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Ein Jahr zum Vergessen für die deutschen Autobauer | BR24

© picture alliance / dpa

Abgasuntersuchung in einer Werkstatt

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Ein Jahr zum Vergessen für die deutschen Autobauer

Razzien, Rückrufe, Verhaftungen: Wegen des Abgas-Skandals lief es 2018 nicht gut für die deutsche Automobilwirtschaft. Und dann ist da noch das WLTP-Problem: Das neue, strengere Abgasprüfverfahren sei ein "unangenehmes Thema", so der Verband VDA.

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Es sieht ein bisschen aus wie ein Schrottplatz: Rund 600 neue Audis stehen auf einer Brachfläche im Kreuzlinger Forst südlich von München. Hohe Metallgitter umzäunen die Autos. Doch die Audis sind kein Schrott. Der Kilometerstand zeigt höchstens ein paar Kilometer. Weiße Folie schützt die glänzenden Karosserien gegen widriges Wetter. Es sind Neuwagen. Sie sind nicht auf dem Markt, weil sie noch nicht ganz fertig sind. Die Zertifizierung fehlt. Und zwar streng nach den Vorgaben des seit September geltenden Abgasprüfverfahrens WLTP.

Was versteht man unter WLTP?

WLTP - das international einheitliche Test-Verfahren (World Harmonized Light Vehicle Test Procedure) gilt seit dem 01.09.2018 für alle Neuzulassungen in der EU. Es soll dafür sorgen, dass Herstellerangaben zu CO2-Ausstoß und Kraftstoffverbrauch realistischer werden.

Neuwagen werden seit September zwischengelagert

"Bei einigen Fahrzeugen mit temporär eingeschränktem Produktangebot warten wir aktuell noch auf die Freigabe der Behörden nach WLTP. Um die Produktionsabläufe nicht zu beeinträchtigen und den Markt schnellstmöglich mit WLTP-Fahrzeugen versorgen zu können, haben wir uns für eine Zwischenlagerung entschieden", schreibt ein Sprecher von Audi. Schon lange ist klar, dass das Prüfverfahren kommt. Warum also diese Probleme? Nicht nur Audi kämpft mit den strengen Abgasvorschriften. Auch Porsche und VW. Allerdings sind es Markentöchter der Konzernmutter Volkswagen. Und da ist noch eine zweite Baustelle rund um das Thema Abgase.

Diesel-Skandal bindet Spezialisten

Der Diesel-Skandal beschäftigt die Spezialisten im gesamten Konzern. "Wir sind sicherlich in einer besonderen Situation, da wir zeitgleich auch unsere zahlreichen Motor-Getriebe-Kombinationen sukzessive auf Herz und Nieren geprüft haben", gibt Audi zu. "Dabei hat es sich um einen sehr komplexen und zeitaufwendigen Prozess gehandelt, da wir bei jedem einzelnen Aggregat in die Tiefen der Softwarecodes einsteigen mussten." Die Abgasspezialisten bei Audi sind damit beschäftigt, die manipulierte Software aus den betroffenen Autos zu beseitigen und Updates aufzuspielen. Die Umstellung auf WLTP geriet auch deshalb ins Hintertreffen. Aber nicht nur.

Umstellung verschlafen?

Automobilexperten kritisieren, der gesamte Konzern habe das Thema schlicht unterschätzt. Deshalb hätten andere Autobauer deutlich weniger Probleme. Entsprechend heftig fiel der Herbst beim Ingolstädter Autobauer aus. Im Oktober blieben die Verkäufe in Europa mit rund 32.100 verkauften Audis um 52,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. In Deutschland meldeten die Händler für den Oktober ein Minus von 57,8 Prozent.

Keine Lösung in Sicht

Woche für Woche sollen die Autos nun ihr WLTP-Zertifikat bekommen und ausgeliefert werden, heißt es bei Audi. Tatsächlich standen auf der Brachfläche im Kreuzlinger Forst schon einmal gut 2.000 Audis. Jetzt sind es nur noch rund 600. Allerdings parkt der Autohersteller auf mehreren Flächen in ganz Deutschland seine Autos. Wo das sonst noch passiert, will Audi nicht sagen. Der Konzern geht fest davon aus, dass die Umstellung auf WLTP nur temporär besteht. Auch der Branchenverband VDA spricht von einer "kurzfristigen Delle". Trotzdem scheint eine Lösung noch nicht in greifbarer Nähe. "WLTP ist ein Thema, das die ganze Branche beschäftigt und weiter beschäftigen wird. Auch in den nächsten Jahren stehen uns Umstellungen bevor", sagt der Audi-Sprecher. Für die Kunden bedeutet das teils sehr lange Wartezeiten.

© BR

WLTP. Das neue, strengere Abgasprüfverfahren verhagelt dem Volkswagenkonzern die Bilanzen. Beim Verband der Automobilindustrie, der heute den Jahresbericht der Autobranche präsentiert, heißt es dazu: "ein unangenehmes Thema."