BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Colourbox
Bildrechte: Colourbox

Hochspannungsleitung vor untergehender Sonne

99
Per Mail sharen

    Darum explodieren die Energiepreise in Europa

    Die Wirtschaft hat sich nach der Corona-Krise ziemlich schnell erholt, schneller als gedacht. Doch der wirtschaftliche Aufschwung bliebt nicht ohne Folgen. In vielen europäischen Ländern sind die Energiepreise explodiert.

    99
    Per Mail sharen
    Von
    • Stefan Jäntsch

    In vielen Staaten in Europa sind die Energiepreise rasant angestiegen und liegen um ein Vielfaches höher als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Daher fürchten sich vor allem einkommensschwache Haushalte vor einem kalten Winter. Was sind die Gründe für den starken Anstieg der Preise?

    Gaspreis in Spanien hat sich verfünffacht

    In Spanien hat sich der Gaspreis im Vergleich zu 2020 verfünffacht. Der Strompreis ist um mehr als das Dreifache gestiegen. Die Energiepreise scheinen unaufhaltsam nach oben zu schnellen. Deswegen plädiert die spanische Regierung auch für eine europäische Lösung und blickt damit nach Brüssel. Man solle als Block mit den Energielieferanten verhandeln, um so die Preise für die Verbraucher zu senken.

    In Frankreich dürfen Gaspreise nicht mehr erhöht werden

    Blickt man nach Frankreich, sieht es genauso aus. Die Franzosen zahlen aktuell für ihr Gas 57 Prozent mehr als zu Beginn des Jahres. Deswegen hat die Regierung hier eine Tarifbremse beschlossen. Über die Wintermonate dürfen die Gaspreise nicht mehr erhöht werden. Außerdem hilft der Staat einkommensschwachen Haushalten. Sie erhalten im Dezember Energieschecks über 100 Euro, um die gestiegenen Kosten abzufedern.

    Britische Energieversorger gehen pleite

    Besonders hart hat es Großbritannien getroffen. Seit Jahresbeginn ist der Gaspreis im Großhandel um 250 Prozent gestiegen. Und das bleibt nicht ohne Folgen – für Wirtschaft und Verbraucher. In den vergangenen Wochen sind gleiche mehrere Energieversorger pleitegegangen. Millionen Kunden sind betroffen und mussten unter Aufsicht der Regulierungsbehörde (OFGEM) für den Gas- und Elektrizitätsmarkt den Anbieter wechseln. Für viele Verbraucher bedeutet das deutlich höhere Kosten, weil sie in andere Tarife wechseln mussten.

    Und weil in Großbritannien 85 Prozent der Bevölkerung mit Erdgas heizen, machen sich jetzt viele Briten sorgen, im Winter in einer kalten Wohnung zu sitzen. Doch Wirtschaftsminister Kwarteng versucht zu beruhigen. Die höchste Priorität sei es, die Verbraucher zu schützen. Nach seiner Aussage müsse niemand in einer kalten Wohnung sitzen.

    Gründe für die Preisexplosion bei Strom und Gas

    Die Gründe sind vielschichtig. Allen voran ist die Nachfrage nach Energie gestiegen. Nach der Corona-Krise hat sich die Wirtschaft in vielen Ländern schneller erholt als gedacht und Unternehmen konnten wieder mehr produzieren. Gleichzeitig ist aber auch das Angebot an Energie gesunken. Zum Beispiel durch Dürren in Brasilien, wo viel Strom aus Wasserkraft produziert wird. In Großbritannien gab es - zusätzlich zum Brexit - zwischen Mai und September eine lange Windflaute. Sie hat dafür gesorgt, dass der Energiemix durcheinandergewirbelt wurde. In den Vorjahren konnte im Sommer ein großer Teil des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien bezogen werden. Aber auch der harte Winter in einigen Ländern hat die Reserven geschmälert. Die Gasspeicher in Deutschland und Europa waren vor dem Winter unterdurchschnittlich gefüllt.

    Und dann sind da noch die aktuellen Klimaschutzmaßnahmen. Auch sie sorgen für höhere Preise. Was man an der Tankstelle merkt, merkt man auch bei den Energiepreisen. Seit Anfang 2021 müssen Unternehmen, die Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel in den Markt bringen, einen CO2-Preis zahlen. Das sind 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid. Das macht die Energieerzeugung aus Kohle natürlich unattraktiver, kann aber auch Strom teurer machen, wenn es keine Alternativen gibt.

    EU fürchtet um Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen

    Deshalb fürchtet man in Brüssel auch um die Akzeptanz der geplanten Klimaschutzmaßnahmen. Die EU hat sich nämlich mit dem Green Deal ein ehrgeiziges Klimaschutzprogramm verordnet. Brüssel will bis 2030 den Ausstoß an Treibhausgasen um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Umstritten ist außerdem der Aufbau eines EU-Emissionshandelssystems für Verkehr und Gebäude: Dies würde Autofahren und Heizen ab 2026 nochmal zusätzlich verteuern.

    Um eine Lösung für die gestiegenen Energiepreise zu finden, haben sich auf die EU-Finanzminister beraten. Eine schnelle und wirksame Lösung ist unwahrscheinlich. Experten gehen davon aus, dass die Preise in Europa bis zum Winter hoch bleiben. Heißt für die Verbraucher: Warm anziehen bei der nächsten Strom- und Gasabrechnung.

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!