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Deutsche Wirtschaft zwischen Absturz und Aufholjagd | BR24

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Stürmische Zeiten für die deutsche Wirtschaft: Gelingt die Wende in den kommenden Monaten ?

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    Deutsche Wirtschaft zwischen Absturz und Aufholjagd

    Mit 10,1 Prozent Minuswachstum im zweiten Quartal meldet das Statistische Bundesamt heute noch schlechtere Daten als erwartet. Gleichzeitig signalisieren ifo-Konjunkturklima und DIW-Konjunkturbarometer wieder Aufschwung. Wie passt das zusammen?

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    "Jahrhundertrezession", "Minusrekord für die Ewigkeit", "historisch" - so kommentieren deutsche Chefvolkswirte die Entwicklung der deutschen Wirtschaft von April bis Juni. Denn die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise in Rekordtempo eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur ein Minus von 9,0 Prozent erwartet.

    Doch die amtliche Rückschau relativiert sich durch andere Indikatoren, die optimistischer stimmen. Denn, so die Logik der prognostizierenden Volkswirte, auf einen besonders steilen Abschwung könnten umso stärkere Nachholeffekte folgen.

    1. Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute geben Hoffnung

    So rechnet das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung für die Monate Juli bis September mit drei Prozent Wachstum, verglichen mit dem Vorjahresquartal. Bereits am Montag war der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts ist zum dritten Mal in Folge gestiegen und hat eine schrittweise Erholung der deutschen Wirtschaft signalisiert. Sowohl in Industrie, Dienstleistungen und Handel stiegen die Erwartungen der befragten Unternehmen.

    2. Stabilisierung auch auf dem Arbeitsmarkt

    Im Juli gab es keinen weiteren von der Coronakrise ausgelösten Anstieg der Arbeitslosenzahl mehr, teilte die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) heute mit.

    Zudem planen die deutschen Unternehmen wieder weniger Arbeitskräfte zu entlassen, meldet das Ifo-Institut in seinem Beschäftigungsbarometer für Juli.

    3. Die Kapitalmärkte setzen auf Aufschwung

    Trotz der heutigen Schwäche hat sich der Dax seit April um weitere 15,5% nach oben bewegt und testete bereits die Höchststände vor der Coronakrise. Das zeigt: Eine Mehrheit der Anleger meint also, dass keine weiteren negativen Überraschungen von der deutschen Wirtschaft zu erwarten sind.

    Vorsicht ist trotzdem geboten

    Wie unsicher die Lage bewertet wird, zeigt der Blick auf die aktuellen Quartalsberichte deutscher Dax-Unternehmen. Heidelberger Zement, BASF oder Puma - diese und viele andere Unternehmen wagen keinen Ausblick oder korrigieren ihre Jahresprognosen.

    Denn die optimistischen Prognosen der Wirtschaftsforscher arbeiten mit drei wichtigen Annahmen, die eintreffen müssen, damit der ersehnte Aufschwung auch eintreten kann.

    1. Die Pandemie wird international beherrschbar

    So wie die Staaten mit Zeitverzug in die Pandemie gekommen sind, sollten sie sich auch wieder aus der Pandemie verabschieden - bis das komplizierte Räderwerk internationaler Lieferketten wieder ineinander greift. Kommt jedoch die befürchtete zweite Infektionswelle, wird der geordnete Krisenplan durch Chaos abgelöst. Wieder zunehmende Planungsunsicherheit ist aber Gift für den Welthandel und damit für die Exportnation Deutschland.

    2. Zur Wirtschaftskrise kommt keine Finanzkrise

    Damit der Aufschwung kommen kann, brauchen Unternehmen und Verbraucher stabile Banken. Sollte durch die Verwerfungen an den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten große Institute in Schieflage geraten, hat das enorme Auswirkungen auf den Konsum und die Kreditvergabe. Erst gestern drängte die Europäische Zentralbank die Kreditinstitute zu weiteren Sparanstrengungen, um die Eigenkapitalbasis zu stärken.

    3. Die riesigen Konjunkturprogramme wirken

    Auch daran gibt es Zweifel. Eine große Insolvenzwelle im Herbst ist nach Ansicht von Experten ohnehin nicht mehr aufzuhalten. Natürlich könnte der Staat-anders als bei der Finanzkrise 2008- Kurzarbeitergeld verlängern, Insolvenzrecht weiter aussetzen und in noch mehr Unternehmen einsteigen. Diese neue Geldmenge, die sofort beim Verbraucher verfügbar ist, wirkt unmittelbar auf die Nachfrage und die Konsumgüterpreise besonders dann, wenn die Konjunktur in ein bis drei Jahren wieder deutlich anziehen wird. Noch problematischer wird es, wenn Lieferengpässe trotz weiter steigender Nachfrage anhalten. Ifo-Chef Clemens Fuest warnte genau deshalb kürzlich gar vor einer Stagflation, also einer Kombination aus steigenden Preisen und Arbeitslosigkeit. Positive und negative Argumente halten sich derzeit also die Waage. Andreas Scheuerle, Chefvolkswirt der Dekabank, bringt es auf den Punkt:

    "Nun ist sie amtlich – die Jahrhundertrezession. Was bislang weder Börsencrashs noch Ölpreisschocks geschafft haben, vollbrachte ein 160 Nanometer kleiner Winzling namens Corona. Der staatlich verordneten und auch selbst gewählten Isolation gelang es, diesen Virus zu besiegen. Nun liegt die Rechnung auf dem Tisch." Andreas Scheuerle, DEKABANK

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