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Der Journalist, der Wirecard zu Fall brachte | BR24

© picture alliance / Sven Simon

Der Journalist, der Wirecard zu Fall brachte

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    Der Journalist, der Wirecard zu Fall brachte

    Er wurde überwacht, von Privatdetektiven verfolgt und musste sich drei Monate in einen Bunker einschließen. Dan McCrum ist einer der Journalisten, der für die Financial Times die Machenschaften von Wirecard ans Tageslicht brachte.

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    Von
    • Jonathan Schulenburg

    Am Ende steht ein Loch von 1,9 Milliarden Euro und ein Dax-Unternehmen, das insolvent gegangen ist. Doch am Anfang stand ein Artikel eines englischen Journalisten. 2014 veröffentlichte Dan McCrum seine erste Geschichte über Wirecard. Er bekam den Tipp eines Short Sellers, jemand, der auf fallende oder steigende Kurse setzt. Irgendetwas sei faul mit Wirecard. McCrum erinnert sich beim Gespräch auf den Münchner Medientagen: "Ich hätte nie gedacht, dass es so ein Drama wird. Ich hatte keine Ahnung, wie groß es wirklich war."

    Wirecard: große Hoffnung, großer Fall

    Wirecard war die große Hoffnung auf dem deutschen Technologie Markt. Ein deutsches Fin-Tech für das digitale Bezahlen. Im Jahr 2005 geht Wirecard an die Börse. McCrum fiel schon früh auf, dass da etwas nicht stimmen kann. Aber er wurde von Wirecard kritisiert, er verstehe es nicht und es sei alles viel komplizierter. Man warf ihm vor, er wolle dem Unternehmen nur schaden. McCrum erzählt: "Das Bild war: Wir als Journalisten würden das Unternehmen zu Grunde richten."

    "Vielleicht kommen die damit durch"

    Wirecard geht auch gerichtlich gegen die Financial Times vor. Und: Auch die deutsche Bafin, die Finanzaufsicht, leitet Ermittlungen ein. McCrum erinnert sich: "Ich wurde zwei Mal von der Financial Times untersucht. Ich wusste immer, dass ich nichts falsch gemacht habe. Aber man denkt schon: vielleicht kommen die damit durch."

    Privatdetektive und Hacker gegen die Financial Times

    Es nahm Züge an, die aus einem James Bond Film stammen könnten. 28 Privatdetektive wurden auf McCrum und seine Kollegen angesetzt. Später fand McCrum heraus, dass eine indische Hackergruppe versucht hatte, an Dokumente von ihm und der Financial Times zu gelangen. Dazu läuft gerade eine Ermittlung in den USA. McCrum sagt: "Es scheint, dass Wirecard dahintersteckte."

    Er zog sich drei Monate in einen Bunker zurück - ohne Internetanschluss, weil er Angst vor Überwachung hatte. "Es ist sehr einschüchternd, wie diese Firma agiert hat- wie ein kriminelles Unternehmen." Als dann wirklich die Nachricht kam, das alles stimmte, was er geschrieben hatte, zog er eine kleine Siegesrunde durch seine Küche. "Dann habe ich einen Monat nur geschrieben."

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