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Crowdfunding in Coronazeiten | BR24

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Kredit aus dem Netz statt von der Bank: Wer sich im Internet darstellt, kann von den Nutzern Geld einsammeln, wenn sein Projekt überzeugt

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    Crowdfunding in Coronazeiten

    Coronakrise, Bank zu, Geld alle - was tun? Schon seit einigen Jahren hat sich für Selbständige Crowdfunding als mögliche Alternative zum Bank-oder Förderkredit etabliert. Wird diese Schwarmfinanzierung in der Pandemie zum Rettungsanker?

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    Giancarlo Russo lebt seit 20 Jahren in Deutschland und Kinder sind nicht nur als Vater einer Tochter sein Thema. Denn der Münchner hat 15 Jahre lang für verschiedene deutsche Verlagshäuser Kinderbücher in die ganze Welt verkauft.

    Für ihn sind und bleiben Bücher das beliebteste Medium, um Kindern die Welt zu zeigen. Ganz besonders in Corona-Zeiten können sie helfen, das Eingesperrtsein zu meistern und didaktische Impulse zu geben, findet er.

    Crowdfunding als Existenzsicherung

    Deshalb hat Giancarlo Russo seinen Sophie-Verlag gegründet. Er will Bücher machen, die Sinne und Verstand von heranwachsenden Kindern zugleich ansprechen. Zum Beispiel in seiner Buchreihe "Verborgene Welten", in denen etwa eine Schulklasse in ein Dinosaurier-Museum eintaucht und die Leser mitnimmt in die Welt der gigan­tischen Tiere.

    Damit die Buchreihe mit neuen, spannenden Themen fortgesetzt werden kann, braucht es gute Autoren, brillante Illustratoren und kreative Grafiker. Und die brauchen Geld, das Giancarlo Russo jetzt gerade im Endspurt auf einer der größten Crowdfunding-Plattformen einwirbt.

    Alternative zu Einnahmen aus Messen und Live-Erlebnissen

    Wenn wegen Corona Messen ausfallen, Live-Erlebnisse nicht möglich sind und ganze Marketingkonzepte ausgehebelt werden, dann ist Crowdfunding für Unternehmer wie Giancarlo Russo eine gute Alternative, meint Britta Buck vom Kompetenzteam Kultur-und Kreativwirtschaft der Stadt München.

    Der Zwang, aus Kapitalmangel und unter Zeitdruck ein Projekt überzeugend zu vermitteln, sei Lernphase, Hilfe zur Selbsthilfe und Experimentierraum zugleich, sagt sie.

    Weniger Gründungsvorhaben, mehr Crowdfunding in Corona-Zeiten

    Tatsächlich ist das Interesse an Crowdfunding während er Coronakrise stark gestiegen, wie neueste Daten des Crowdfunding-Barometers belegen. Demnach zeigt sich im Corona-Jahr 2020 ein deutlicher Anstieg bei den Werten Bekanntheit, Verständnis und Beteiligung.

    Rainer Bradl, Finanzierungs- und Gründungsberater bei der IHK für München und Oberbayern, beschreibt ein zwiespältiges Bild: Wegen der unsicheren Wirtschaftslage seien Gründungsvorhaben um 20 bis 30 Prozent zurück gegangen. Gleichzeitig sind laut Bradl in der Pandemie digitale Kanäle noch einmal wichtiger für alle Geschäftsabläufe geworden.

    Not macht erfinderisch

    Als neue Form hat sich in der aktuellen Krise das "Vorverkaufs"-Crowdfunding etabliert. So haben beispielsweise Gastronomen, Einzelhändler oder Kulturprojekt-Veranstalter, die Möglichkeit genutzt, Umsatzausfälle etwa durch den Verkauf von Gutscheinen an die "Crowd" abzufedern.

    "Alles strömt jetzt ins Netz. Unvorbereitet und ohne überzeugendes Netzwerk wird auch Crowdfunding in der Krise kein Selbstläufer." Britta Buck, Beraterin für Crowdfunding, Stadt München

    Hilfen und Förderangebote

    Crowdfunding-Plattformen wie startnext helfen mit, indem sie auf Transaktionsgebühren verzichten. Auch die öffentliche Hand hilft in der Coronakrise Crowdfunding-Interessierten mit verschiedenen Fördermöglichkeiten.

    Die Landeshauptstadt München hat ihrerseits die Förderung von Crowdfunding-Kampagnen im Zuge der Corona-Krise erhöht und gewährt jetzt einen Zuschuss bis zu 3.000 Euro bis voraussichtlich Ende Juli 2020. Bedingung dabei: Mit den Kreativleistungen der Kampagne müssen Münchner Unternehmen beauftragt werden.

    Über den "Weg zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne" informiert voraussichtlich Mitte Juli eine Veranstaltung der Stadt in München. Infos dazu gibt es ab kommender Woche.

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