Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Der lange Weg zum Kohleausstieg | BR24

© dpa-Bildfunk/Federico Gambarini

Braunkohlekraftwerk Niederaußem

6
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Der lange Weg zum Kohleausstieg

Bis 2038 soll der Kohleausstieg abgeschlossen sein. Unter welchen Bedingungen das gelingen kann und ob der Strom jetzt wirklich nicht teurer wird - das sagen Energieexperten zum Kohlekompromiss und dessen Auswirkungen für die Verbraucher.

6
Per Mail sharen
Teilen

Die von der Regierung eingesetzte Kohlekommission mit Vertretern aus Industrie, Gewerkschaften, Umweltverbänden und Forschern hatte sich auf ein Konzept für einen Kohleausstieg bis spätestens 2038 geeinigt. Das wird viel Geld kosten - und doch will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vermeiden, dass Verbraucher durch den Kohleausstieg mehr Geld für ihren Strom bezahlen müssen.

Kann der Kohleausstieg ohne Preiserhöhung klappen?

Wir haben die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gefragt, wie dieses Konzept gelingen kann: Alles nur Wunschdenken? Wird der Strom jetzt nicht doch teurer?

"Der Strom muss nicht teurer werden. Wenn man jetzt klug vorgeht und nicht exorbitante Entschädigungsforderungen abwälzt auf den Strompreis, dann kann er nicht nur stabil bleiben, dann kann er sogar sinken. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien sinken die Strombörsenpreise, die Großhandelspreise und davon könnten auch die Verbraucher profitieren." Claudia Kemfert, Energieexpertin

Wenn erneuerbare Energien jetzt flächendeckend auch in Bayern schneller als bisher ausgebaut würden, dann könne es auch gelingen, das Drittel des deutschen Stroms, der noch aus der Kohle stammt, durch grünen Strom zu ersetzen, so Kemfert weiter. Leider habe man das aber in der Vergangenheit sehr stark gedeckelt und durch Regulierung den Ausbau eher behindert - das müsse man nun aufheben, um zu verhindern, dass am Ende wieder Kohlestrom aus dem Ausland importiert werden muss, denn das wollten wir ja gerade nicht.

Stromausfälle wird es nicht geben

Angst vor Stromausfällen hat die Expertin dabei trotz der vielen "Wenns", die das Konzept beinhaltet, nicht - denn im Moment produziert Deutschland sehr viel Überschuss. Diese Überkapazitäten gäben der Bundesregierung genügend Zeit, den Kohleausstieg klug zu begleiten. Wichtig sei allerdings, dass man das Konzept nun beherzt umsetzt und gleichzeitig die erneuerbaren Energien deutlich ausbaut - dann hätte Deutschland in jedem Fall ausreichend Versorgungssicherheit.

Regierung muss gut verhandeln

Trotz anderslautender Versprechungen der Stromerzeuger werde es sicherlich zu Schadensersatzforderungen kommen, lautet die Einschätzung der Expertin - etwa für das Kohlekraftwerk am Rande des Ruhrgebiets, das gerade noch gebaut wird. Hier müsse die Politik mit Augenmaß handeln und dürfe keine exorbitanten Forderungen akzeptieren.

"Der Klimaschutz wird und nicht den Wohlstand kosten, er bringt Wohlstand, denn diese Investitionen, die wir jetzt tätigen, sind Investition in die Zukunft - in zukünftige Märkte, in erneuerbare Energien, in Energieeffizienz. Andere Länder machen es vor, Deutschland ist hier bisher eher Nachzügler." Claudia Kemfert, Energieexpertin

Maßnahmen auf mehreren Ebenen angehen

Viel am Kompromiss zu bemängeln hat Kemfert nicht. Aus ihrer Sicht ist vor allem wichtig, dass es überhaupt einen Kompromiss gibt und dass man nun anfängt, die alten und ineffizienten Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen. Ihr einziger Kritikpunkt liegt darin, dass die Bundesregierung nicht nur den Kohleausstieg managen müsse, sondern auch die Energiewende sehr viel beherzter umsetzen und mit einer nachhaltigen Verkehrswende koppeln müsse.

"Wichtig ist nun vor allem, die Gelder für den Strukturwandel eng zu koppeln an Innovation und Forschung, dass man auch in Energiewendeprojekte investiert und das auch genau überwacht." Claudia Kemfert, Energieexpertin

Weg von den theoretischen Diskussionen

Grundsätzlich mit dem Kompromiss zufrieden zeigt sich auch der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis: "Ich war am nächsten Morgen erstens müde, zweites nicht glücklich aber sehr zufrieden," sagte Vassiliadis im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, radioWelt Abend).

Wichtig sei nun, aus den Schützengräben-Debatten herauszukommen und zu einem Miteinander zu finden. Die oftmals doch sehr fundamentale Diskussion müsse einer sachlichen Erörterung weichen. "Dann schaffen wir das", so der Gewerkschaftschef. Vassiliadis, der Mitglied der Kohlekommission ist, rechnet durch den Kohleausstieg mit dem Verlust von 20 - 25.000 Arbeitsplätzen.

