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Der Brexit - Auch ein Thema für Erben
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Der Brexit - Auch ein Thema für Erben

Barbara S. ist erfolgreiche Unternehmerin aus Starnberg. Sie hat einen Schweizer Pass, lebt und führt ihre Agentur aber in Bayern. Und sie hat ein Haus in London, das sie mal zur Alterssicherung erworben hat und das der Familie als zweiter Wohnsitz dient. Obwohl Barbara S. voll im Leben steht und ihr Hauptwohnsitz in Bayern ist, hat sie mit einem Testament nach deutschem Erbrecht vorgesorgt. Die Kinder sollen einmal erben und durch ihren Tod keine Komplikationen oder Vermögensverluste erleiden. Doch genau da könnte ihr der Brexit einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Brexit kann Erben viel Geld kosten

Denn bislang konnten sich die Erben von Barbara S. darauf verlassen, dass ihr Haus in London nicht erbschaftbesteuert wird. Das deutsche Steuerrecht gewährt erhebliche Befreiungen. "Selbstgenutzte Immobilien bleiben unter bestimmten Voraussetzungen sogar komplett steuerfrei, wenn der Ehegatte oder Kinder erben. Bei vermietetem Wohnraum gibt es einen Wertabschlag von zehn Prozent", erläutert Anton Steiner vom deutschen Forum für Erbrecht.

"Aber durch den Brexit wird Großbritannien sowohl aus der Europäischen Union als auch aus dem Europäischen Wirtschaftsraum ausscheiden, so dass diese Steuerbegünstigungen dann nicht mehr gewährt werden". Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht

Ein Weckruf auch für die rund 2.500 Tochtergesellschaften und Niederlassungen deutscher Unternehmen in Großbritannien, mehrere hundert davon aus Bayern. Denn die Erbschaftsteuer umfasst auch Betriebsstätten in Großbritannien. Stirbt der Inhaber nach vollzogenem Brexit, kann es teuer werden. Ein Problem, das sich vor allem mittelständisch geführten Familienunternehmen stellt.

"Familien mit Immobilien oder Betriebsvermögen in Großbritannien sollten daher prüfen, ob sie nicht noch vor dem Austrittsdatum Vermögen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge übertragen, um die Steuervergünstigungen noch zu erhalten". Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht

Brexit trifft deutsche Familienunternehmen

Was aber ist mit deutschen Unternehmen mit Betriebsvermögen in Großbritannien, bei denen der Erbfall bereits eingetreten ist? Hier gelten bislang Verschonungsregeln. Wird der Betrieb mindestens zehn Jahre weitergeführt, reduziert sich die Erbschaftsteuerlast. Kommt der Brexit, fallen solche Betriebsstätten aus der Verschonung und es drohen erhebliche Erbschaftsteuer-Nachzahlungen. "Wir sehen da aber noch Verhandlungsspielraum mit dem deutschen Finanzministerium", hofft Ulrich Hoppe von der deutsch-britischen Handelskammer. Und fügt hinzu:

"Am Beispiel Erbschaftsteuer sieht man mal, wie beim Brexit der Teufel im Detail steckt." Ulrich Hoppe, Deutsch-Britische Handelskammer

Immobilienbesitzerin Barbara S. aus Starnberg hat mittlerweile die Konsequenzen gezogen und prüft zwei Optionen für ihr Haus: Verkauf oder Umzug nach London.