BR24 Logo
BR24 Logo
Wirtschaft

Deutsche Bahn: Zehn Prozent auf alles? | BR24

© dpa, Fotograf: Arne Dedert

Ab dem 1. Januar gelten bei der Bahn günstigere Ticketpreise.

13
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Deutsche Bahn: Zehn Prozent auf alles?

Seit heute 5 Uhr können Bahnkunden günstigere Tickets für den Fernverkehr buchen. Der Konzern senkt die Preise um zehn Prozent. Für alle Tickets? Und was hat das Klimapaket damit zu tun - hier die Antworten.

13
Per Mail sharen

Jahrelang schimpften Bahnkunden über stetig teurer werdende Tickets der Deutschen Bahn. Andere nahmen gleich das Auto oder entschieden sich für das Flugzeug. Das soll im neuen Jahr anders werden. Zum 1. Januar hat der Konzern die Preise im Fernverkehr um zehn Prozent gesenkt. Auf diese Weise sollen mehr Menschen mit der Bahn reisen und das Klima geschont werden.

Welche Tickets werden günstiger?

Die Fahrpreissenkung betrifft sämtliche Fahrten im Fernverkehr. Sie beziehen sich nicht nur auf die gewöhnlichen Tickets, sondern auch auf Sparpreise und Zusatzkarten, etwa für Fahrräder. Im Nahverkehr hingegen sind die Preise zum Fahrplanwechsel um durchschnittlich 1,7 Prozent gestiegen, Verbundtarife erhöhten sich teils noch stärker.

Was ist mit der Bahncard?

Fest steht, dass zum 1. Januar auch die Bahncard 100 um zehn Prozent günstiger wird. Für die Bahncards 50 und 25, mit denen Kunden für Fahrkarten nur die Hälfte beziehungsweise ein Viertel zahlen, gilt das bislang nicht. "Die Deutsche Bahn würde es begrüßen, wenn auch die BahnCard 25 und BahnCard 50 Teil des Mehrwertsteuer-Paketes werden", sagte ein Bahn-Sprecher. Darüber verhandelt der Konzern derzeit mit dem Bund. Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, würden auch Bahncard 50 und 25 um zehn Prozent günstiger werden.

© Paul Zinken/dpa

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, bei einem Pressetermin.

Ab wann kann man die günstigeren Tickets buchen?

Laut Bahn können Kunden die günstigeren Tickets ab dem 1. Januar um 5 Uhr morgens online und zu den regulären Öffnungszeiten in den Reisezentren kaufen. Grund dafür ist demnach, dass die technische Umstellung der Buchungs-Systeme einige Stunden dauern wird. Mit den Arbeiten konnte das Unternehmen aufgrund des Bahnverkehrs an Silvester erst so spät wie möglich beginnen. Wer schon davor ein Ticket für eine Fahrt im Jahr 2020 gekauft hat, der zahlte noch den alten, teureren Preis. Erstatten lässt sich diese Differenz nicht.

Warum werden die Tickets jetzt günstiger?

Grund ist die neue Klimapolitik der Bundesregierung. Konkret: das Klimapaket der Koalition. Damit mehr Menschen mit der Bahn fahren statt mit dem klimaschädlicheren Auto oder dem Flugzeug reisen, hat die Bundesregierung eine reduzierte Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent für Fernverkehrstickets beschlossen. Diese will die Bahn vollständig an die Kunden weiterreichen.

Der bundeseigene Konzern rechnet allein durch die Absenkung der Mehrwertsteuer mit einem jährlichen Plus von mindestens fünf Millionen Fahrgästen. Damit die Bahn das möglichst chaosfrei bewältigen kann, braucht es jedoch auch mehr Züge, eine engere Taktung und einen Ausbau des Streckennetzes. Bis 2030 peilt die Bahn den "Deutschlandtakt" an. Für all das erhält die Bahn mehr Geld vom Staat. Mehr als zwölf Milliarden Euro will der Konzern in den kommenden Jahren in den Ausbau und die Modernisierung der Fahrzeugflotte investieren. Damit sollen die Kapazitäten erhöht und Probleme bei der Pünktlichkeit der Züge und den Engpässen im Netz gemildert werden.

Wie ergibt sich die Preissenkung?

Eine um zwölf Prozentpunkte gesenkte Mehrwertsteuer ergibt eine Fahrpreisreduzierung von zehn Prozent. Ein Rechenbeispiel: Eine 100 Euro-Fahrkarte kostet mit 19 Prozent Mehrwertsteuer 119 Euro. Mit sieben Prozent Steuer werden es 107 Euro sein. Differenz: Zwölf Euro. Das sind nahezu jene zehn Prozent von 119 Euro.

Gilt die niedrigere Mehrwertsteuer nur für die Bahn?

Sie gilt für alle Anbieter im Schienen-Fernverkehr, der aber zu 99 Prozent von der Deutschen Bahn kontrolliert wird. Ausgenommen vom Mehrwertsteuerpaket sind Fernbusse. Vor allem das größte Fernbus-Unternehmen in Deutschland, Flixmobility mit seiner Marke Flixbus, kritisiert das. Das Unternehmen sieht sich vor allem auf den Nebenstrecken bedroht, wo die Sparpreise der Bahn durchaus mit denen des Bus-Unternehmens mithalten können. Flixbus kündigte deshalb an, gegen die Mehrwertsteuersenkung zu klagen.

Und was ist mit Bundeswehrsoldaten?

Bundeswehrsoldaten können ab Anfang Januar alle Züge der Deutschen Bahn kostenfrei für dienstliche und private Fahrten nutzen - sofern sie Uniform tragen. Das hat allerdings nichts mit der Klimapolitik zu tun. Vielmehr geht es hier um eine Vereinbarung zwischen dem Verteidigungsministerium und der Deutschen Bahn. Die Regelung gilt sowohl für den Fernverkehr als auch für die Regionalzüge der Bahn. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will so auch die Bundeswehr im öffentlichen Leben präsenter machen. Soldaten können die Fahrten über ein eigenes Portal buchen und mit einer digitalen Berechtigung ein Ticket lösen. Im Zug müssen sie dann eine Uniform tragen und auch den Truppenausweis vorzeigen. Die Bahn erhält einen Pauschalbetrag von zunächst grob kalkulierten vier Millionen Euro pro Jahr.

© BR.de

Bei der Deutschen Bahn sind die Tickets für den Fernverkehr nun günstiger. Die Bahn gibt seit heute die vom Bund beschlossene Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent an die Kunden weiter.