Sie sind teils in ihrer Existenz bedroht. Die Industrie- und Handelskammer befürwortet verkaufsoffene Sonntage, aber es gibt heftigen Gegenwind.

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Bayernweit sollen die Läden an vier Sonntagen in diesem Jahr noch öffnen dürfen – so lautet die Forderung der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Schwaben. Der Grund: Wegen der Corona-Beschränkungen sind fast alle verkaufsoffenen Sonntage weggefallen. Denn sie dürfen laut Ladenschlussgesetz des Bundes nur anlässlich traditioneller Großveranstaltungen stattfinden: Messen, Frühlingsfeste, Kirchweih-Sonntage. Beispielsweise in Nürnberg zum Altstadtfest und in Lindau am Bodensee zur jährlichen Tagung der Nobelpreisträger. Coronabedingt fallen diese Veranstaltungen seit dem Frühjahr aber alle aus. Damit sind auch die geplanten verkaufsoffenen Sonntage hinfällig. Das trifft die Händler zusätzlich zu den Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie.

Sommerkollektionen noch im Lager – IHK sorgt sich um Textilhändler

Insbesondere der Textileinzelhandel kämpft: Keine Feste, keine Konzerte, keine Hochzeiten – das sind alles Anlässe zu denen die Kunden normalerweise bei den Händlern direkt in ihrer Region ein neues Kleid oder einen Anzug kaufen. Von massiven Einbußen spricht Markus Anselment. Er ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer und IHK-Regionalgeschäftsführer in Lindau. Anselment sagt, die Sommerkollektion liege teilweise noch in den Lagern der Läden.

Wirtschaftsminister Aiwanger rückt vom Sonntagsverkauf ab

Die Idee der IHK dazu: Vier verkaufsoffene Sonntage, die normalerweise pro Jahr erlaubt sind, nun innerhalb der verbleibenden Monate dieses Jahres zu veranstalten. Und zwar: Ohne einen Anlass wie Märkte oder Feste. Dazu müsste die Staatsregierung die entsprechende Verordnung ändern. Zwar hatte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) jüngst zunächst ein Entgegenkommen signalisiert, dann aber doch wieder Abstand von anlasslosen verkaufsoffenen Sonntagen genommen.

© Abendschau

Vor allem Bekleidungsgeschäfte und Spielzeughändler mussten deutliche Verluste wegen des Corona-Lockdowns hinnehmen - ihre Existenzen sind teilweise bedroht. Deshalb fordert die Industrie- und Handelskammer verkaufsoffene Sonntage.

Arbeitsministerium sieht keinen Spielraum für geänderten Ladenschluss

Unmittelbar zuständig für die verkaufsoffenen Sonntage ist innerhalb der bayerischen Staatsregierung ohnehin das Arbeitsministerium. Das Haus von Carolina Trautner (CSU) verweist auf Nachfrage des BR auf enge Rahmenbedingungen für eine Änderung der Ladenschlusszeiten: "Anlasslose Sonntagsverkäufe sind rechtlich ausgeschlossen, da die Verknüpfung mit einem Anlass von der Rechtsprechung aufgrund des verfassungsrechtlich gebotenen Sonn- und Feiertagsschutzes gefordert ist", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Demnach würde daran auch ein eigenes bayerisches Ladenschlussgesetz nichts ändern. Dieser Argumentation folgen nach wie vor auch die Kirchen.

Katholische Kirche wehrt sich gegen verkaufsoffene Sonntage

Der Augsburger Bischof Bertram Meier betonte auf Nachfrage des BR den Schutz des Sonntags. Er sei sich den finanziellen Einbußen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Einzelhändler, die Corona mit sich bringt, bewusst, allerdings "sollten wir die Kultur der Menschlichkeit nicht opfern", heißt es in dem Statement.

IHK fordert, ausgefallene Sonntage nachzuholen

Dafür hat die IHK kein Verständnis. Ohne Corona hätte es die bereits geplanten verkaufsoffenen Sonntage alle gegeben, argumentiert Markus Anselment. Dem gebeutelten Einzelhandel müssen man eine Chance gegeben. Er fordert den Freistaat deshalb auf zu handeln.

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