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BMW-Ausbildungszentrum in Mexiko
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Stephan Lina
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BMW-Ausbildungszentrum in Mexiko

Mexiko ist ein Autoland mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite gehört das Land inzwischen zu den weltweit größten Produktionsstandorten. Internationale Konzerne aus den USA, Europa und Fernost betreiben dort knapp 20 große Werke, wo überwiegend für den Export produziert wird. Die Nachfrage in Mexiko selbst aber schrumpft, wie schon im Vorjahr.

Politische und Wirtschaftliche Unsicherheit in Mexiko

Die politische und wirtschaftliche Unsicherheit bremst das Geschäft insgesamt aus. Gegen den Trend konnte zuletzt vor allem BMW rasant zulegen. Für die Münchener ist Mexiko mitsamt der gesamten Region inzwischen zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte geworden, sagt Lateinamerika-Chef Alexander Wehr.

"Wir werden dieses Jahr knapp 25.000 Einheiten verkaufen von BMW und Mini. Hier hat sich Mexiko wirklich entwickelt. Von einem ganz, ganz kleinen Entwicklungsmarkt hin zum größten Markt in Lateinamerika. Das heißt, wir werden hier in diesem Jahr gut 20 Prozent wachsen. Wir sind ganz klar Marktführer im Luxussegment." Alexander Wehr, Lateinamerika-Chef BMW

Ende des VW-Käfers

Das liegt auch an Fehlern der Konkurrenz. Der VW-Konzern galt mit seinem Werk in Puebla über Jahrzehnte in Mexiko als uneinholbarer Platzhirsch. Doch mit dem Ende des Käfers verlor das Unternehmen auch seinen Ruf, günstige und robuste Einstiegs-Autos für die Mittelschicht zu bauen. Außerdem gab man nahezu kampflos den wichtigen Taxi-Markt auf, den heute vor allem Nissan bedient.

Zuletzt sorgte VW in Mexiko für Empörung, als man Schallkanonen einsetzte, um Wolken über dem riesigen Fabrikgelände aufzulösen. Das sollte die fertigen Autos vor Hagel schützen, doch die Bauern in der Umgebung beschwerten sich über ausbleibenden Regen und eine ruinöse Dürre auf ihren Feldern.

Doch nicht nur der mexikanische Markt wartet immer wieder mit Überraschungen auf. Ganz Lateinamerika sei eine komplexe Region, sagt BMW-Manager Wehr.

"Es sind 28 Märkte, die wir von hier aus betreuen und steuern. Da ist jeder Markt anders. Unter dem Strich kann mal – oder muss man – leider sagen, dass 2018 eigentlich alle Märkte rückläufig waren bis auf Brasilien. Wir konnten uns da glücklicherweise entgegen dem Trend durchsetzen. Wir sind Marktführer in der Region, wir haben Wachstumsraten im hohen zweistelligen Bereich." Alexander Wehr, Lateinamerika-Chef BMW

Neue Regierung in Mexiko

Offen ist, wie es im nächsten Jahr weitergeht. Mexiko hat seit dem Monatsanfang eine neue Regierung, die bisher keine allzu seriöse Figur macht. Fast täglich gibt es große Ankündigungen, die kurz darauf zurückgenommen werden. Auch in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Wirtschaftsvertreter hoffen, dass sich die Lage bald stabilisiert. Gerade ausländische Firmen argumentieren, sie bräuchten Verlässlichkeit. "Wir sind seit 25 Jahren in Mexiko, wir kaufen hier jährlich knapp drei Milliarden Euro Autoteile ein", sagt Wehr. Gerade investiere man über eine Milliarde Euro in ein neues Werk in San Luis Potosí.

"Für uns ist ganz wichtig, dass uns die Regierung hier stabile Rahmenbedingungen liefert, damit wir Planungssicherheit haben, auch für unsere Investitionen. Das ist auch wichtig im Hinblick auf künftige Investitionen im Nafta-Raum." Alexander Wehr, Lateinamerika-Chef BMW

Audi mit Anlaufschwierigkeiten

Mit Spannung wartet die Branche nun darauf, ob es BMW aus dem Stand schafft, ab dem kommenden Jahr seine Produktionsziele im neuen mexikanischen Werk einzuhalten. Der Ingolstädter Konkurrent Audi hatte in seiner neuen Fabrik in den vergangenen Jahren mit massiven Anlauf-Schwierigkeiten zu kämpfen. Auch in diesem Jahr gab es Probleme. Im Herbst ruhte die Produktion für eine Weile. Die Gewerkschaft sprach von einem Nachfrage-Einbruch beim SUV-Modell Q5. Ein Gewerkschaftsvertreter sagte, man werde wohl auch in diesem Jahr hinter den Produktions-Zielen zurückbleiben.