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Edelmetalle: Wie entwickeln sich Goldpreis & Co. im neuen Jahr? | BR24

© Monika Stiehl/BR

Goldkäufer konnten 2020 deutliche Gewinne einstreichen: In Euro gerechnet von etwa 14 Prozent. Auch Silber, Palladium und Platin boomen. Wie könnten sich die Preise für Edelmetalle weiterentwickeln?

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Edelmetalle: Wie entwickeln sich Goldpreis & Co. im neuen Jahr?

Goldkäufer konnten 2020 deutliche Gewinne einstreichen: in Euro gerechnet etwa 14 Prozent. Auch Silber, Palladium und Platin boomen. Wie könnten sich die Preise für Edelmetalle weiterentwickeln?

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Von
  • Jürgen Seitz

Diese Zahlen liest man kaum: Die Feinunze Gold ist - gerechnet in Euro- um 14 Prozent im Jahresvergleich gestiegen - im Dreijahresvergleich sogar um rund 42 Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex DAX schaffte in den gleichen Zeiträumen "nur" 3,7 Prozent beziehungsweise 6,1 Prozent.

Anders als der ständige Hype um Aktien oder etwa Immobilienpreise, die zwischen Crash und Rallye stets große Medienaufmerksamkeit genießen, entwickeln sich Edelmetallpreise eher im Stillen. Und anders als Wertpapiere, die ja schon lange kein "Papier" mehr sind, sondern digitale Buchungen, sind Edelmetalle anfassbare Werte ohne Gegenparteirisiko.

Deutlich wird das, wenn man Edelmetalle als Wertspeicher gegenüber Papierwährungen betrachtet. So verlor der US-Dollar, immer noch die Weltreservewährung, seit den 1930er Jahren gegenüber Gold 99 Prozent seines Wertes. Das ist übrigens auch ein schlagendes Argument, warum Notenbanken stets Gold halten und seit vielen Jahren sogar diskret zukaufen.

Wer sich deshalb in Zeiten von Inflationsgefahr, Schulden-Tsunamis und Bankensterben um Vermögenschutz sorgt, kommt an einer näheren Betrachtung von Edelmetallen nicht vorbei.

Gold: Beimischung in unsicheren Zeiten

Gold gilt als Krisenwährung mit Inflationsschutz: Die ultra-niedrigen Zinsen und die anhaltende Geldflut an den Märkten durch die extrem lockere Geldpolitik der führenden Notenbanken im Kampf gegen die Coronakrise haben die Nachfrage noch angeheizt. Und diese Rahmenbedingungen werden sich auch im laufenden Jahr nicht verändern. Daher rechnen die meisten Experten auch 2021 mit steigenden Goldpreis - einige Analysten sehen sogar neue Rekordkurse.

Besonders optimistisch sind dabei die Experten der Commerzbank. Sie meinen, dass der Goldpreis bis Ende 2021 auf 2.100 US-Dollar je Feinunze steigen könnte. Damit würde er sein Rekordhoch vom vergangenen Sommer von 2.075 Dollar noch übertreffen.

Auch andere Experten sind positiv gestimmt, aber nicht ganz so euphorisch. Im Schnitt gehen sie von einem weiterhin hohen Goldpreis aus, der dieses Jahr zwischen knapp unter 1.900 und 2.000 Dollar je Feinunze pendeln dürfte.

Denn Anleger müssten noch viele Jahre mit einer Fortsetzung der Nullzinspolitik der Zentralbanken rechnen. Damit bleibe Gold weiterhin eine vergleichsweise lukrative Anlage-Alternative, auch wenn es darauf keine Zinsen gibt. Zumal einige Ökonomen im laufenden Jahr eine Rückkehr der Inflation erwarten. Bislang jedoch ist davon zumindest bei den Verbraucherpreisen nichts zu spüren, denn die sinken im Euro-Raum sogar im Durchschnitt. Die Jahresinflationsrate verharrte im Dezember auf minus 0,3 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. In Bayern stiegen die Verbraucherpreise von November auf Dezember insgesamt leicht um 0,4 %.

Silber: Anleger brauchen viel Fantasie

Dabei hat der Silberpreis in Euro mit gut 34 Prozent Jahresgewinn am meisten zugelegt. Oft als kleiner Bruder des Goldes bezeichnet, hat Silber eine sehr wechselvolle Kursgeschichte. Seit dem Allzeithoch mit über 33 Euro für die Feinunze im Frühjahr 2011 fiel der Preis zeitweise unter 15 Euro, um seit 2019 wieder stark anzusteigen auf aktuell rund 22 Euro.

Die hohen Preisschwankungen sind auch kein Wunder, betrachtet man Angebot und Nachfrage auf dem Silbermarkt. Denn Silber ist auch ein Industriemetall, das lediglich als Beiprodukt zum Beispiel in Kupferminen gewonnen wird. Bei steigender Nachfrage kann nicht im gleichen Maß das Angebot erhöht werden, der Preis schießt durch die Decke. Bei sinkender Nachfrage wird das Angebot hingegen nicht nach unten angepasst, der Preis sackt in sich zusammen.

Weltweit werden auch nicht mehr so viele Lagerbestände gehalten. Der Silberpreis ist daher der einzige Ausgleichsmechanismus für das Angebot-Nachfrage-Verhältnis.

