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Bei Zeitungen und Zeitschriften sind sie schon lange Teil des Alltags: Abos. Doch seit einiger Zeit kann man auch Filme und Musik abonnieren - oder Autos, wie zum Beispiel Elektrofahrzeuge. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten.

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Ein Elektroauto im Abonnement – lohnt sich das?

Bei Zeitungen und Zeitschriften sind sie schon lange Teil des Alltags: Abos. Doch seit einiger Zeit kann man auch Filme und Musik abonnieren – oder Autos, wie zum Beispiel Elektrofahrzeuge. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten.

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Von
  • Gabriel Wirth

Ein Auto-Abonnement ist bequem. Der Kunde muss sich weder um die Finanzierung, noch die Versicherung oder Wartung kümmern. So gut wie alle Kosten sind in der Abo-Gebühr enthalten. Hinzu kommt, dass man bei solchen Abos die Elektromobilität auch erst einmal nur ausprobieren kann – bevor man sich dann möglicherweise ein Elektro-Fahrzeug zulegt.

Fast alles drin: von der Versicherung bis zu den Winterreifen

Roland Lunck aus Lauf an der Pegnitz fährt schon seit langem Elektroautos. Und mittlerweile hat der Manager daran Geschmack gefunden, die Fahrzeuge zu abonnieren. Aktuell fährt seine Familie einen Kia E-Soul. Für ihn liegen die Vorteile auf der Hand: Jenseits der Abo-Gebühr entstünden keine weiteren Kosten, sagt er. Alles sei mit drin: von der Versicherung über Reparaturen bis hin zu Winter- und Sommerreifen. Außerdem könne er so auch mal andere Elektroautos ausprobieren.

Lunck zahlt für das Auto der Firma Nextmove monatlich 518 Euro. Das liegt über dem normalen Tarif, denn zum einen ist auch der 18-jährige Sohn mit dem Fahrzeug unterwegs und zum anderen reichen der Familie die im Ursprungstarif gewährten monatlichen Freikilometer nicht aus. Deshalb wurden noch mal 500 Kilometer hinzugebucht und mit der Fahrgebühr für junge Fahrer kommen damit dann die 518 Euro monatlich zusammen. Zu Beginn des Abos wurde zudem noch eine einmalige Startgebühr in Höhe von 199 Euro fällig.

Elektroauto-Abo-Gebühren beginnen bei 330 Euro

Die Preise für Elektroautos beginnen bei Nextmove bei monatlich 330 Euro für einen kleinen VW e-up und schrauben sich auf 850 Euro nach oben für einen Audi e-tron quattro – je nach Modell. Wer dann noch mehr als 1.000 Freikilometer monatlich braucht, mehrere Fahrer eintragen oder die Selbstbeteiligung reduzieren will, zahlt noch mal extra. Bei anderen Anbietern läuft es ähnlich.

Während der Laufzeit muss der Kunde dann jedoch nur noch den Strom fürs Fahren und die Pflege übernehmen sowie nach dem Scheibenwischwasser sehen. "Für mich rechnet es sich tatsächlich. Ich habe das durchkalkuliert gegenüber Kauf und Leasing. Beim Leasing habe ich eine zwei bis drei Jahresbindung. Hier kann ich jederzeit aussteigen", sagt Lunck. Wobei "jederzeit" in diesem Fall monatlich bedeutet.

Wartezeiten für gefragte Elektroauto-Modelle

Wer sich für solch ein Abo interessiert, muss aber auch selbst recht flexibel sein. Nicht immer steht das passende Wunschmodell in einer bestimmten Farbe und einer bestimmten Ausstattung zur Verfügung. Möglicherweise muss der Kunde auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Denn auch die Anbieter von solchen Autoabos haben Probleme an die Fahrzeuge zu kommen, schildert der Geschäftsführer von Nextmove Stephan Möller.

Demnach sind Hersteller, die besonders preisgünstige Fahrzeuge anbieten, über Monate ausgebucht. VW habe beispielsweise für den kleinen e-up sogar die Bestellbücher geschlossen, Škoda und SEAT ihre Kleinwagen sogar auf der Homepage aus dem Sortiment genommen. Im Januar sei bei SEAT das Auto noch mal drei Tage lang bestellbar gewesen. "Das sind Sachen, die in der Verbrennerwelt unvorstellbar sind", so Möller.

Bei Elektroauto-Abos aufs Kleingedruckte achten

Der Anbieter Nextmove hat sich auf Elektroautos spezialisiert. Daneben gibt es aber es mittlerweile aber auch zahlreiche andere Firmen am Markt, junge Startups, etablierte Autoverleihfirmen oder die Hersteller selbst. Auf jeden Fall sollte man sich die Angebote sehr genau anschauen, rät ADAC-Sprecher Christian Buric:

"Also man muss erst einmal auf das Kleingedruckte achten. Wichtig ist auch bei einem verlockend günstigen Angebot auf die Zahl der enthaltenen Kilometer zu schauen, bzw. auf die Höhe der Selbstbeteiligung der Versicherung. Auch Erfahrungsberichte aus dem Internet helfen auf jeden Fall." Christian Buric, ADAC

Ärgerlich wird es beispielsweise, wenn vereinbarte Lieferzeiten nicht eingehalten werden. Viel machen kann man dagegen aber nicht, denn diese Vereinbarungen sind meist unverbindlich. Auch kann es bei der Übergabe des Fahrzeugs nach der Nutzung unschöne Überraschungen geben, wenn Gutachter Schäden am Auto entdecken und es eine hohe Abschlussrechnung gibt.

Abo als interessanter Einstieg in die Elektromobilität

Trotzdem spricht für Jan Burgard vieles für solche Abos. Burgard ist geschäftsführender Partner der Unternehmensberatung Berylls, die sich auf die Autobranche konzentriert hat. Der Autoexperte betont, dass so ein Abo ein guter Einstieg sein könne, um mit Elektroautos zum ersten Mal in Kontakt zu kommen, ohne sich lange binden zu müssen.

Umgekehrt sei es auch für die Hersteller eine gute Möglichkeit, vor allem die aus China, ihre Fahrzeuge hier am Markt bekannt zu machen. Das dürfte auch der Grund sein, warum diese Angebote gerade stärker nachgefragt werden. Manche rechnen gar mit steilen Zuwächsen.

Begrenzter Marktanteil für Elektroauto-Abos erwartet

Der Autoexperte Professor Stefan Bratzel dagegen relativiert:

"Die Abozahlen werden um ein erkleckliches Maß steigen, aber das Thema wird auch aufgrund der recht hohen Preise jetzt kein Phänomen, das am Ende 30 Prozent der Neuzulassungen erreichen wird, wie mancherorts vermutet wird." Stephan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management

Am Ende des Tages sind wir also wieder bei den drei typischen Herausforderungen der Elektromobilität: dem Preis, der Reichweite und der Ladeinfrastruktur. Und wer weder zuhause noch am Arbeitsplatz eine Lademöglichkeit hat und auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist, der weiß, dass es an diesem Punkt hierzulande noch einen erheblichen Nachholbedarf gibt.

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