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Damit die Rente reicht: So sparen Sie richtig fürs Alter | BR24

© BR / Johannes Lenz

Was tun, wenn die Rente nicht reicht? Damit es gar nicht so weit kommt, haben wir Tipps und Tricks zur Altersvorsorge zusammengefasst - von Finanzexperte Saidi Sulilatu von Finanztip.

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Damit die Rente reicht: So sparen Sie richtig fürs Alter

Die gesetzliche Rente allein wird im Alter nicht zum Leben reichen. Wer für später vorsorgen will, braucht einen Plan. Worauf man bei Riester und Co. achten muss, welche Sparformen wirklich Sinn machen und wie man früh zu teure Verträge erkennt.

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Die Rente ist noch weit weg? Das Thema Altersvorsorge schieben viele lange vor sich her und zugegeben: irgendwie ein unangenehmes Thema. Es ist absehbar, dass wir mit der gesetzlichen Rentenversicherung alleine nicht gut über die Runden kommen. Folgende Tipps sollen helfen, zusätzlich Geld für das Alter zurückzulegen.

Grundregel Nummer eins bei der Altersvorsorge: Nur Dinge tun, die man wirklich versteht. Egal ob es sich dabei um eine komplizierte Fondsanlage dreht oder eine betriebliche Altersvorsorge: "Nur zugreifen, wenn ich wirklich verstanden habe, was ich da tue", so Saidi Sulilatu von Finanztip gegenüber dem BR.

Vor der Altersvorsorge: Kassensturz machen

Bevor man sich wirklich Gedanken über die unterschiedlichen Sparformen machen kann, sollte man bei den Finanzen reinen Tisch machen, rät der Finanzexperte.

"Viele Menschen haben gar keinen Überblick über ihre Finanzen. Über die Jahre haben manche hier mal einen Bausparer abgeschlossen und da mal eine Versicherung unterschrieben. Aber ohne die Kosten abzuwägen, kann viel Geld verloren gehen." Finanzexperte Saidi Sulilatu von Finanztip

Sein Tipp: Drei Jahre vergleichen und die durchschnittlichen Kosten der jeweiligen Sparformen durchgehen. Wenn dann klar ist, wie viel Geld man im Monat zurücklegen kann und was die bisher abgeschlossenen Verträge kosten, kann es losgehen.

Die betriebliche Altersvorsorge für die Rente hinterfragen

Die betriebliche Vorsorge wird laut Finanztip viel zu oft überschätzt. Grund: Man hat das Gefühl, jeden Monat vom Brutto gutes Geld zurückzulegen, doch die Versteuerung bei der Auszahlung der Rente darf man nicht vernachlässigen.

Zu einem Großteil handelt es sich bei der betrieblichen Altersvorsorge um Versicherungen und in vielen Fällen sind diese sehr teuer. Also gilt: Unbedingt genau nachrechnen, wenn der Arbeitgeber zum Beispiel nur zwanzig Prozent in die Versicherung einzahlt und man selbst als Arbeitnehmer aber achtzig Prozent. Dann sollte man sich die betriebliche Altersvorsorge gründlich überlegen und die Kosten hinterfragen.

Sicher fährt man aber zum Beispiel, wenn der Arbeitgeber denselben Betrag für die Rente einzahlt wie der Arbeitnehmer. Dann hat man ein gutes Geschäft gemacht, so die Finanztip-Einschätzung. "Dann kann der Vertrag noch so teuer sein, dieses Modell wird sich immer für mich lohnen", so der Finanzexperte Saidi Sulilatu.

Riester-Rente? Nicht um jeden Preis

Als weiteres Standbein der Altersvorsorge hört man oft von der sogenannten "Riester-Rente". Monatlich zahlt man dabei einen Betrag ein. Das ist vor allem deshalb interessant, weil staatliche Förderung winkt. Doch Riestern ist für viele Menschen auf den zweiten Blick nicht mehr attraktiv, weil man auf die Riester-Rente später Steuern bezahlen muss. Man muss also lange genug staatliche Förderung kassieren und das in einer bestimmten Höhe. Laut dem Finanzexperten Saidi Sulilatu lohnt sich die "Riester-Rente" nur in diesen drei Fällen:

  • Wenn man zwei oder mehr Kinder hat. Dann ist es sinnvoll, wenn zumindest ein Elternteil einen Riestervertrag abschließt, um von den Kinderzulagen zu profitieren.
  • Wenn man so viel verdient, dass sich der Riestervertrag aus steuerlichen Gründen lohnt: Die Einzahlungen lassen sich nämlich absetzen.
  • Wenn man so wenig verdient und nur den Mindestbeitrag von 60 Euro im Jahr einzahlen muss. Dann winken zusätzlich 175 Euro "Grundzulage".

