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Diese Ausbildungsberufe haben Zukunft | BR24

© BR/Karsten Böhne

In Bayern sind noch tausende Lehrstellen unbesetzt. Für die Jugendlichen verwirrend: Sie können zwischen 325 Ausbildungsberufen wählen. Manche bieten dabei bessere Aussichten als andere. Vor allem zwei Bereiche, die wenig miteinander zu tun haben.

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Diese Ausbildungsberufe haben Zukunft

In Bayern sind noch tausende Lehrstellen unbesetzt. Für die Jugendlichen verwirrend: Sie können zwischen 325 Ausbildungsberufen wählen. Manche bieten dabei bessere Aussichten als andere. Vor allem zwei Bereiche, die wenig miteinander zu tun haben.

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Heute sind die Stapler dran. Der 18-jährige Tommy Schechner sitzt vor seinem Computer bei der Landtechnik-Firma Eder in Tuntenhausen. Foto, Bildbeschreibung, Artikelnummer, all das gibt er ein, damit der Onlineshop auf dem neuesten Stand ist. Tommy war einer der ersten, der vor zwei Jahren die neue Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce begonnen hat. Jetzt ist er im dritten Lehrjahr und rundum zufrieden.

"Besonders Spaß macht einfach, wenn du am Tag davor die Artikel pflegst und dann am nächsten Tag in den Onlineshop reinschaust", erzählt Tommy. "Dann sind nämlich auch die ganzen Änderungen im Shop und man sieht, was man am Tag davor gemacht hat."

- Ratgeber: Suche Ausbildungsplatz - wo wende ich mich hin?

Corona gibt IT-Ausbildungen Rückenwind

Der Kaufmann im E-Commerce, eine Ausbildung mit Zukunft, keine Frage. Vor zwei Jahren neu geschaffen, weil die Nachfrage da war. Der Bereich Onlinehandel wächst seit Jahren, und Corona gibt der Entwicklung sogar neuen Schwung. Genau wie den Informationslektronikern. Sie planen und installieren IT-Systeme, kümmern sich um Bürotechnik und den Internetanschluss. Jetzt, wo alle auf Homeoffice umstellen, ist der Bedarf groß.

Der Bereich IT und Digitalisierung bringt für Dr. Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ganz klar gute Zukunftschancen mit sich. Dazu gehören Ausbildungen zum Fachinformatiker oder zu Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement. "Gerade in solchen Berufen, die was mit digitalen Technologien zu tun haben, sind sowohl Arbeitsmarktchancen als auch die Einkommenschancen recht hoch", erklärt Matthes.

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© dpa-Zentralbild/Waltraud Grubitzsch

In der Lernklinik der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale werden an einer Puppe Anleitungen zur Grundpflege gegeben.

Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialbereich gefragt

Daneben sieht die Forscherin aber auch gute Berufschancen in den Gesundheits- und Sozialberufen, wie Alten- oder Kinderpfleger. Denn dort würden häufig Tätigkeiten ausgeübt, die noch nicht durch Maschinen erledigt werden können. In diesen Bereichen ist die Nachfrage groß, allerdings muss man hier oft Abstriche beim Gehalt machen, da sie nicht zu den bestbezahlten gehören.

Gesundheitsberufe sind durch Corona noch einmal stärker in den Fokus gerückt. Die Nachfrage nach Pflegekräften ist nach wie vor hoch. Wer sich hier ausbilden lässt, muss sich um seine Zukunft keine Gedanken machen. Erst Anfang des Jahres wurde die Pflegeausbildung reformiert. Und auch die Nachfrage nach Medizinischen Fachangestellten, umgangssprachlich Arzthelferinnen, ist groß. Zwischen 2012 und 2018 stieg die Zahl der Beschäftigten um etwa acht Prozent.

