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Coronavirus: Fränkische Wirtschaft in Alarmbereitschaft | BR24

© dpa/picture alliance

Gerade die Automobilindustrie könnte bald von Lieferengpässen betroffen sein.

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Coronavirus: Fränkische Wirtschaft in Alarmbereitschaft

Die fränkische Wirtschaft bekommt allmählich die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. Für die nächsten Wochen rechnen Verantwortliche verschiedener Branchen mit Lieferengpässen aus China. Auch Medikamente könnten knapp werden.

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Viele fränkische Unternehmen sind auf Lieferungen aus China angewiesen, sagte Armin Siegert, IHK-Außenhandelsexperte Mittelfranken, dem Bayerischen Rundfunk. Die hiesige Wirtschaft pflege intensive Beziehungen zu dem Land, das in den letzten Wochen vom Coronavirus hart getroffen wurde. Dort läuft an vielen Stellen die Produktion nur eingeschränkt. Teilweise ruht sie sogar komplett. Das könnte sich in den nächsten Wochen auch bei mittelfränkischen Firmen bemerkbar machen. In Mittelfranken allein sind laut Armin Siegert 560 Firmen eng mit China verbunden. 161 davon haben dort eigene Niederlassungen oder Produktionsstätten. Diese habe das Virus besonders hart getroffen, da sie den Betrieb vorübergehend einstellen mussten.

Produktionseinbrüche in China

Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef beim Münchener Ifo-Institut, sagte dem BR: "Es zeichnet sich ab, dass die Produktion in China wesentlich stärker betroffen ist als 2002/2003 bei der SARS-Pandemie." Grund dafür seien die Maßnahmen, die die chinesische Regierung getroffen hat. Dazu zählt die Evakuierung von mehr als 50 Millionen Menschen, 3,5 Prozent der chinesischen Bevölkerung. "Diese Menschen gehen eben nicht mehr arbeiten, gehen nicht mehr auf die Straße. Das dürfte schon zu gravierenden Produktionseinbrüchen führen, was wiederum Rückwirkungen auf Deutschland haben wird."

Lieferengpässe aus China könnten deutsche Wirtschaft gefährden

Denn gerade Zulieferungseinbrüche aus China, die hierzulande für einen Produktionsstillstand sorgen könnten, hält Wollmershäuser für besonders gefährlich für die deutsche Wirtschaft. Sollten Produktionen in China aufgrund des Coronavirus noch länger still stehen, sei die Gefahr groß, dass Unternehmen in Deutschland bereits in den kommenden Wochen Produktionsschwierigkeiten bekommen könnten.

Speck Pumpen bangt um Aufträge

Das bekommt auch die Firma Speck Pumpen aus dem mittelfränkischen Roth zu spüren. Bei dem Maschinenbauer, der auf Pumpen für Industrieanlagen spezialisiert ist, sind die Lager derzeit zwar noch gut gefüllt, doch in den nächsten Wochen drohen laut Thomas Krüger Lieferengpässe. Krüger, Mitglied der Geschäftsleitung des Rother Unternehmens, sagte dem BR, dass sich die Situation in den nächsten Wochen zuspitzen könnte. Sollten sich Lieferungen aus China verzögern oder gar wegfallen, die der Pumpenhersteller für die Produktion benötigt, könnte Speck Pumpen in naher Zukunft Aufträge verlieren.

Adidas spürt Negativauswirkungen

Auch Adidas bekommt laut einer Sprecherin negative Auswirkungen durch das Coronavirus auf das Geschäft in China zu spüren. So hätten die Verantwortlichen vor Ort "eine beträchtliche Anzahl" der eigenen Geschäfte schließen müssen. Ähnliche Entwicklungen seien auch bei Franchise-Nehmern von Adidas in China zu beobachten. Allerdings sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, um das Ausmaß der Auswirkungen zu beurteilen. Darüber hinaus habe Adidas die Hygienemaßnahmen verstärkt. Für Reisen nach China benötigten Mitarbeiter aktuell eine Ausnahmegenehmigung, so die Sprecherin. Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller betreibt in China insgesamt rund 12.000 Stores. Gut 95 Prozent davon werden als Franchise betrieben.

Klinikum Nürnberg rechnet mit Engpässen bei Medikamenten

Und auch im Gesundheitswesen wappnen sich die Verantwortlichen bereits für Lieferengpässe. Dr. Annette Sattler, Leiterin der Apotheke im Klinikum Nürnberg, sagte dem BR, dass derzeit zwar noch kein Mangel an Arzneien bestehe. Für die nächsten Wochen und Monate rechnet sie jedoch mit Verzögerungen und Engpässen. Deshalb achte das Klinikum derzeit mit besonderer Vorsicht auf die Medikamentenbestände. Derzeit kümmere sie sich darum, Vorräte ausreichend aufzustocken, um darauf vorbereitet zu sein, sollte nichts mehr aus China nachkommen. Aktuell seien noch genügend Medikamente in Europa im Umlauf.

Coronavirus das geringste Problem deutscher Autobauer

Bezogen auf die deutschen Autobauer, merkt Timo Wollmershäuser vom ifo-Institut noch an: Das Coronavirus sei allerdings das geringste Problem für die Branche. Der derzeitige Strukturwandel, der auch noch einige Zeit andauern wird, sei wesentlich gravierender. Hier sei noch offen, ob die deutschen Automobilhersteller diesen Wandel erfolgreich meistern werden, hin zu alternativen Antriebsformen: "Das steht noch in den Sternen".

© BR

Allein in Mittelfranken gibt es über 500 Unternehmen, die Handelsbeziehungen zu China unterhalten. Auch sie haben Probleme wegen des Coronavirus. Die eingeschränkte Produktion in China macht sich nun auch in Franken bemerkbar.