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E-Auto-Hersteller Byton droht das Geld auszugehen | BR24

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Der Elektro-Auto-Boom in China hat in den letzten Jahren zahlreiche E-Auto-Startups hervorgebracht. Einige sind noch in der Prototyp-Phase, so etwa der Hersteller Byton. Doch noch vor Auslieferung der ersten Autos droht das Aus.

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E-Auto-Hersteller Byton droht das Geld auszugehen

Der Elektro-Auto-Boom in China hat in den letzten Jahren zahlreiche E-Auto-Startups hervorgebracht. Einige sind noch in der Prototyp-Phase, so etwa der Hersteller Byton. Doch noch vor Auslieferung der ersten Autos droht das Aus.

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Dem Hersteller von Elektroautos Byton scheint das Geld auszugehen. Eine Pleite hätte auch Folgen in Deutschland, denn die Firma beschäftigt in München rund 70 Mitarbeiter.

Byton mit großen Zielen

Wenn Byton in den vergangenen Jahren irgendwo auf der Welt seine Auto-Prototypen präsentiert hat, dann passierte das meistens mit großem Spektakel; ob bei der Innovationsmesse CES in Las Vegas, im Rahmen der Design Week in Mailand oder bei einer Show in Shanghai vor zwei Jahren. Der deutsche Firmen-Chef und Mitgründer Daniel Kirchert beschrieb den Anspruch von Byton vergangenes Jahr im Gespräch mit der ARD so.

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir ein Premium-Fahrzeug bauen wollen. Maßstab sind die drei großen deutschen Marken BMW, Mercedes und Audi. Zusätzlich haben wir uns vorgenommen, nicht nur ein Elektroauto zu bauen, sondern ein 'Smart Device'. Wir wollen das Erlebnis im Fahrzeug verändern." Byton-Mitgründer Daniel Kirchert

Dem Startup droht das Geld auszugehen

Doch spätestens seit Beginn der Coronavirus-Krise läuft es schlecht für Byton. So wie andere E-Auto-Startups auch verdient das Unternehmen bisher kein Geld, ist also abhängig von Investoren. Eine neue Finanzierungsrunde endete als Flop: Mehrere Geldgeber, nach ARD-Informationen unter anderem aus den USA und Japan, halten angekündigte Überweisungen bisher zurück.

Was bleibt sind die bisherigen chinesischen Investoren: Die beiden größten sind die Regionalregierung von Nanjing und der staatliche Autokonzern FAW. Beide haben offensichtlich kein neues Geld locker gemacht. Byton sei ein gutes Beispiel dafür, dass das laufende Jahr ein sehr schwieriges ist für die E-Auto-Startups in China, erklärt Zhong Shi, Auto-Analyst aus Peking. Seinen Worten nach war von Beginn an klar, dass einige der Hersteller scheitern würden, selbst ohne die Coronavirus-Krise. Die Pandemie habe diesen Trend nur beschleunigt.

Eine Pleite hätte weitreichende Folgen

Byton wollte von Beginn an nicht nur ein weiterer chinesischer E-Autohersteller sein, sondern ein internationales Unternehmen. Neben dem Firmen-Sitz in Nanjing wurden deswegen auch Niederlassungen im Santa Clara in Kalifornien und in München-Ismaning aufgebaut, zuständig für die Auto-Software beziehungsweise das Design.

In den USA hat Byton nun angesichts der Geldsorgen die meisten der 450 Angestellten entlassen. In München gilt für die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit. Man schließe aber nicht aus, dass es auch in Deutschland zu Entlassungen kommen werde, teilte ein Sprecher mit. Klar ist: Byton geht rasant das Geld aus. Den Angestellten in Shanghai wurde Ende April mit nur zwei Tagen Vorlauf mitgeteilt, dass das Büro geschlossen wird. Im Byton-Werk Nanjing ruht die Produktion, weil Zulieferer nicht bezahlt werden können. Vergangene Woche protestierten in Nanjing sogar rund 100 Mitarbeiter.

Der Frust bei den Beschäftigten ist groß

Während die entlassenen Kollegen in den USA noch ihre Juni-Gehälter bekommen haben und in Deutschland Kurzarbeitergeld gezahlt wird, gelten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in China andere Regeln: Sie haben teils seit vier Monaten kein Lohn mehr bekommen und fühlen sich deswegen als Kollegen zweiter Klasse. Ein Mitarbeiter sagte dem ARD-Hörfunk Shanghai, anders als in Deutschland oder den USA herrsche in China auch keine Rechtssicherheit: Vors Arbeitsgericht zu ziehen bringe nichts, schließlich seien mächtige staatliche chinesische Investoren die Hauptgeldgeber von Byton, denen werde kein chinesisches Gericht in den Rücken fallen.

"Die Tatsache, dass einer der Byton-Großinvestoren der staatliche Hersteller FAW ist, könnte aber auch einen Lösungsweg eröffnen. Eine wahrscheinliche Option ist etwa, dass FAW die Technologie und die Autos von Byton aufkauft und übernimmt." Zeng Zhilin von der Shanghaier Unternehmensberatung LMC Automotive.

Firmen-Chef Daniel Kirchert hat gestern bei einer telefonischen Krisen-Schalte nach ARD-Informationen versprochen, dass die chinesischen Mitarbeiter zumindest die März-Gehälter in den nächsten Tagen ausgezahlt bekommen. Die Stimmung sei aber weiter aufgeheizt, berichtet ein Teilnehmer der Schalte. Ob Byton als eigenständiges E-Auto-Startup überleben kann, bleibt offen.

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