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Einwanderung aus Osteuropa: Ab 1. März einfachere Regeln | BR24

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Dachdecker, Pflegeassistenten und Köche: Die Einwanderung von Fachkräften wird bald in Deutschland einfacher werden. Viele Osteuropäer bereiten sich auf ihre Auswanderung vor. Ein Stimmungsbild aus Skopje im Balkanstaat Nordmazedonien.

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Einwanderung aus Osteuropa: Ab 1. März einfachere Regeln

Dachdecker, Pflegeassistenten und Köche: Die Einwanderung von Fachkräften nach Deutschland wird bald einfacher werden. Viele junge Osteuropäer bereiten sich auf ihre Auswanderung vor. Ein Stimmungsbild aus Skopje im Balkanstaat Nordmazedonien.

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Fatima lebt im Osten des kleinen Balkanstaats Nordmazedoniens, wo es kaum Arbeitsplätze gibt. Oft hat nur ein Familienmitglied einen Job, von dem man nicht leben kann. Deswegen ist Fatima mit ihrer Tochter zur deutschen Botschaft in die Hauptstadt Skopje gekommen: Sie will eine Arbeitsgenehmigung beantragen.

Fast alle ihre Freunde und Familienmitglieder seien bereits in Deutschland. Sie sagt: "Zuallererst werde ich mich mit der Sprache beschäftigen und Deutsch lernen, wie ich jetzt mazedonisch spreche. Dann werde ich Arbeit suchen. Ich würde mich gern als Chefin in einem Restaurant sehen, ich will mit Menschen arbeiten."

"Meine Frau und ich werden alleine zurückbleiben"

Ein älterer Mann aus Tetovo, einer Stadt im Nordwesten, wartet gerade auf seinen Sohn: "Ein Sohn ist schon gegangen. Dies ist schon der zweite. Wir, meine Frau und ich, werden alleine zurückbleiben. Ich bin 59, sie ist 60. In ein paar Jahren können wir dann auch selbst nicht mehr arbeiten. Unser älterer Sohn lebt in der Nähe von Berlin und arbeitet als Kellner in einem Restaurant."

Viele Nordmazedonier wandern nach Deutschland – und auch Österreich – aus, um dort zu arbeiten. Seit Jahresbeginn ist das noch verlockender geworden, denn es gibt neue, leichtere Regeln für die Einwanderung von Fachkräften.

Ab 1. März gibt es eine einfachere Regelung

Seit 1. Januar können sich qualifizierte Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern in Österreich bereits bewerben - das Wiener Bundesarbeitsministerium veröffentlicht eine lange Liste mit 56 verschiedenen Berufsgruppen, vom Landmaschinenbauer über Dachdecker, Pflegeassistenten und Köche. Deutschland wird zum 1. März mit einer vergleichbaren Regelung nachziehen.

300 Euro Lohn in Nordmazedonien

Shefajet ist Berufskraftfahrer und verdient daheim umgerechnet rund 300 Euro – zu wenig. Er begleitet den Sohn seines Schwagers zur Botschaft. "Er wird auch gehen. Was soll er hier machen? Gäbe es in Mazedonien Löhne von 500 bis 600 Euro würde niemand nach Deutschland wegziehen, auch wenn man dort 1.500 bis 2.000 Euro verdienen würde. Niemand verlässt gerne die Familie, um fern von Haus und Kinder zu sein", schätzt er die Lage ein.

Patrick Martens, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Skopje, sagt, viele Arbeitnehmer aus Nordmazedonien würden die erheblich höheren Lebenshaltungskosten in Deutschland nicht bedenken. Er sagt: "Hier vor Ort" sei "das Nettogehalt als Summe relevant", während in Deutschland "von Bruttogehältern" die Rede sei. Er sagt: "Weniger bekannt sind die Lebenshaltungskosten in Deutschland", die "letztendlich häufig zum Nullsummenspiel führen".

Mangelnde Stabilität führt zu Abwanderung

Es sind allerdings nicht allein die höheren Löhne, die den deutschen Arbeitsmarkt so anziehend machen für Arbeitskräfte aus Nordmazedonien. Es ist auch die mangelnde innenpolitische Stabilität in Nordmazedonien; die von der EU zurückgewiesene Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, auf Druck des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron; die derzeit amtierende Technokraten-Regierung, die bis zu den Neuwahlen im April alle Vorurteile über Missmanagement und Vetternwirtschaft erfüllt.

Für den 59-jährigen Vater aus Tetovo vor der deutschen Botschaft steht fest: "Es ist fürchterlich, was in Mazedonien geschieht. Ich rede über Mazedonien, aber auch den anderen Ländern geht es nicht besser. Die sagen, dass wir zwei Millionen sind, aber hier sind sie bestimmt nicht, diese zwei Millionen Einwohner. Ich selbst habe zwei Kinder. Der eine ist bereits seit sieben Monaten in Deutschland, und jetzt wird auch der zweite Sohn seine Papiere bekommen. Er will nicht hier bleiben, weil er keine Perspektive mehr sieht."

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