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Bildrechte: BR/dpa-Bildfunk/Matthias Schrader

Stabwechsel bei Siemens: Nach fast acht Jahren hat Joe Kaeser das Amt des Vorstandsvorsitzenden an Roland Busch abgegeben.

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Das ist der neue Siemens-Chef Roland Busch

Fast acht Jahre stand Joe Kaeser an der Spitze des Siemens-Konzerns. Nach Ablauf der Hauptversammlung nimmt sein Stellvertreter Roland Busch im Chefsessel Platz. Der gebürtige Franke hatte genug Zeit, um sich warmzulaufen.

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Von
  • Margit Siller

Zum ersten Mal seit 30 Jahren steht wieder ein Techniker an der Spitze des Konzerns. Der promovierte Physiker hat "Respekt vor dieser Aufgabe", wie er selbst sagt. Und das, obwohl er seit einem Vierteljahrhundert für Siemens arbeitet, davon fast zehn Jahre im Vorstand. Während Joe Kaeser auf der politischen Bühne gerne den Welterklärer gibt, hat sich Roland Busch bislang noch nie zu politischen Fragen geäußert. Er gilt als unprätentiös und geradlinig, auch in schwierigen Situationen. Der 56-Jährige redet am liebsten über Innovationen, wie bei einer Präsentation der neuen Plattform "Mindsphere", die das Internet der Dinge, die Automatisierung der Fabriken entscheidend voranbringen soll.

"Stellen Sie sich eine Fabrik vor, zunächst müssen wir die Daten einsammeln, dann messen wir die vielen Daten, die heute wertlos herumliegen. Und dann sitzen in diesem Betriebssystem auch noch Algorithmen, die Ihnen erlauben, Schlüsse zu ziehen, was passiert ist; jetzt kommen die Applikationen, da passiert wirklich der Kundennutzen. Warum ist diese Strasse jetzt weniger produktiv als eine andere? Und häufig sind es Zusammenhänge, die Sie gar nicht sehen, die finden wir eben heraus und schaffen damit Kundennutzen." Roland Busch, Siemens-Vorstandsvorsitzender

Physik-Studium in Erlangen

Nach dem Physik-Studium in Erlangen-Nürnberg ging es für Busch zunächst nach Regensburg, in die Automobiltechnik. Danach wurde er in Shanghai Asienchef der gesamten Autozuliefersparte. Dort musste Busch seine Koffer packen, als Siemens die Tochter VDO an Continental verkaufte. Später war er Strategiechef in der Münchener Zentrale, schließlich Technologie-Vorstand. Der Wochenendpendler hat sich nie ganz aus Erlangen verabschiedet; er kennt den gesamten Konzern, ist gut vernetzt, und er wirke sogar als Integrationsfigur.

"Gegenmodell" zu Joe Kaeser

Damit gilt er vielen als Gegenmodell seines Vorgängers, der sich nicht scheute, Betriebsräte und Gewerkschafter zu verprellen. Viele fühlten sich vom konfliktfreudigen Kaeser mehr als einmal vorgeführt, so ist zu hören; über Busch ist dergleichen nicht bekannt.

Mit der Abspaltung der Medizintechnik und des Energiegeschäfts ist der Konzernumbau jetzt abgeschlossen. Siemens konzentriert sich auf die Digitale Fabrik, das Infrastrukturgeschäft und die Bahntechnik. Gefragt, wie es nun weitergehen werde, antwortete Roland Busch auf der Bilanzpressekonferenz im November:

"Wenn Sie fragen, ob wir ideal aufgestellt sind, ich glaube: Wenn man aufhört, versucht besser zu werden, dann hört man auf, gut zu sein. Und darüber hinaus ist es so, das haben wir jetzt bei Corona gesehen: Wir sehen in all unseren Märkten unglaubliche Transformation, neue Technologien, neue Geschäftsmodelle, Kunden kaufen eben nicht nur Produkte ein, sondern wollen Lösungen, schauen auf ihre Produktivität. In diesem Umfeld kann man gar nicht ideal aufgestellt sein, man kann sich nur weiterentwickeln - und das schnell." Roland Busch, Siemens-Vorstandsvorsitzender

Joe Kaeser soll mal über Roland Busch gesagt haben, er habe "Hubraum im Hirn". Dass der es eher pragmatisch angeht, ist wohl typisch für einen Physiker. Allerdings wirkte er manches Mal in den vergangenen Monaten doch zu distanziert, zu kontrolliert; wohl bemüht, keine Fehler zu machen, sich nicht selbst in der langen Übergangszeit als Vize auf den letzten Metern noch auszubremsen. Diese Anspannung ist nun vorbei; Busch hat es geschafft. Jetzt muss der Funke des Technikbegeisterten überspringen, auf Mitarbeiter, Investoren und Kunden.