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Keine Frauen im Vorstand: Bayerns Wirtschaft gegen Strafen | BR24

© pa/dpa/Uwe Anspach

Zwei Männer werfen lange Schatten.

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Keine Frauen im Vorstand: Bayerns Wirtschaft gegen Strafen

Der Frauenanteil in deutschen Vorständen liegt gerade mal bei rund sechs Prozent. Mit einem Gesetz will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey diese Quote erhöhen. Und Unternehmen bestrafen, die sich nicht anstrengen. Dagegen regt sich Widerstand.

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Die deutschen Unternehmen sind fest in der Hand von Männern. Gerade mal sechs Prozent der Vorstandsposten besetzen Frauen. Kein DAX-Konzern wird von einer Frau geleitet. Dabei zeigt das Ausland, dass es auch anders geht. In den USA haben 90 Prozent der großen Börsenunternehmen mehrere Frauen im Vorstand, in Schweden sind es zwei Drittel.

Frauenquote gilt nur für Aufsichtsräte von Großunternehmen

Ob Unternehmen Führungspositionen mit Frauen besetzen, können sie selbst entscheiden. Lediglich für die Aufsichtsräte gibt es eine feste Quote von 30 Prozent Frauenanteil. Betroffen sind rund 100 börsennotierte und voll mitbestimmungspflichte Konzerne. In der Regel sind das Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten und einem von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite paritätisch besetzten Aufsichtsrat. Ein größerer Kreis von Unternehmen ist verpflichtet, Zielgrößen für Aufsichtsrat, Vorstand und die oberste Management-Ebene zu veröffentlichen. Das gilt in Deutschland für rund 1.750 Unternehmen.

Viele Unternehmen legen Frauenquote von "null" fest

Eine Quote ist dabei allerdings nicht vorgegeben. Dies hat zur Folge, dass rund 70 Prozent der Unternehmen, die Angaben für den Vorstand machen, die "Zielgröße null" angeben, also null Frauen im Vorstand. So zum Beispiel der Maschinenbaukonzern Krones aus der Oberpfalz. Man würde seinen Vorstand zwar gerne weiblicher machen, finde aber einfach keine geeignete Kandidatin. Weitere bayerische Unternehmen mit der "Zielgröße null" sind zum Beispiel MAN, Koenig & Bauer, Sixt und Wacker Neuson.

So heißt es im letzten Geschäftsbericht von MAN, man habe "für den Zeitraum 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2021 [...] für den Frauenanteil im Vorstand wiederum eine Zielgröße von 0 Prozent festgelegt." Und Sixt hat den Frauenanteil in Aufsichtsrat und Vorstand bis zum 30. Juni 2022 auf jeweils 0 Prozent festgelegt, "da derzeit nicht beabsichtigt ist, den Aufsichtsrat oder Vorstand zu erweitern oder personelle Änderungen herbeizuführen."

© BR24

Wie viele Frauen in Führungspositionen gibt es in bestimmten Branchen?

Neues Gesetz zur Frauenquote sieht Geldbußen vor

Genau diese Firmen will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) jetzt in die Pflicht nehmen und Sanktionen verhängen, wenn die Konzerne keine Angabe zur Frauenquote machen oder die "Zielgröße null" nicht ausreichend begründen. Wie diese Strafen konkret aussehen, steht noch nicht fest. Zu den Details der Ausgestaltung befinde man sich derzeit in Abstimmung mit dem Bundesjustizministerium, so ein Sprecher. Im Koalitionsvertrag verweist man auf das Handelsgesetzbuch, das Bußgelder von bis zu zehn Millionen Euro vorsieht.

© dpa/pa/Matthias Balk

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Bayerische Wirtschaft lehnt neues Gesetz zur Frauenquote ab

Hohe Strafen für Unternehmen, die zu wenige Frauen ins Topmanagement bringen wollen - dagegen regt sich in der bayerischen Wirtschaft Widerstand. So hätten die Unternehmen einen Grund, wenn sie die "Zielgröße null" angeben, sagt der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. So gebe es in den Unternehmen langfristige Arbeitsverträge und diese Personen werde man sicher nicht einfach entlassen. Außerdem sei auch in Unternehmen mit der "Zielgröße Null" Bewegung da, dies für die Zukunft zu verändern.

"Wir lehnen dieses Gesetz mit Nachdruck ab, wir setzen auf Chancen statt Quoten. Der Staat muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass die Frauen besser in Führungspositionen hineinwachsen können." Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Frauenquote: Bußgelder und "schwarze Liste" gefordert

Andere betrachten diese Regelung als längst überfällig. Bei der Zahl der Frauen in den Vorständen gebe Deutschland ein erbärmliches Bild ab, sagt die Präsidentin des Frauennetzwerkes Fidar, Monika Schulz-Strelow. Neben Bußgeldern fordert sie auch, dass die Unternehmen, die die "Zielgröße null" nicht ausreichend begründen, in einer "dicken schwarzen Liste überall in der Öffentlichkeit sind". Eine Art Pranger sozusagen.

© dpa/pa/Hannibal Hanschke

Monika Schulz-Strelow, Präsidentin FidAR e.V.

"Wir haben Fachkräftemangel und schreien nach viel mehr Frauen in Ganztagespositionen und tun nichts, um Frauen in Führungspositionen zu bekommen, Lippenbekenntnisse brauchen wir nicht mehr. Wir hoffen, dass die "Zielgröße null", wenn sie denn geahndet wird, weil sie nicht begründet ist zu hohen Bußgeldern führt und die Unternehmen aufwachen." Monika Schulz-Strelow, Präsidentin FidAR e.V (Frauen in die Aufsichtsräte)

Gesetz zur Frauenquote soll bis Mitte des Jahres vorgelegt werden

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will ihren Gesetzentwurf noch in der ersten Jahreshälfte vorlegen. Und sieht sich durch die Verpflichtung bei den Aufsichtsräten bestärkt, dort gilt ja seit 2016 die Mindestquote von 30 Prozent Frauen. So sei bei den Unternehmen, die unter die gesetzliche Quote fallen, der Anteil von Frauen im Aufsichtsrat von knapp 22 Prozent auf nun fast 31 Prozent angestiegen. Mit dem neuen Gesetz soll auch der Anteil der Frauen in den Vorständen nach oben gehen, so die Hoffnung.