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Auch wenn der Jahreswechsel in diesem Jahr so ruhig werden mag, dass manch einer ihn verschläft – mit dem neuen Jahr kommt einiges an Änderungen auf uns zu. Anja Keber stellt eine Auswahl davon vor.

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Das ändert sich bei Steuern und Finanzen 2021

Wir bringen Sie auf den aktuellen Stand, was das kommende Jahr in Sachen Finanzen mit sich bringt: von Solidaritätszuschlag über Mehrwertsteuer bis hin zu Kindergeld und Kfz-Steuer. Manches wird günstiger – anderes teurer.

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Von
  • Florian Eckl
  • Anja Keber

Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Insolvenzen – 2020 war in Sachen Geld für viele Deutsche ein hartes Jahr. Neues Jahr, neues Glück. Ab dem ersten Januar treten neue Gesetze und Reglungen in Kraft, die bei Steuern und Finanzen einiges ändern. Unter anderem setzt die Regierung wie versprochen die größte Steuererleichterung in der Geschichte der Bundesrepublik um.

Der Soli ist ab 1. Januar 2021 für viele Deutsche Geschichte

Nach der Wende hat die Bundesregierung den Solidaritätszuschlag eingeführt, um den Ost-Aufbau zu fördern. Für 90 Prozent der Steuerzahler ist der Soli ab 2021 Geschichte. Alleinstehende mit einem Jahreseinkommen bis 73.000 Euro brutto werden komplett befreit. Für Verheiratete gelten 151.000 Euro brutto als Obergrenze.

Wer pro Jahr mehr verdient, aber 109.000 Euro brutto (Verheiratete: 221.000 Euro brutto) nicht überschreitet, muss nur noch einen Teil des Solidaritätszuschlags bezahlen.

Auch Einzelunternehmer und Personengesellschaften profitieren von neuer Soli-Regelung

Auch kleine und mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmern sollen profitieren. Üblicherweise betreiben sie ihre Unternehmen als Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmer oder, wenn sie sich mit anderen zusammentun, in Form einer Personengesellschaft (OHG oder KG). Ihre Gewinne unterliegen in der Regel der Einkommensteuer. Rund 88 Prozent dieser Gewerbetreibenden werden vollständig vom Solidaritätszuschlag befreit, wenn sie ausschließlich Gewerbeeinkünfte erzielen.

Für Sparer bleibt nur der Freibetrag bis 801 Euro pro Person und Jahr unberührt.

Erleichterung für Senioren: Die Grundrente kommt

Wer viele Jahre gearbeitet und dabei unterdurchschnittlich verdient hat, soll künftig mit einer Grundrente entlastet werden. Voraussetzung: Es muss mindestens 33 Jahre in die Rentenkasse einbezahlt werden. Sie wird zusammen mit der gesetzlichen Rente ausgezahlt.

Berechnet wird die Grundrente aus allen Grundrentenzeiten, in denen der Verdienst mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen hat. Das sind zum Beispiel im Jahr 2020 monatlich rund 1.013 Euro brutto. Liegt der eigene Verdienst darunter, wird diese Zeit nicht mitgezählt. Einkommen aus Zeiten mit einer geringfügigen Beschäftigung werden also nicht berücksichtigt. Die Rentenversicherung ermittelt automatisch, wer wieviel bekommt. Die Auszahlung dauert voraussichtlich bis Mitte 2021.

Die grenzübergreifende Rentenversicherung PEPP kommt

Auch eine europaweite Rente kommt. Im August 2020 ist eine entsprechende EU-Verordnung in Kraft getreten, sodass der Europarente - Pan European Private Pension (PEPP) - dann Ende 2021 nichts mehr im Weg steht. Sie soll vor allem Personen bei der Altersvorsorge helfen, die grenzüberschreitend arbeiten oder ihren Arbeitsplatz wechseln. Diese Versicherten müssen dann nicht mehr bei jedem Arbeitsplatzwechsel eine neue Rentenversicherung abschließen.