Für die Goldnachfrage gilt das nicht. Bei steigenden Preisen kann man stets eine sinkende Schmuckgoldnachfrage beobachten. Für Silber sehen Marktbeobachter eine Preissteigerung auf 35 US-Dollar pro Feinunze in 2021, die Citibank hält sogar 100 US-Dollar je Unze für möglich.

Die US-Großbank sieht Silber besser als Gold geeignet für eine Wette auf einen starken Anstieg der Inflation, eine Erholung der Produktionstätigkeit sowie für positive Entwicklungen bei Covid-19-Impfstoffen. Jenseits solcher Spekulationen steht fest: In starken Aufwärtstrends am Edelmetall-Markt steigt Silber meist stärker, in Baissen fällt es weiter als Gold.

Platin und Palladium: Die heimlichen Gewinner

Das Industriemetall Palladium verzeichnete in den vergangenen Jahren Rekordanstiege, im Juli kostete es über 2600 Euro pro Unze. Damit kostet Palladium längst mehr als Gold. Aktuell ist der Preis wieder auf 1970 Euro pro Unze zurück gekommen, Analysten sehen das Metall deshalb am Scheideweg.

Wer Edelmetall-Spekulationen mag, sollte sich daher mit Platin beschäftigen. Das Industrie- und Schmuckmetall hat 2020 nur um 2,9 Prozent zugelegt. Coronabedingt fiel zwar die Nachfrage stark, noch stärker aber das Angebot. Obwohl die Minen ihre Produktion größtenteils wieder fast auf das Vorkrisenniveau hochgefahren haben, ist die Jahresförderung deutlich gesunken, während die Nachfrage wieder deutlich zugenommen hat, insbesondere die Investmentnachfrage.

Umsatzsteuer und Währungsrisiken nicht vergessen

Wer Vermögensschutz anstrebt, wird Edelmetalle physisch erwerben. Neben dem Aufgeld für den Händler beeinflusst auch die Umsatzsteuer die Rendite. Nur für Gold wird sie in Deutschland nicht erhoben - für Silber, Platin und Palladium hingegen schon.

Wer an kurzfristigen Kursgewinnen interessiert ist und auf steigende Edelmetallpreise spekuliert, kann dies zum Beispiel mit Minenaktien oder Zertifikaten tun. Dabei ist das Währungsrisiko für Euro-Besitzer nicht zu unterschätzen. Was die Feinunze in Euro kostet, ist damit davon abhängig, wie der Euro/US-Dollar-Kurs aktuell steht.

Und damit ist es für europäische Anleger nicht alleine wichtig, wie sich der Edelmetallpreis selbst bewegt, sondern auch, ob der US-Dollar zum Euro an Wert verliert, oder zulegt. Wird der US-Dollar zum Euro wertvoller, dann gäbe es diesen Währungsgewinn noch als Zubrot.

Edelmetalle vs. Bitcoin

Der sagenhafte Aufstieg der sogenannten "Kryptowährungen" in den vergangenen Jahren führt natürlich auch zur Diskussion, ob und wie sie eine Konkurrenz zu Gold und anderen Edelmetallen sein können.

Was die kurzfristige Wertentwicklung betrifft, ist die Sache entschieden. Der Bitcoin stieg in den vergangenen fünf Jahren um sagenhafte 7378 Prozent. Wer es damals schaffte, zu verstehen, was ein Bitcoin ist, einen Verkäufer dafür zu finden, den erhaltenen Code hackersicher zu speichern und ihn wieder sicher in Euro umzutauschen, ist heute reicher, als er es mit Edelmetallen, Aktien oder Immobilien sein könnte.

Ob Kryptowährungen allerdings zum Vermögensschutz taugen, ist hochumstritten. Denn Vermögen schützt nur, was selten, dauerhaft und unabhängig ist. Gold und Bitcoin sind selten - das Edelmetall wegen seiner erschöpften Reserven auf dem Globus, der Bitcoin durch Definition seiner Schöpfer.

Wie gehen Zentralbanken damit um?

Gold ist seit 5.000 Jahren Wertspeicher, hat Goldverbote, Kriege, Rezessionen und technologischen Wandel überlebt. In Gold steckt Anstrengung, technisches Know-How und Energieeinsatz, der sich in einem Barren oder einer Münze anfassbar materialisiert. Zentralbanken mögen Gold. Ob das für den Bitcoin auch gilt, darf bezweifelt werden. Wenn Zentralbanken beschließen, selber digitale Währungen einzuführen, ist fraglich, ob alternative Kryptowährungen weiterhin ein legaler Wertspeicher sein können.

Unabhängig sind Kryptowährungen schließlich ganz sicher nicht. Denn sie sind abhängig von Elektrizität, Internet und Computern.

Insofern scheint es einen unauflösbaren Widerspruch zu geben, der dem Vermögensschutz mit Kryptowährungen entgegensteht: Staatliche Regulierung einerseits und das Interesse der Krypto-Anleger nach Unabhängigkeit vom Finanzsystem andererseits. Bevor sich hier kein tragfähiger Kompromiss abzeichnet, bleiben Kryptowährungen spekulativ, was Vermögensschutz mindestens erschwert.