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Nach dem Kompromiss der Kohle-Kommission beginnt für die Bundesregierung die Arbeit. Der Wirtschaftsminister stellte heute klar, dass steigende Strompreise verhindert werden sollen. Auch für bayerische Kraftwerke ist längst nicht alles klar.

Stromausfälle wird es nicht geben

Angst vor Stromausfällen hat die Expertin dabei trotz der vielen "Wenns", die das Konzept beinhaltet, nicht - denn im Moment produziert Deutschland sehr viel Überschuss. Diese Überkapazitäten gäben der Bundesregierung genügend Zeit, den Kohleausstieg klug zu begleiten. Wichtig sei allerdings, dass man das Konzept nun beherzt umsetzt und gleichzeitig die erneuerbaren Energien deutlich ausbaut - dann hätte Deutschland in jedem Fall ausreichend Versorgungssicherheit.

Regierung muss gut verhandeln

Trotz anderslautender Versprechungen der Stromerzeuger werde es sicherlich zu Schadensersatzforderungen kommen, lautet die Einschätzung der Expertin - etwa für das Kohlekraftwerk am Rande des Ruhrgebiets, das gerade noch gebaut wird. Hier müsse die Politik mit Augenmaß handeln und dürfe keine exorbitanten Forderungen akzeptieren.

"Der Klimaschutz wird und nicht den Wohlstand kosten, er bringt Wohlstand, denn diese Investitionen, die wir jetzt tätigen, sind Investition in die Zukunft - in zukünftige Märkte, in erneuerbare Energien, in Energieeffizienz. Andere Länder machen es vor, Deutschland ist hier bisher eher Nachzügler." Claudia Kemfert, Energieexpertin

Maßnahmen auf mehreren Ebenen angehen

Viel am Kompromiss zu bemängeln hat Kemfert nicht. Aus ihrer Sicht ist vor allem wichtig, dass es überhaupt einen Kompromiss gibt und dass man nun anfängt, die alten und ineffizienten Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen. Ihr einziger Kritikpunkt liegt darin, dass die Bundesregierung nicht nur den Kohleausstieg managen müsse, sondern auch die Energiewende sehr viel beherzter umsetzen und mit einer nachhaltigen Verkehrswende koppeln müsse.

"Wichtig ist nun vor allem, die Gelder für den Strukturwandel eng zu koppeln an Innovation und Forschung, dass man auch in Energiewendeprojekte investiert und das auch genau überwacht." Claudia Kemfert, Energieexpertin

Weg von den theoretischen Diskussionen

Grundsätzlich mit dem Kompromiss zufrieden zeigt sich auch der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis: "Ich war am nächsten Morgen erstens müde, zweites nicht glücklich aber sehr zufrieden," sagte Vassiliadis im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, radioWelt Abend).

Wichtig sei nun, aus den Schützengräben-Debatten herauszukommen und zu einem Miteinander zu finden. Die oftmals doch sehr fundamentale Diskussion müsse einer sachlichen Erörterung weichen. "Dann schaffen wir das", so der Gewerkschaftschef. Vassiliadis, der Mitglied der Kohlekommission ist, rechnet durch den Kohleausstieg mit dem Verlust von 20 - 25.000 Arbeitsplätzen.

Am Ende des Tages wird Deutschland profitieren

Mit dabei bei der "Pokernacht" der Kompromissfindung war auch Felix Matthes vom Ökoinstitut. Er hält das Ergebnis für durchaus akzeptabel. Bei den Kosten müsse man einfach im Kopf behalten, dass es sich um erste grobe Schätzungen handele, gerade was die Strompreiskompensation und die Entschädigungszahlungen an die Kraftwerksbetreiber angehe.

"Man darf auch nicht vergessen: Es geht um die Einsparung von sehr viel CO2. Dieser Entschluss wird über die Jahre etwa eine Milliarde Tonnen CO2 sparen und wenn man dann die Summen durch diese CO2-Einsparung dividiert, dann kommen da sehr vernünftige Vermeidungskosten für die Treibhausgase heraus." Felix Matthes, Mitglied der Kohlekommission

Nach Matthes' Einschätzung werden die Verbraucher nicht die Zeche für den Kohleausstieg zahlen. Denn auf Dauer werden wir Strompreise haben, die viel weniger empfindlich sind, die viel weniger auf die Schwankungen an den globalen Märkten reagieren, so der Energieexperte - und deshalb werde Deutschland am Ende des Tages in der Volkswirtschaft und bei den Verbrauchern von diesem Umstieg profitieren.

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Bis 2038 soll der Kohleausstieg abgeschlossen sein. Felix Matthes, Mitglied der Kohlekommission, spricht von einem "akzeptablen Kompromiss". In der BR Rundschau betonte er die Vorbildfunktion Deutschlands beim Kohleausstieg.

Sendung

B5 aktuell

Von
  • BR24 Redaktion
Schlagwörter