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Hotels, Pensionen, Gasthäuser - alles dicht. Manche haben vorgesorgt und sich ein Wohnmobil zugelegt. Eine große Investition und dann der Schock: Der Diesel-Skandal trifft auch einen Großteil der Wohnmobilbesitzer.

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Diesel-Abgasskandal: Was können Wohnmobilbesitzer tun?

Tausende Wohnmobilbesitzer in Deutschland sind verunsichert. Eine illegale Abschalteinrichtung soll in vielen Modellen verbaut sein. Darum müssten betroffene Verbraucher jetzt schnell handeln.

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Von
  • Johannes Thürmer
  • Martina Schuster
  • Julia Lamour

Statt ungetrübtem Reisespaß haben zigtausende Wohnmobilbesitzer nun Ärger - nicht wenige dürften demnächst vor Gericht ziehen. Hintergrund sind deutlich überhöhte Abgasemissionen – die offenbar den Behörden längst bekannt sind.

Wohnmobilbesitzer sind fassungslos

Unabhängig sein, die Natur genießen: Armin Kusch hat sich den Traum vom Wohnmobil erfüllt. 60.000 Euro hat er dafür bezahlt und war mit seinem Kauf erstmal zufrieden. Bis er erfuhr, dass sein fast neues Wohnmobil viel mehr giftige Stickoxide ausstößt als erlaubt.

"Das Problem ist, dass Fiat bei dem Diesel womöglich geschummelt hat, und die Abschalteinrichtung nach 22 Minuten abschaltet und ich überhaupt keine Euro-Norm mehr habe. Und wenn ich das Auto verkaufen will, habe ich den Schaden." Armin Kusch, Wohnmobilbesitzer

Messungen für Plusminus haben ergeben: Wohnmobile auf Fiat-Basis blasen fast zwanzigmal mehr Stickoxide in die Umwelt als erlaubt. Nun will Armin Kusch gegen den Hersteller seines Wohnmobils klagen. Denn es basiert auf dem Fiat-Modell Ducato, in dem eine illegale Abschalteinrichtung verbaut sein soll. Kuschs Anwalt vertritt Hunderte Wohnmobilbesitzer. Die meisten Klagen richten sich gegen Fiat. Seine Mandanten befürchten Wertverlust, Fahrverbote und sogar Stilllegungen.

Abgase 20-fach über dem Grenzwert

Auch Ronny Neubert macht sich Sorgen. Er hat sich ein Wohnmobil gekauft, um darin zu leben. Das Fahrzeug ist noch nicht einmal zwei Jahre alt und soll von den Abgasmanipulationen betroffen sein. Er lässt seinen Camper untersuchen. Das Ergebnis: Der Stickoxidausstoß ist extrem hoch: fast 20-fach über dem Grenzwert.

"Das ist ein Euro-0-Fahrzeug"

Dr. Axel Friedrich führt regelmäßig für die Deutsche Umwelthilfe Abgasmessungen durch. Sein Fazit: "Das ist unglaublich. Da steht Euro 6 drauf, aber er hat nicht einmal die Euro-1-Grenzwerte eingehalten. Es ist ein Euro-0-Fahrzeug. Das heißt, das Fahrzeug hat Werte, die unglaublich hoch sind. Und das ist für mich unakzeptabel, wie man ein solches Fahrzeug auf den Markt bringen kann und Euro 6 drauf schreiben kann. Das ist Betrug."

Behörden ließen die Modelle zu

Tatsächlich haben die italienischen Behörden die betroffenen Fiat-Modelle zugelassen. Und das Kraftfahrtbundesamt KBA wiederum hat die Wohnmobile deutscher Hersteller zugelassen, die auf den Fiat-Modellen basieren. Recherchen von Plusminus zufolge wusste das KBA schon seit 2016 von deutlich überhöhten Schadstoffemissionen bei Fiat-Diesel-Fahrzeugen mit Abgasnorm Euro 5 und 6. Trotzdem wurden noch bis zur Einführung neuer Messstandards im Jahr 2019 Fahrzeuge mit der betroffenen Motorenreihe hergestellt und zugelassen.

Welche Modelle sind betroffen?

Nach Informationen der hessischen Polizei ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main wegen Fahrzeugen des Herstellers Fiat Chrysler, der Dachmarke hinter Fahrzeugen der Marken Fiat, Jeep und Alfa Romeo, die auf dem Papier die Abgasnormen EUR 5 und EUR 6 erfüllen. Neuere Fahrzeuge, die die Abgasnorm EUR 6d und 6d temp erfüllen, seien nicht betroffen.

Was können Wohnmobilbesitzer jetzt tun?

  • Schnell handeln und sich rechtlich beraten lassen: Denn je nach Situation gelten Verjährungsfristen, etwa bei möglichen Klagen gegen den Hersteller.
  • Möglich ist ein Anspruch auf Schadenersatz. So sprach etwa das Landgericht Koblenz am 1. März 2021 einem Kläger nach §826 BGB Schadenersatz zu (Az. 12 O 316/20).
  • Wer sein Fahrzeug erst seit kurzem besitzt, kann durch die zweijährige Gewährleistungsfrist noch Ansprüche gegen den Händler haben.

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