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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält ein Plakat mit der Aufschrift "Überbrückungshilfen für den Mittelstand" in den Händen.

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    Ärger um Corona-Hilfen: Der Wirtschafts-Kritik-Gipfel

    Angesichts von Kritik an schleppenden Hilfsleistungen hat Minister Altmaier einen Wirtschaftsgipfel einberufen. Eingeladen sind Vertreter von mehr als 40 Verbänden. Für einige Betriebe könnte eine Öffnung die einzige Hoffnung sein.

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    Von
    • Tobias Betz

    Seit mehr als zwölf Jahren führt Braumeister Mike Schmitt eine Braugaststätte im fränkischen Pretzfeld. Nikl-Bräu – heißt der Mischbetrieb. Der umgebaute Bauernhof ist sowohl eine Brauerei als auch eine Gaststätte. Seit Corona: Finanzielle Einbußen von rund 70 Prozent, Nikl-Bräu ist geschlossen. Zu allem Übel: Bei den Wirtschaftshilfen fällt der Braumeister durchs Raster, weil er zwei Einnahmequellen hat: Brauerei und Gaststätte eben.

    Braumeister Mike Schmitt wendet sich vor wenigen Tagen in einem Video direkt an die Politik. "Ich möchte mal wissen, wie ihr euch das vorstellt, wie wir das zahlen sollen. Wir sind ein kleiner Betrieb", sagt der fränkische Braumeister. "Wir haben im Monat Grundkosten von über 10.000 Euro - ohne Personal. Ich kriege aktuell mit ein bisschen To-Go und ein bisschen Flaschenbierverkauf nicht einmal ein Drittel davon herein."

    Verzweifelte Hilferufe

    Es sind verzweifelte Hilferufe. Aus der Gastronomie, aus der Veranstaltungswirtschaft, aus dem Einzelhandel. In Berlin hatten Finanzminister Olaf Scholz von der SPD und Wirtschaftsminister Peter Altmaier versprochen: Die Bazooka mit Wumms. Milliarden sind auf dem Weg: Überbrückungshilfe I, II und III, Novemberhilfe, Dezemberhilfe, Übernahme von Bürgschaften, Stabilisierungsfonds und, und, und.

    Doch für viele geschlossene Betriebe fühlen sich die Wirtschaftshilfen eher wie Rohrkrepierer an. Vielen Betroffenen geht das zu langsam mit den existenziellen Finanzspritzen. Gerade kleinere Betriebe haben selten Rücklagen, können sich nicht so lange über Wasser halten.

    "Situatives Jonglieren muss endlich aufhören"

    Der Hauptgeschäftsführer vom Handelsverband HDE, Stefan Genth, fordert nun einen Stufenplan zum Ausstieg aus dem Lockdown. Das hätten sich viele Betriebe mit ihren Hygienekonzepten längst verdient. "Die Politik muss liefern, was sie schon längst zugesagt hat: Mehr Transparenz, mehr Planbarkeit sind für unsere Einzelhändler unverzichtbar", sagt Genth. Ein "situatives Jonglieren" müsse endlich aufhören. "Wir brauchen mehr Verlässlichkeit!"

    Altmaier will mit rund 40 Verbänden sprechen

    Am Vormittag lädt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zum Wirtschaftsgipfel, der viel mehr ein Wirtschafts-Kritik-Gipfel ist. Beate Baron ist Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Vor dem digitalen Treffen mit rund 40 Verbänden stellt sie Öffnungsperspektiven in Aussicht. Ziel sei es, die aktuelle Lage der Wirtschaft in der Corona-Krise zu thematisieren und "über mögliche Öffnungsschritte zu sprechen".

    Seit vergangener Woche ist immerhin die Überbrückungshilfe III unterwegs – und ein Großteil der November und Dezemberhilfen ist bereits ausbezahlt. Doch solange Menschen wie der fränkische Braumeister Mike Schmitt durchs Raster fallen und keine Hilfen erhalten, wird auch die Kritik an der groß angekündigten Bazooka mit Wumms nicht abreißen.

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