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Coronavirus "infiziert" auch die chinesische Wirtschaft | BR24

© BR/Alfred Schmit

Deutsche Firmen stoppen Dienstreisen nach China, andere fürchten Lieferengpässe. Mit langfristigen Folgen durch das Coronavirus müssen vor allem exportstarke Länder wie Deutschland rechnen.

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Coronavirus "infiziert" auch die chinesische Wirtschaft

Deutsche Firmen stoppen Dienstreisen nach China - andere fürchten Lieferengpässe. Mit langfristigen Folgen durch das Coronavirus müssen vor allem exportstarke Länder wie Deutschland rechnen.

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Als die Krise um die Lungenkrankheit SARS vor 17 Jahren China und besonders Hongkong heimsuchte, waren die wirtschaftlichen Auswirkungen erheblich: weniger Handel, weniger Reisen, Verluste an den Aktienmärkten.

Damals allerdings betrug der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft in etwa fünf Prozent. Heute sind es 16,5 Prozent. Wenn China also anfängt zu husten, hat diese Erkrankung stärkere Folgen.

Bisherige Erholungseffekte "können wir vergessen"

Die Negativ-Effekte durch den Ausbruch des Coronavirus werden Chinas Wachstum im ersten und zweiten Quartal 2020 beeinträchtigen, meint der Hongkonger Wirtschaftswissenschaftler Nick Marro von der Denkfabrik Economist Intelligence Unit. "Das ist problematisch, weil sich die chinesische Wirtschaft gerade erst stabilisiert hat", erklärt er. Es habe Erholungseffekte im Handel und im herstellenden Gewerbe gegeben, besonders im November und Dezember.

Als weiteren Aspekt fügt er hinzu: "Außerdem hatten wir gerade erst relativ gute Nachrichten durch die erste Phase der Einigung mit den USA im Handelsstreit. Das heißt, ursprünglich waren unsere Vorhersagen für die erste Jahreshälfte positiv: mit einem langsameren Wachstum im 3. und 4. Quartal. Aber jetzt können wir diese Annahmen praktisch wieder vergessen."

Deutsche Firmenstandorte in Wuhan

Viele Fragen sind offen: zum Beispiel, ob die Zwangsferien in manchen Betrieben erneut verlängert werden und wann die Quarantäne zahlreicher Städte endet.

Wuhan, das Epizentrum der Erkrankung, ist ein Knotenpunkt für Logistik-Firmen. Sie müssen vorerst andere Lieferwege finden. Deutsche Unternehmen wie Bosch oder Webasto haben Standorte in Wuhan. Die Sorge um die Lieferketten ist bereits groß.

Dämpfer für exportstarke Länder wie Deutschland

Die SARS-Krise kostete China damals mehr als ein Prozent Wachstum des Jahres 2003. Das Coronavirus könnte China zwischen einem halben und anderthalb Prozent Wachstum kosten, schätzt der Ökonom Nick Marro. Anderthalb Prozent weniger, das wäre auch weltweit ein klarer Dämpfer, führt Marro aus:

"Eigentlich dachten wir, dass sich die Weltwirtschaft in diesem Jahr stabilisieren würde, nach einem ziemlich turbulenten Jahr 2019. Aber falls China tatsächlich so deutlich verlieren würde, müssten wir unsere globale Wachstumsprognose auf unter zwei Prozent senken. Und zwar nicht nur wegen der Entwicklung innerhalb Chinas, sondern wegen der Effekte auf den Welthandel. Denn eigentlich sollte dieser sich im Lauf des Jahres erholen." Nick Marro, Ökonom

Die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China hätte zu Diversifizierungen im Export geführt und mehr Nachfrage aus China erzeugt. "All das könnte nun dahin sein, je nachdem wie dieses Virus sich entwickelt“, so Marro. Das hätte Negativeffekte, besonders auf exportstarke Länder wie Deutschland.

Zentrale Frage: Wann ist das Virus unter Kontrolle?

Die kommenden Tage werden darüber entscheiden, wie stark die Effekte langfristig sind. Das sagt auch der Pekinger Wirtschaftsanalyst Henry He vom Forschungsinstitut des Versicherers Anbang. Sein Team rechnet mit 0,5 bis zu einem Prozent weniger Wachstum im laufenden Jahr.

"Ob wir diese Epidemie kurzfristig unter Kontrolle bekommen, davon hängt im Moment alles ab. Falls das nicht gelingt und sie sich über das ganze Land verbreitet, werden die Effekte entsprechend schlimmer. Bei SARS waren es sechs Monate damals. Eine solch lange Dauer hätte eine enorm dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft." Henry He, Wirtschaftsanalyst

Die möglichen Negativeffekte berechnen sich auch daraus, wie stark die Weltwirtschaft heute verflochten ist. Lieferketten gehen längst durch mehrere Länder. Unterbrechungen können zu Produktionsstopps am anderen Ende der Welt führen. Schon jetzt steht fest, dass Chinas Volkswirtschaft aus dieser Krise nicht ungeschoren heraus kommt.

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