BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Felix Lincke
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand

Die Mitarbeiter der Airbus-Tochter Premium Aerotec demonstrieren in Augsburg gegen den Konzernumbau.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Drohende Airbus-Zerschlagung: IG Metall ruft Politik zu Hilfe

Airbus will in der Krise den Konzern umbauen und vor allem die deutschen Werke zerschlagen. Neben Hamburg wäre auch ein Werk von Premium Aerotec in Augsburg betroffen. Die IG Metall glaubt, dass nur die Politik das Schlimmste noch verhindern kann.

1
Per Mail sharen
Von
  • Felix Lincke
  • Torsten Thierbach
  • Kilian Geiser

Die Airbus-Betriebsräte von der IG Metall haben mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon über die geplante Zerschlagung gesprochen. Söder sei genauso überrascht und entsetzt gewesen wie andere Ministerpräsidenten in den betroffenen Bundesländern. Nach Einschätzung der Gewerkschaft kann nur die Bundesregierung mit einem Veto im Aufsichtsrat von Airbus die Pläne stoppen, so IG Metallvorstandsmitglied Jürgen Kerner.

IG-Metall fordert Hilfe von Merkel

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse das ebenso zur Chefsache machen wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, forderte Kerner. Der habe dafür gesorgt, dass alle französischen Werke integraler Bestandteil des Airbus-Konzerns bleiben. In Deutschland steht dagegen fast die Hälfte von zuletzt noch 22.000 Arbeitsplätzen zur Disposition.

Airbus will deutsche Tochterfirmen aufspalten, Teile ausgründen und auch verkaufen. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Holger Junge befürchtet, Standorte wie Premium Aerotec in Augsburg könnten in einer verkleinerten Form nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Am Ende drohten sie, keine Aufträge mehr zu bekommen.

Airbus: In Augsburg sollen keine Jobs wegfallen

Nach Angaben von Airbus sollen am Standort Augsburg bei Premium Aerotec allerdings keine Jobs wegfallen. Airbus-Sprecher Daniel Werdung sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Der Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht unser Ziel.“ Der Flugzeugbauer will die sogenannte Strukturmontage, wie sie in den Augsburger Werken 1-3 stattfindet, in ein Schwesterunternehmen ausgliedern.

Dieses Unternehmen wird zu 100 Prozent zu Airbus gehören, so Werdung. Damit wird das Kerngeschäft wieder näher an den deutsch-französischen Konzern heranrücken, heißt es. Das sei, laut Werdung, deshalb wichtig, weil in wenigen Jahren die Wasserstofftechnologie in die Flugzeuge Einzug halten wird und dazu größere Veränderungen bei den Rumpf-Konstruktionen anstehen.

Airbus will Details bis Juli mit Gewerkschaften klären

Auch die sogenannte Kleinteilefertigung, wie sie bei Premium Aerotec in Augsburg im Werk 4 stattfindet, könnte ausgegliedert und mit einem externen Partner betrieben werden, so der Airbus-Sprecher. Eine Alternative wäre diesen Bereich in ein Tochterunternehmen zu überführen. Dazu aber müsse die Kleinteilefertigung wettbewerbsfähiger werden, so Werdung. Wie es konkret weitergehen kann, darüber will Airbus bis Mitte Juli 2021 gemeinsam mit den Gewerkschaften beraten.

Gewerkschafter begrüßt weitere Gespräche mit Airbus

Der Augsburger IG-Metall-Bevollmächtigte Michael Leppek begrüßte die Gesprächsbereitschaft seitens Airbus. Leppek forderte allerdings, alle auf eine Zerschlagung gerichtete Maßnahmen sofort zu stoppen. "Sonst werden wir erheblich stärkere Maßnahmen planen. Dann gibt es Streit bei Airbus und zwar richtig", sagte Leppek dem BR.

In Augsburg und an den übrigen deutschen Standorten der Airbus-Tochter Premium Aeorotec hatten die Betriebsräte am Dienstag zum Protest aufgerufen. Mitarbeiter zeigten den Plänen des Konzerns die "rote Karte", um ihren Unmut auszudrücken.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!