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Luftfahrt: Wie die Corona-Krise unsere Mobilität verändert | BR24

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Vierstrahlige Lufthansa-Maschinen werden ausgemustert

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    Luftfahrt: Wie die Corona-Krise unsere Mobilität verändert

    Rund 400.000 Starts und Landungen hat der Münchner Flughafen jährlich verzeichnet – vor der Corona-Pandemie. Jetzt bleiben die Flugzeuge am Boden. Der Markt ist um 70 Prozent eingebrochen. Mit weitreichenden Konsequenzen.

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    Der Flughafen München ist ein preisgekrönter Fünf-Sterne-Airport. In Pandemie-Zeiten hilft diese Auszeichnung allerdings wenig. Schon der erste Lockdown hatte katastrophale Auswirkungen auf den Flughafen. Wo sich sonst Passagiere drängen, herrscht nun gähnende Leere.

    Krise wird Spuren hinterlassen

    Dabei hat es seit dem Start im Jahr 1992 für den Flughafen München nur eine Richtung gegeben: nach oben. Michael Kerkloh war bis Ende 2019 Vorsitzender der Flughafen München GmbH. Zuletzt verzeichnete er einen Rekord-Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro. Goldene Zeiten, die jetzt passé sind. Den Flughafen zu betreten, fällt ihm nicht leicht: "Weil einem natürlich auch ein bisschen das Herz blutet, wenn man sieht, wie leer es hier jetzt", sagt Kerkloh. Die Krise, glaubt er, dauert noch mindestens drei Jahre – und wird Spuren hinterlassen.

    "In Europa gibt es ja noch ganz viele kleine Fluggesellschaften. Ich habe große Zweifel, ob das in dieser Form in zwei, drei Jahren noch existent ist." Michael Kerkloh, ehem. Vorsitzender Flughafen München GmbH

    "Viele kleine Flughäfen haben zu kämpfen", sagt Kerkloh, "Passagierströme, auf die sie bisher immer gesetzt haben, das waren Privatreiseverkehre, Urlaubsreiseverkehre. Das wird sich zurecht ruckeln müssen". Seiner Meinung nach wird dies "nicht ohne größere Beiträge der öffentlichen Hand" zu bewerkstelligen sein. Die ersten Konsequenzen zeigen sich bereits bei der Lufthansa, die ihre Flotte massiv verkleinert. Vierstrahlige Maschinen werden ausgemustert, weil sie zu viel Treibstoff verbrauchen. Andere, effizientere Maschinen wie der Airbus 350 bleiben in Betrieb.

    Bewegungsflüge ohne Passagiere

    Pilot Uli Neumann unternimmt einen sogenannten Bewegungsflug. Trotz fehlender Passagiere muss das Flugzeug regelmäßig in die Luft. "Es ist aufwändig und es ist teuer und gerade in den Zeiten wie jetzt tut es sehr weh, weil jeder Cent zählt," sagt Lufthansa-Pilot Uli Neumann, "aber von der Philosophie wollen wir ja nicht abweichen: Safety first. Da darf man nicht auf den Cent oder Euro gucken." Eine kostspielige Wartung in Zeiten, in denen kaum geflogen wird. Allein ein Rundflug kostet circa 16.000 Euro – ohne dass ein einziger zahlender Passagier an Bord ist.

    Weniger Kerosinverbrauch durch Flottenumbau

    Der A350 ist der Flieger, auf den die Lufthansa in Zukunft setzt. Ein Airbus aus dem Jahr 2013, das modernste und umweltfreundlichste Langstreckenflugzeug der Flotte. Mit nur zwei statt vier Triebwerken verbraucht er im Vergleich zu Vorgängermodellen 40 bis 60 Prozent weniger Kerosin. Weniger Kerosinverbrauch - ein wichtiger Kostenfaktor für die Lufthansa. Auch deshalb hat sie den Umbau ihrer Flotte beschleunigt. Das hat positive Auswirkungen auf die CO2-Emission.

    Andere Werte als "höher, schneller, weiter"?

    Reisen in Corona-Zeiten hat sich verändert – die Angst vor Ansteckung fliegt mit. Der Flughafen-Seelsorger Franz Kohlhuber steckt in einem Dilemma. Er hofft, dass die Fluggastzahlen wieder steigen. Gleichwohl beschäftigt ihn mehr und mehr der Gedanke, dass durch die Corona-Krise ein Umdenken in der Luftfahrt stattfindet. "Aus Umweltsicht bin ich froh, wenn weniger geflogen wird", sagt Kohlhuber, "aber ich denke, alle Betriebe, die in der Luftfahrtgeschichte drinhängen, brauchen noch mal andere Überlegungen". Der Flughafen-Seelsorger stellt auch die Frage nach Werten: "Wenn ich nicht immer nur schaue: mehr, höher, schneller, weiter. Sondern, dass jetzt einfach wieder andere Werte kommen."

    Katalysatoreffekt durch Corona?

    Bei der Lufthansa sind neue Sparmaßnahmen bekannt geworden: Die Flotte wird noch stärker reduziert. Mindestens 150 Flugzeuge sollen in den nächsten Jahren dauerhaft stillgelegt werden – 50 mehr als zunächst geplant. "Wir werden ein bisschen weniger haben", sagt Pilot Uli Neumann, "vielleicht weniger aber feiner, weniger aber besser, weniger aber effizienter, vielleicht qualitativ besser." Man müsse nicht für 20 Euro nach Barcelona fliegen für ein Wochenende, findet der Pilot. "Musste man auch vorher nicht. Man muss nicht für jedes Meeting nach Frankfurt fliegen. Da gibt's sinnvollere Methoden. Das war der Katalysatoreffekt von Covid."

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