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Eine trockene Semmel macht noch kein Frühstück | BR24

© BR/Birgit Harprath

Steuerlich kommt es auf den Brötchenbelag an

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Eine trockene Semmel macht noch kein Frühstück

Wenn Chefs die Spendierhosen anhaben, könnte das für Angestellte teuer werden. Mitgebrachte Semmeln oder Rosinenbrötchen können als Frühstück gelten und müssten deshalb versteuert werden. Mitarbeiter sollten sich die Backwaren daher genau anschauen.

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Der Chef hat in der Vorweihnachtszeit gerne mal die Spendierhosen an und bringt seinen Mitarbeitern Frühstück mit ins Büro. Mitarbeiter sollten aber genau auf die Semmel schauen, sonst wird aus dem Mitgebrachten schnell ein Sachbezug, der versteuert werden muss. Der Bundesfinanzhof hat sich nun mit der Frage beschäftigt: Wie spendabel darf der Chef gegenüber seinen Mitarbeitern sein ?

Kostenlose Backwaren in der Kantine

Laugen-, Rosinen-, Roggen- und Kürbisbrötchen, alles nett in Körben zusammengestellt, sollten in einem westfälischen EDV-Unternehmen der Kontaktpflege dienen und bei abteilungsübergreifenden Problemlösungen helfen. Die Chefin hatte dafür eine extra Pause am Vormittag eingeführt. Auch Führungskräfte sollten beim Brötchen-Buffet neben dem Kaffeeautomaten zum Smalltalk mit den Angestellten vorbeischauen. Alles wäre perfekt gewesen. Hätte sich nicht das Finanzamt eingeschaltet. Bei einer Außenprüfung entdeckte die Steuerbehörde die essenden und trinkenden Kollegen und bat die Angestellten zur Kasse.

Sachbezüge sind zu versteuern

Grundsätzlich hatte das zuständige Finanzamt nicht Unrecht. Formal juristisch gilt eine Mahlzeit, die Arbeitgeber ihren Angestellten auf irgendeine Weise anbieten, zu den so genannten Sachbezügen. Dies sind Leistungen des Unternehmens für ihre Mitarbeiter, die nicht in Geld, sondern in einem geldwerten Vorteil bestehen. Für kostenlose oder verbilligte Verpflegung hat die Steuerbehörde Sachbezugswerte festgelegt. Diese hatte die Finanzbehörde in Westfalen als Grundlage genommen und entschieden, das kostenlose Frühstück des Arbeitgebers muss versteuert werden.

Chefin zieht vor Gericht

Die Chefin war über die Behörden-Entscheidung wenig begeistert und wehrte sich. Schließlich musste sich der Bundesfinanzhof mit der Frage auseinandersetzen, ob die kostenlosen Semmeln zusammen mit einem Kaffee aus dem Automaten schon eine Mahlzeit bzw. ein Frühstück sind oder nicht.

"Mit oder ohne" ist hier die Frage

Die Entscheidung des Bundesfinanzhofs mutet etwas kurios an. Im abschließenden Urteil heißt es: Das Bereitstellen von trockenen Backwaren, verbunden mit der Möglichkeit einen Kaffee zu trinken, erfüllt noch nicht die Anforderungen, die an ein Frühstück zu stellen sind. Hierfür müsste ein Aufstrich oder ein Belag dazukommen. Die Art der Semmeln ist dabei völlig unerheblich. Was den Beschäftigten von ihrer Firma geboten werde, dass seien nur einzelne Lebensmittel. Im Urteil verraten die Richter auch, was für sie zum Belag dazugehört: Butter, Aufschnitt, Käse oder Marmelade.

Auch der Verweis des Finanzamtes vor Ort, dass sich die Essgewohnheiten geändert hätten und für viele ein Frühstück nur aus einem "Coffee-to-go" und unbelegtem Gebäck besteht, überzeugte den Bundesfinanzhof nicht. Es kommt eben auf den Belag an. Damit ist die trockene Semmel im Betrieb eine steuerfreie Aufmerksamkeit.