Wer sich für einen Riestervertrag entschließt, darf im zweiten Schritt die Kosten des Vertrags nicht aus dem Blick verlieren. Zur Orientierung: Der Riestervertrag läuft in etwa über fünfzehn bis dreißig Jahre. Umgerechnet sollten die Kosten nicht über einem Prozent pro Jahr liegen, so der Finanzexperte. Das gilt für jeden Rentenversicherungsvertrag.

Das bringt die "Rürup-Rente"

Gerade Menschen, die nicht mehr lange bis zur Rente haben, bekommen von Vertretern oft die sogenannte Basis- oder auch "Rürup-Rente" empfohlen. Hier rät der Experte von Finanztip zur Vorsicht. Es gäbe das ähnliche Problem wie bei der "Riester-Rente": Viel zu viele Angebote, die viel zu teuer sind.

Oftmals werde nur mit dem vermeintlichen steuerlichen Vorteil geworben. Einen Großteil der Einzahlungen kann man von der Steuer absetzen. Doch die Kehrseite: Später, beim Renteneintritt, muss man die Auszahlungen voll versteuern.

Der Finanzexperte Saidi Sulilatu warnt: Rürup-Verträge sind die unflexibelste Altersvorsorge. Wenn sich etwas an der Lebenssituation ändert, ob in der Familie oder im Job, kommt man nicht mehr ohne Weiteres an sein Geld. Jeder Euro, den man in den Vertrag einzahle, sehe man bis zum Renteneintritt nicht mehr. Erst bei Renteneintritt gibt es dann eine feste Rente. Man kann aber nicht auf einmal alles von dem Angesparten abrufen.

Mit Geldanlagen die Inflation ausgleichen

Laut dem Finanzexperten Saidi Sulilatu sind die Zinssätze auf Sparbücher oder Lebensversicherungen schon seit deutlich mehr als zwanzig Jahren nicht mehr in der Lage, die steigenden Preise auszugleichen. Auch, als wir noch zwei oder drei Prozent garantierte Zinsen auf unser Erspartes bekommen haben. Denn: Damals war auch die Inflationsrate deutlich höher.

Laut Finanztip kann man erst ab fünf Prozent von einem Vermögensaufbau sprechen. Wie ist das zu schaffen, ohne in risikoreiche Aktien zu investieren?

"Wir sind Deutschland bekannt dafür, dass wir sehr aktienscheu sind. Wir müssen aber anerkennen, dass Aktien in der richtigen, breiten Streuung über einen langen Zeitraum ein wesentlicher Bestandteil jeder Vermögensanlage sind." Saidi Sulilatu, Finanzexperte von Finanztip

Für die Altersvorsorge sind Sparpläne mit Investitionen in sogenannte ETFs geeignet. Das sind börsengehandelte Indexfonds, also ein Topf, in dem sich viele Aktien befinden, die einem bestimmten Index an der Börse folgen. Auch sie unterliegen natürlich Wertschwankungen. Doch, weil sie breite Aktienmärkte abbilden, ist das Risiko gestreut. Unbedingt beachten: Weil trotzdem Risiken bestehen, nur Geld verwenden, das frei zur Verfügung steht und nicht kurzfristig gebraucht wird.

Doch es überwiegen zwei Vorteile laut Saidi Sulilatu von Finanztip: Das Risiko ist breit gestreut. Außerdem sind diese ETFs sehr kostengünstig, weil sie nicht von einer Bank vertrieben und betreut, sondern passiv gehandelt werden. Schon kleine, regelmäßig eingezahlte Beiträge könnten so realistische Renditen im einstelligen Bereich bringen. Wichtig dabei: Die ETFs sind zwar günstig, doch man sollte hier wie bei Versicherungen die Kosten im Blick haben: Mehr als ein Prozent Rendite im Jahr sollte der ETF nicht kosten.

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