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Gebrauchtwagen bei Händler
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Tobias Brunner
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Gebrauchtwagen bei Händler

Alois Huber hat im Laufe der Zeit als Kfz-Händler einiges erlebt. Seit Jahrzehnten betreibt seine Familie ein Autohaus in Gersthofen bei Augsburg. Ihre Marke: Fiat. An der Wand hängen italienische Flaggen, gleich daneben steht die Espresso-Maschine. Doch was sich in diesen Monaten abspielt, ist auch für Huber alles andere als alltäglich. "Die Diesel-Thematik hat uns etwas überrollt", sagt er.

Was Huber meint, sind manipulierte Abgaswerte und Fahrverbote in einer Reihe von Städten - und damit das immer schlechtere Image des Diesels. Das wird auch für die Autohändler immer mehr zum Problem, insbesondere bei Leasing-Verträgen.

Leasing-Rückläufer sind 20 bis 30 Prozent weniger wert

Bislang konnten die Kfz-Händler leicht kalkulieren: Ein Kunde least ein Auto und wenn der Vertrag nach ein paar Jahren endet, kann er es zu einem bestimmten Restwert kaufen. Oder der Händler nimmt es zurück, verkauft es als Leasing-Rückläufer weiter und erhält selbst den Restwert. Doch das Geschäft funktioniert so nicht mehr.

"Die Restwerte stürzen ab, sie reduzieren sich derzeit um 20 bis 30 Prozent. Und dann müssen wir Händler das ausbaden." Alois Huber, Kfz-Händler

Huber selbst trifft es noch vergleichsweise gering, Fiat hat vor allem Benziner im Angebot. Doch er kennt als Obermeister der Kfz-Innung Schwaben auch Kollegen, bei denen inzwischen 100 bis 200 Diesel-Fahrzeuge auf dem Hof stehen.

Millionenschaden und Zehntausend betroffene Autos in Bayern

Die Händler bleiben auf ihnen sitzen oder können sie nur mit deutlichen Abschlägen verkaufen. "In Bayern betrifft das Zehntausende Fahrzeuge, das ist ein finanzieller Verlust, der in die Millionen geht", erklärt Christoph Wenzel vom Verband des Kfz-Gewerbes in Bayern. Deutschlandweit sind laut Verband sogar rund 350.000 Fahrzeuge betroffen.

"Im Einzelfall kann das für Unternehmen auch existenzbedrohend sein", sagt Wenzel. In Hamburg musste vor kurzem bereits ein Händler Insolvenz anmelden, immerhin das drittgrößte VW-Autohaus in der Stadt.

Verband fordert überall Hardware-Nachrüstungen für Diesel

In Bayern ist so ein Fall bisher noch nicht bekannt. Doch manche Händler denken bereits darüber nach, Investitionen zu verschieben. Zu groß ist ihnen das Risiko, dass noch mehr Diesel-Fahrzeugen zum Ladenhüter werden und deshalb weitere Verluste anfallen. Auch für die nächsten Monate erwartet das Kfz-Gewerbe, dass sich die Lage erst einmal nicht verbessern wird.

Als Lösung fordert die Branche flächendeckende Hardware-Nachrüstungen - nicht nur in den 14 besonders belasteten Städten. Das könnte das Diesel-Image wieder etwas aufpolieren. Außerdem müsse bei Umtauschaktionen darauf geachtet werden, dass das finanzielle Risiko nicht beim Händler bleibt, sagt Wenzel vom Kfz-Verband. "In beiden Fällen sehen wir die Hersteller in der Pflicht."