Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Dürre 2018 - Weltweit fehlen 30 Millionen Tonnen Getreide | BR24

© dpa-Bildfunk

Dürre (Symbolbild)

Per Mail sharen

    Dürre 2018 - Weltweit fehlen 30 Millionen Tonnen Getreide

    Zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt wird die weltweite Getreideernte nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Laut UN-Welternährungsorganisation fehlen ca. 30 Millionen Tonnen Getreide. Die Münchner Baywa macht den Klimawandel dafür verantwortlich.

    Per Mail sharen

    Die erwartete Gesamternte im Agrarjahr 2018/19 rund um den Globus beziffern die UN-Experten auf fast 2,66 Milliarden Tonnen. Das letzte globale Getreide-Defizit gab es im Agrarjahr 2012/13. Damals litten die US-Farmer unter den Folgen einer mehrjährigen Dürre. Der Internationale Getreiderat (IGC) in London - ein Zusammenschluss der wichtigsten Getreide produzierenden Staaten - gibt eine ganz ähnliche Prognose wie die FAO ab.

    Dürre in Teilen Europas

    Eine Ursache des aktuellen Ernte-Rückgangs ist die Dürre im vergangen Jahr in weiten Teilen Europas. Sie hatte einen Rückgang der Weizenernte in der EU und Russland zur Folge.

    Weizen wird überwiegend von Menschen gegessen. Dagegen wird beispielweise der größere Teil der Maisernte für die Produktion von Futter für Rinder, Schweine und andere Nutztiere verwendet.

    Preise für Brot steigen überdurchschnittlich

    Die Folgen des knappen Weizens sind in Europa bereits zu spüren: Die Erzeugerpreise für Lebensmittel - also die Preise, die die Hersteller verlangen - sind laut Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr kaum gestiegen. Doch bei Brot und Getreideerzeugnissen legten die Erzeugerpreise in Deutschland um kräftige 6,3 Prozent zu, wie der Verband auf Anfrage mitteilte. Schon 2018 gab es bei Brot und Getreideprodukten größere Preiserhöhungen als bei Lebensmitteln im Schnitt.

    Münchner Bawya macht Klimawandel verantwortlich

    Europas größter Händler von Agrar-Rohstoffen ist die Münchner Baywa. Deren Vorstandschef Klaus-Josef Lutz vermutet, dass sich der Klimawandel bemerkbar macht. 2018 fiel die europäische Getreideernte dürrebedingt um sechs Prozent niedriger aus als im Vorjahr. "2018 war nicht der Ausreißer", sagte Lutz kürzlich dazu. "Das ist das dritte und vierte Jahr in Folge, dass klimatische Kapriolen uns das Geschäft schwer machen."

    Eine Hungersnot droht nicht

    Ernteausfälle bei Getreide bedeuten aber nicht, dass Hungersnöte drohen: Die Lagerhäuser und Speicher rund um den Globus sind gut gefüllt. In den Vorjahren war die Getreideproduktion kräftig gestiegen. Bei dieser Entwicklung spielt nach Einschätzung der Baywa der wachsende globale Appetit auf Fleisch eine wichtige Rolle. "Die Wahrheit ist einfach: Die Menschen wollen mehr Fleisch essen", sagte Vorstandschef Lutz dazu.

    Weltweit mehr Maisanbau

    "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren einen ziemlich kräftigen Anstieg der weltweiten Maisproduktion", sagte FAO-Ökonom Abdolreza Abbassian in Rom. Er nennt zwei Ursachen: "In den USA ist der Maisanbau für die Produktion von Biokraftstoffen ausgeweitet worden." Und auf der anderen Seite des Pazifiks essen die Chinesen mehr Fleisch.

    Die Ausweitung der Maisproduktion hat nach Abbassians Worten aber keine wesentlichen Auswirkungen auf den Weizenanbau und damit die Herstellung von Lebensmitteln. "Mais und Weizen wachsen an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten", sagte der FAO-Experte.