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Arbeitnehmer auf einer Baustelle (Symbolbild)
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Walter Kittel
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Arbeitnehmer auf einer Baustelle (Symbolbild)

Besonders nach Deutschland zieht es viele Menschen aus den ärmeren Staaten der EU. Vor allem wegen der vergleichsweise guten Bezahlung und Beschäftigungssituation. Allerdings wird nach Angaben des DGB die Lage dieser Arbeitnehmer, die sich manchmal kaum auf Deutsch verständigen können, häufig ausgenutzt.

"Faire Mobilität" heißt ein Projekt des DGB Bayern, das ratsuchenden Arbeitnehmern aus Ost- und Südosteuropa über ihre Rechte und Pflichten informiert sowie in schwierigen Situationen weiterhilft.

Marian Tufis ist 21 Jahre alt. Er spricht und versteht kaum ein Wort Deutsch. Bis vor einem Jahr lebte er noch in einer ländlichen Gegend in Rumänien. Dann zog er nach München, um hier zu arbeiten. Bei einem Paketzusteller fand er einen Job. Zunächst klappte alles. "Mit einer Mitarbeiterin dort in der Verwaltung des Unternehmens konnte ich mich auf rumänisch verständigen. Und auch viele meiner Kollegen dort waren Rumänen." erzählt Marian Tufis.

300 Euro für ein Bett

Unterstützung bekam er auch von anderer Seite. So hätten ihn etwa die Betreiber der Pension, in der er lebte, bei Formalitäten wie der Anmeldung des Wohnsitzes in München unterstützt. Für ein Bett in einem Doppelzimmer zahlte er Ihnen über 300 Euro im Monat. Vor einigen Wochen passierte dann etwas, womit der junge Rumäne nicht gerechnet hatte: Kurz hintereinander bekam er von seinem Arbeitgeber mehrere Abmahnungen und wurde fristlos entlassen. Zu Unrecht, wie er findet.

"Die Tragweite der Abmahnungen war mir nicht bewusst. Beim ersten Mal stand nicht drauf, was das ist. Einmal hatte mir der Chef gesagt, dass eine Kundin reklamiert hatte, dass ein Paket vor der Tür abgelegt worden war. Das war aber kein Problem. Danach ist die zweite, dann die dritte Abmahnung gekommen und ich habe angefangen, im Internet zu suchen, was als nächstes passieren könnte und warum man so etwas nach Hause geschickt bekommt." Marian Tufis

DGB hilft bei Problemen

Durch eigene Recherchen stieß er auf das Angebot des DGB Bayern für Arbeitnehmer aus Ost- und Südosteuropa. Bundesweit werden nach DGB-Angaben solche Beratungsangebote jährlich von durchschnittlich 6.000 bis 7.000 Personen genutzt. In München ist Sevghin Mayr zuständig. Sie spricht fließend rumänisch. Oft würden die Arbeiter um ihre Rechte geprellt.

"Meistens wird der Lohn nicht bezahlt. Sie werden fristlos gekündigt. Willkürlich. Oft auch arbeiten sie zu unzumutbaren Verhältnissen. Sie haben schlechte Wohnverhältnisse, die manchmal auch vom Arbeitgeber gestellt werden." Sevghin Mayr, DGB München

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse

Viele der Ratsuchenden arbeiten im Baugewerbe, der Gebäudereinigung, in der Fleischindustrie oder als Saisonarbeiter. Aber auch vermehrt in der Logistikbranche, wie Marian Tufis. Von Sevghin Mayr bekam er den Rat, zunächst eine Kündigungsschutzklage einzulegen. Das hat er schon getan: Doch bis das Urteil gesprochen ist, könnte noch viel Zeit vergehen. Wegen der fristlosen Kündigung entfällt zudem staatliche Unterstützung. Denn es wurde eine sogenannte Sperrfrist verhängt. Nun wird es auch von seinen Ersparnissen abhängen, wie lange er noch in München bleiben kann, um sich einen neuen Job zu suchen und vor Gericht für seine Rechte zu kämpfen.

"Wenn der Lohn ausfällt, dann ist es auch ein großes Problem, weil die Menschen dann hier nicht mehr leben können. Also ihre Miete nicht mehr zahlen können und ihre ganzen Kosten." Sevghin Mayr, DGB München

Marian Tuflis sieht seine Zukunft weiter auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ein Paketzusteller verdiene hier mehr als in Rumänien ein Arzt, sagt er. In seinem nächsten Job würde er gerne als Kellner arbeiten und er will auch erst mal Deutsch lernen. Obwohl er ein Wirtschaftsabitur hat, konnte ihn in seiner rumänischen Heimat nichts halten.

Autoren

Walter Kittel

Sendung

radioWelt vom 03.12.2018 - 06:05 Uhr