Gebäudereiniger - Die unterschätze Ausbildung

Durch Corona bekommt auch ein Beruf Beachtung, den in der Vergangenheit nur wenige im Blick hatten – Gebäudereiniger. Denn das Reinigen und Desinfizieren wird immer wichtiger. Krankenhäuser, Schulen, Büros, Fassaden, Böden, Fenster. Gebäudereiniger kümmern sich um so ziemlich alles, was schmutzig werden kann. Und dazu gehört auch viel Wissen, etwa im Bereich Mathematik und Chemie. Mischt man die Chemikalien im falschen Verhältnis zusammen, ist der teure Boden schnell hinüber. Nur 40 Prozent der Beschäftigten haben in dem Bereich eine Berufsausbildung. Wer sich für die dreijährige Ausbildung entscheidet, kann hier schnell Verantwortung übernehmen.

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Bei den tariflichen Vergütungen stehen Zimmerer-Azubis ganz oben. Sie verdienen das doppelte wie Friseure oder Schornsteinfegerinnen.

Die Ausbildung soll Spaß machen

Bei der Wahl des Berufes sollten die Jugendlichen aber immer auch darauf schauen, welchen Beruf sie gerne ausüben möchten, sagt Arbeitsmarktforscherin Dr. Britta Matthes. Und sie sollten darauf achten, dass sie die Voraussetzungen mitbringen, um diesen Beruf gut auszufüllen und dass sie sich dort weiterentwickeln können. Und ganz wichtig: Die jungen Leute sollten immer offen sein für neue berufliche Entscheidungen. "Man sollte keine Angst haben, die falsche Entscheidung zu treffen. Weil man kann sie später wieder korrigieren", sagt die Expertin.

Die Zeiten ändern sich und immer häufiger können bestimmte Tätigkeiten durch Maschinen erledigt werden. Wer wissen will, ob Roboter einmal den gewählten Beruf erledigen können, kann ihn einfach im Job-Futuromat des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung eingeben und erfährt mit einem Klick, wie groß diese Gefahr ist.

Digitalisierung bei Ausbildung immer wichtiger

Damit die Berufe immer auf dem aktuellen Stand sind, werden die Ausbildungsordnungen ständig aktualisiert, allein dieses Jahr waren es elf. Und in vielen hat das Thema Digitalisierung größeres Gewicht bekommen. So gibt es seit diesem Jahr beim Fachinformatiker die neuen Fachrichtungen Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung. Aus Informatikkaufmann/frau werden Kaufleute für Digitalisierungsmanagement. Und aus IT-System-Kaufmann/frau werden Kaufleute für IT-System-Management.

Die Neuerungen liegen oft im Detail. So bekommen bei den IT-Berufen die Themen IT-Sicherheit und Datenschutz mehr Gewicht in der Ausbildung. Aber auch im Groß- und Außenhandel, den Bankkaufleuten und den Biologie, Chemie- und Lacklaboranten werden digitale Kompetenzen gestärkt.

© picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Ein Fachinformatiker für Systemintegration arbeitet in einem Büro an mehreren Computern.

Azubis als Teil der Zukunft

Digitalisierung wird also immer wichtiger. Genau deshalb hat sich Angela Eder von der Landtechnik-Firma aus Tuntenhausen auch vor zwei Jahren dafür entschieden, die neue Ausbildung Kaufmann im E-Commerce anzubieten. Denn der Onlinehandel spiele in dem Unternehmen eine immer größere Rolle. Für sie sind die Azubis ein Teil der Zukunft. Im vergangenen Jahr hat sie einen zweiten eingestellt und jetzt hat sie noch einen Ausbildungsplatz frei. "Wenn ich jetzt eine gute Bewerbung für die Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce bekomme, würde ich den Jugendlichen sofort einstellen", verspricht Eder.

Wenn der 18-jährige Tommy Schechner nächstes Jahr fertig ist, wird er einer der ersten ausgebildeten E-Commerce-Kaufleute in Deutschland sein. Nach der Ausbildung will er erst einmal Berufserfahrung sammeln und dann vielleicht eine Weiterbildung zum Fachwirt machen. Seine Zukunft ist gesichert.

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