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© pa / dpa / Stefan Kiefer

Archivbild: Martin Winterkorn

"Das Landgericht Braunschweig hat die Anklage am Freitag erhalten und wird jetzt die Klage-Zulassung prüfen", sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach von einem wichtigen Zwischenschritt.

Tatzeitraum umfasst neun Jahre

Die Klage richtet sich demnach gegen fünf Führungskräfte, die "eine in einer einzigen strafbaren Handlung verwirklichte Mehrzahl von Straftatbeständen" begangen hätten. Dabei gehe es um einen besonders schweren Fall von Betrug sowie einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Winterkorn wird zudem Untreue vorgehalten, weil er nach dem 25. April 2014 nach Kenntnis von rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren diese nicht umgehend bekanntgegeben habe. Der Tatzeitraum erstrecke sich vom 15. November 2006 bis zum 22. September 2015.

Rücktritt wegen Dieselmanipulationen

Winterkorn war vom 1. Januar 2007 bis zum 23. September 2015 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und vom November 2009 bis zum Oktober 2015 Vorstandsvorsitzender bei der Porsche Automobil Holding SE. Außerdem war er von Januar 2007 bis November 2015 Aufsichtsratsvorsitzender der Audi AG. Er trat zurück, nachdem die millionenfachen Dieselmanipulationen im September 2015 bekannt geworden waren.

Winterkorn soll Schummelei verschleiert haben

Die Ermittler werfen Winterkorn vor, er habe es seit Mai 2014 unterlassen, die rechtswidrigen Manipulationen an Diesel-Motoren den zuständigen Behörden in Europa und den USA offen zu legen und den weiteren Einbau der Abschalteinrichtungen zu untersagen. Zudem habe der Konzern mit Wissen und Billigung auch von Winterkorn im November 2014 ein Softwareupdate erlassen, um den wahren Grund für die erhöhten Stickoxidwerte der Fahrzeuge zu verschleiern.

Milliardenkosten für VW

Volkswagen hatte vor dreieinhalb Jahren auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Dieselabgaswerte durch eine spezielle Software so manipuliert zu haben, dass die Fahrzeuge die gesetzlichen Grenzwerte auf dem Prüfstand zwar einhielten, im normalen Betrieb aber nicht. Die Wiedergutmachung kosteten den Konzern bislang 29 Milliarden Euro, vor allem für Strafen und Entschädigungen in den USA.