Dem Bund der Versicherten zufolge arbeitet die PEPP auch mit einem Kostendeckel. Das mache sie auch im Vergleich mit anderen Produkten gut. "Und wenn womöglich die Riester- und die steuerliche Forderung mit einbezogen wird, dann ist es ein richtiges Produkt für alle", so Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten.

Unterstützung für Familien steigt

Ab Januar können Familien gleich mehrfach profitieren. Nicht nur das Kindergeld steigt, sondern auch der Kinderzuschlag für Familien mit geringem Einkommen. Beim Kindergeld gibt es pro Kind 15 Euro mehr, beim Kinderzuschlag 20 Euro.

Zudem werden die steuerlichen Kinderfreibeträge ab 2021 auf insgesamt 8.388 Euro erhöht. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wird für die Kalenderjahre 2020 und 2021 mehr als verdoppelt.

Mehr Mindestlohn in vier Schritten

Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn steigt entsprechend einem Beschluss der Mindestlohnkommission vom 30. Juni 2020 ab 2021 in vier Schritten um am Ende über einen Euro auf deutlich mehr als die bisherigen 9,35 Euro.

Zum 1. Januar 2021 wird er auf 9,50 Euro erhöht, im Juli kommen nochmal 10 Cent oben drauf. Zum 1. Januar 2022 stiegt er auf 9,82 Euro, ab Juli 2022 sollen dann Minimum 10,45 Euro pro Stunde bezahlt werden.

Höhere Regelsätze bei Hartz IV

Auch Hartz-IV-Empfänger bekommen ab Januar mehr Geld. Ein alleinstehender Erwachsener bekommt künftig 446 Euro im Monat - 14 Euro mehr als bisher. Wer mit einem anderen bedürftigen Erwachsenen wie dem Ehepartner in einer Wohnung lebt, bekommt künftig 401 Euro statt bisher 389 Euro.

Der Satz für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren steigt um 45 Euro auf 373 Euro, der für Kinder bis fünf Jahre um 33 auf dann 283 Euro. Für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren ist mit monatlich 309 Euro ein Plus von einem Euro vorgesehen.

Mehrwertsteuer steigt wieder

Allerdings werden auch manche Dinge teurer. Vergangenen Sommer hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer gesenkt. Die Konjunktur sollte in der Corona-Krise dadurch angekurbelt werden. Viele Händler haben die Ersparnis direkt an die Kunden weitergegeben.

Ab Januar werden die 16 Prozent allerdings wieder auf 19 Prozent hochgeschraubt. Für Güter des täglichen Bedarfs sind statt fünf bald wieder sieben Prozent fällig.

Personalausweis wird teurer

Auch wer einen neuen Personalausweis beantragt, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Der "Perso" im Scheckkartenformat, in der Regel zehn Jahre gültig, wird um 8,20 Euro teurer. Statt 28,80 Euro kostet er ab Januar 20201 37 Euro.

Jüngere Antragsteller, deren Ausweis nur sechs Jahre lang gültig ist, zahlen 22,80 Euro. Das Foto kann zudem nur noch digital übermittelt oder im Bürgerbüro gemacht werden.

Kfz-Steuer richtet sich mehr nach Schadstoffausstoß

Und wer sich ein neues Auto mit hohem Spritverbrauch kauft, muss mehr Kfz-Steuer bezahlen. Das trifft dann vor allem SUV und Sportfahrzeuge. Für die meisten Autofahrer dürfte sich die Belastung allerdings in Grenzen halten. Käufer von Fahrzeugen hingegen, die nur wenig Schadstoffe in die Umwelt blasen, erhalten einen Steuerfreibetrag von 30 Euro.

Gute Nachrichten gibt es auch für Pendler, die etwas längere Strecken zur Arbeit haben: die Entfernungspauschale wird 2021 ab dem 21. Kilometer auf 35 Cent pro Kilometer erhöht. Bisher beträgt die Pauschale 30 Cent pro Kilometer.

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