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Crowdworking oder Plattform-Arbeit boomt. Aufträge werden übers Internet oder eine Handy-App vergeben. Auftragnehmer und Auftraggeber bleiben ungebunden. Aber wie sieht es mit der sozialen Absicherung aus?

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Crowdworker - das neue Heer der digitalen Billigarbeiter

Crowdworking boomt. Aufträge werden über das Internet oder eine Handy-App vergeben. Auftragnehmer und Auftraggeber bleiben ungebunden. Aber wie sieht es mit der sozialen Absicherung aus?

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Von
  • Achim Killer

Crowdworking kann vieles sein: Kleinstaufträge wie Pressemitteilungen für Firmen schreiben oder gut bezahlte IT-Projekte. Zigtausende leben davon, sie bekommen ihre Aufträge übers Internet. Eine relativ junge Organisationsform der Arbeit, die Flexibilität für Arbeitnehmer und Arbeitgeber verspricht.

Rechtliche Vorgaben für Crowdworking fehlen

Allerdings gab es für diese Form von Arbeitsverhältnissen bisher nur wenig rechtliche Absicherung. Ein höchstrichterlicher Spruch hat das Thema inzwischen auch auf die politische Agenda gesetzt. Denn das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer war bis Dezember vergangenen Jahres kaum geregelt.

Bundesarbeitsgericht klärt Arbeitnehmereigenschaft

Im Dezember hat das Bundesarbeitsgericht verhindert, dass ein Crowdworker, der bereits 2.978 Mini-Aufträge für eine Internet-Plattform erledigt hatte, von heute auf morgen gefeuert werden konnte. Er hätte wie ein regulärer Arbeitnehmer behandelt werden müssen, so das oberste deutsche Arbeitsgericht. Wer also dauerhaft davon lebt, so genannte Micro Tasks für wenige Euro zu erledigen, der gilt nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin.

Entscheidend sind Vorgaben des Auftraggebers

In dem hier entschiedenen Fall hat der Arbeitgeber dem Auftragnehmer und dann Arbeitnehmer eine Schritt-für-Schritt-Anweisung zu Verfügung gestellt, wie er seine Arbeit zu erledigen hat. Und diesen Umstand, erklärt Anwalt Rüdiger Helm, begreift der Jurist als Weisung: wenn ein Auftraggeber Schritt für Schritt sagt, wie jemand zu arbeiten hat. Deshalb hat das Gericht den klagenden Crowdworker als Arbeitnehmer eingestuft.

Urteil befeuert politische Diskussion

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat inzwischen erste Ideen vorgestellt, wie diese relativ neue Organisationsform der Arbeit geregelt werden kann. Er möchte zwischen verschiedenen Plattformtypen unterschieden: Handelt es sich um einen reinen Marktplatz, auf dem Solo-Selbstständige oder Freelancer ihre Arbeit einfach anbieten können? Oder nimmt der Plattform-Betreiber Einfluss auf Vertragsgestaltung, auf Kundenbeziehungen und Ähnliches? Danach wird entschieden, ob es sich tatsächlich um Selbstständige oder um abhängig Beschäftigte handelt. Und daran hängt dann der Sozialschutz und auch die Frage von Rechten.

Selbstständig oder abhängig beschäftigt

Wenn die Plattform die Arbeit im Detail regelt, dann hätten es demnach Crowdworker leichter, festangestellt zu werden und müssten nicht erst vor das Bundesarbeitsgericht ziehen. Selbstständige wiederum sollen ein Mindestmaß an Kündigungs- und Versicherungsschutz bekommen und die Möglichkeit, Kollektivvereinbarungen abzuschließen, quasi Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen für den Cyberspace. Das Problem ist erkannt. Aber die Lösung muss wohl bis nach der Bundestagswahl warten.

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