Ein Steuerzahler füllt seine Steuererklärung aus und tippt zur Berechnung Zahlen in einen Tischrechne

Wenn sich die familiären oder beruflichen Umstände ändern, kann es vorteilhaft sein, die Steuerklasse zu wechseln.

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    Einkommensteuer 2022: Steuerklassenwechsel kann sich auszahlen

    Einkommensteuer 2022: Steuerklassenwechsel kann sich auszahlen

    Elternzeit, Jobverlust, Rente – je nach Lebenslage kann es sich für Eheleute und eingetragene Partnerschaften lohnen, die Steuerklassen zu wechseln. Mit dem ein oder anderen Trick erhalten sie so mehr Netto im Monat oder höhere Sozialleistungen.

    Was steht an im kommenden Jahr – in der Familie, im Beruf? Für manche kann es sich lohnen, sich diese Frage zu stellen. Denn je nachdem, wie sich die Lebenslage und damit das Einkommen verändern, kann man mit dem Wechsel in eine andere Steuerklasse bares Geld sparen – oder zumindest mehr Geld im Monat zur Verfügung haben. Früher ging ein Steuerklassenwechsel nur einmal im Jahr. Mittlerweile ist das Steuersystem flexibler und digitaler. Der Wechsel kann nun auch online beantragt werden.

    Für wen lohnt sich der Blick auf die Steuerklassen?

    Singles gehen hier leer aus. Sie haben keine Wahl und sind immer in Steuerklasse I. Ausnahme: wenn sie Alleinerziehend sind. Dann gibt es eine Möglichkeit, zu wechseln.

    "Wenn man zum Beispiel einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende hat, kann man anstelle der Steuerklasse I die Steuerklasse II wählen, macht dann unterm Strich auch noch ein paar Euro mehr netto im Monat aus." Tobias Gerauer, Rechtsvorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern

    Heißt: Monatlich zahlen Alleinerziehende weniger Steuern und haben mehr Geld im Portemonnaie. Eheleute und eingetragene Partnerschaften können immer frei wählen, wie sie ihre Steuerlast aufteilen möchten.

    "Nach der Heirat wir den Eheleuten die Steuerklassen-Kombination IV/IV zugeteilt. Daher sollten die Eheleute überprüfen, ob diese Steuerklassen-Kombination auch die richtige ist oder ob ein Wechsel in eine andere Steuerklasse beantragt werden sollte." Jana Bauer, Bundesverein der Lohnsteuerhilfen.

    Die Faustregel dabei: Wer im Haushalt mehr verdient, sollte in die bessere Steuerklasse III wechseln. Der/die andere ist dann in der Steuerklasse V. Aber nicht nur die Höhe des Gehalts ist hier ausschlaggebend. Es gibt auch andere Gründe, die Steuerklassen zu wechseln.

    Wann kann sich ein Wechsel der Steuerklassen lohnen?

    Zum Beispiel für Frauen, die ein Kind erwarten. Sie können in die Steuerklasse III wechseln. Hier ist die Lohnsteuer am geringsten und das Nettoeinkommen am höchsten. Und das ist wichtig für das Elterngeld, das sich am Nettoeinkommen berechnet.

    "Hier wäre es aber wirklich wichtig, ganz zeitnah, nachdem feststeht, dass eine Schwangerschaft besteht, dass man da auch zum Finanzamt geht und die Steuerklassen anpassen lässt." Tobias Gerauer, Lohnsteuerhilfe Bayern

    Zeitnah bedeutet: Spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes, sonst rechnet die Elterngeldkasse mit dem alten Nettoeinkommen. Auch andere Lohnersatzgelder berechnen sich am Netto – zum Beispiel das Kurzarbeitergeld.

    "Eine Gefahr besteht darin, wenn sich der Besserverdiener für eine ungünstigere Steuerklasse entschieden hat und plötzlich und unerwartet selbst arbeitslos wird. In diesem Fall würden sich die Lohnersatzleistungen nach dem niedrigeren Gehalt berechnen." Jana Bauer, Bundesverein der Lohnsteuerhilfen

    Prinzipiell gilt: Wirklich Steuern sparen kann man mit dem Wechsel der Klassen nicht.

    "Unterm Strich ist es aber so – und das muss man, glaube ich, auch ganz ehrlich sagen – egal, welche Steuerklasse man wählt oder welche Steuerklassenkombination Ehegatten wählen, durch die Abgabe der Einkommensteuererklärung, die ja normalerweise im Folgejahr passiert, gleicht sich alles wieder aus." Tobias Gerauer, Lohnsteuerhilfe Bayern

    Letzen Endes ist es also egal, ob ein Partner Steuerklasse drei oder die Steuerklasse fünf hatte. Mit der Einkommenssteuererklärung über das Jahr gerechnet haben beide Ehegatten die gleiche Steuerlast.

    Welche Fristen müssen eingehalten werden, um Steuerklassen zu wechseln?

    Bis vor zwei Jahren konnten eingetragene Partner und Eheleute nur einmal im Jahr die Steuerklassen wechseln. Das hat sich seit Januar 2020 geändert: Sooft sie wollen, können sie nun wechseln.

    "Dazu müssen Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner einen Antrag bei ihrem zuständigen Finanzamt einreichen. Die neue Steuerklasse gilt dann ab dem nächsten Monat nach der Antragstellung." Jana Bauer, Bundesverein der Lohnsteuerhilfen.

    Beim Wechsel der Steuerklassen ist nur eine einzige Frist zu beachten: Das ist der 30. November. Bis zu diesem Datum muss der Antrag auf Steuerklassenwechsel beim Finanzamt eingegangen sein, wenn die Steuerklasse noch im laufenden Jahr berücksichtigt werden soll.

    Wie und wo kann man den Steuerklassenwechsel beantragen?

    Den Antrag zum Steuerklassenwechsel gibt es online auf den Seiten des Finanzamtes zum Ausdrucken, Unterschreiben und Verschicken.

    "Seit Oktober 2021, ist es auch möglich, den Wechsel auf Änderung der Steuerklassen per Elster an das Finanzamt, also elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln." Tobias Gerauer

    Wichtig ist: Wer seine Steuerklasse ändert, sollte seinen Arbeitgeber darauf hinweisen und die nächste Lohnabrechnung prüfen.

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