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Coronakrise löst Wassersport-Boom in Deutschland aus | BR24

© dpa/picture alliance/Martin Ley

Corona-Pandemie löst Wassersportboom in Deutschland aus

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    Coronakrise löst Wassersport-Boom in Deutschland aus

    "Ausverkauft", "Lieferfrist: mehrere Wochen", "Bestes Geschäftsjahr": Wer derzeit in Deutschland Wassersportgeräte, Zubehör oder Boote kaufen möchte, muss sich häufig gedulden. Die Branche steuert auf ein unerwartet gutes Jahr zu.

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    Am Wochenende beginnt am Bodensee die Messe Interboot. Auch für bayerische Wassersportinteressierte eine gut erreichbare Veranstaltung - vielleicht auch gerade dann, wenn sie noch auf der Suche nach Ausrüstung sind. Denn Geschäfte, Werften und Online-Shops sind für zahlreiche Artikel und Boote derzeit schier ausverkauft.

    Wassersportbranche kommt Nachfrage kaum hinterher

    Für die Branche hat sich das zu Beginn schwierige Coronajahr damit zu einer unerwartet guten Saison entwickelt. "Alles was schwimmt, wurde gekauft", heißt es beispielsweise beim Deutschen Boots- und Schiffbauerverband.

    Die bayerische Boots- und Schiffbauerinnung betont dabei, dass die Eigner auch vor allem bestehende Boote in diesem Jahr deutlich intensiver genutzt hätten. Es seien "Segler ohne Ende auf den Seen unterwegs gewesen", so Obermeister Wolfgang Meiler aus Oberbayern. Dadurch sei zum einen der Reparaturbedarf gestiegen. Zum anderen hätten die Eigentümer durch die intensivere Nutzung wieder mehr Gefallen an ihren Booten gefunden und deswegen mehr investiert.

    Der verzögerte Saisonstart habe der Branche, so Meiler, sogar gut getan, da die meist dicht gedrängten Frühjahrsarbeiten über einen etwas längeren Zeitraum gestreckt werden konnten. Auch der Nachwuchs sei nach wie vor an der Branche interessiert. Bayernweit gebe es erneut zwölf neue Auszubildende im Bereich Bootsbau.

    Fränkischer Hersteller F2 verdoppelt Absatz

    In einer Mitteilung des Bundesverbandes der Schiffbauer wird beispielsweise das fränkische Unternehmen Water Colors zitiert, das unter anderem Surf- und SUP-Bretter der Marke F2 herstellt und vertreibt.

    Die Firma stand demnach im April, nach eigenen Angaben, vor der Insolvenz. Mittlerweile habe sich der Absatz von Brettern im Vergleich zum Vorjahr aber, durch den Boom des Stehbrett-Paddelns, verdoppelt – auf 120.000 Boards. Dafür mussten unter anderem aus China 16 Extra-Container per Luftfracht eingeflogen werden.

    Kunden würden teils weite Anfahrten nach Hof in Kauf nehmen, um überhaupt noch Ausrüstung zu erhalten. Es zeichne sich das bislang beste Geschäftsjahr der Firma ab heißt es.

    70 Prozent Auftragsplus auch bei Bavaria in Giebelstadt

    Ähnlich erging es der fränkischen Werft Bavaria Yachtbau, dem größten Yachthersteller in Deutschland. Nach zwei Monaten mit "null Auftragseingang" im Frühjahr habe der Auftragseingang von Juni bis August 70 Prozent über dem Vorjahr gelegen, so das Unternehmen.

    Viele Käufer würden dabei erstmals ein Boot erwerben - eine Entwicklung, über die man bei Bavaria sehr erstaunt gewesen sei.

    Preis spielte für Wassersportgeräte kaum noch eine Rolle

    Durch die hohe Nachfrage nach allen möglichen Wasserportgeräten - und begrenzter Liefermengen - habe schnell auch der Preis für verschiedene Artikel keine große Rolle mehr gespielt, sagt der Geschäftsführer des Bootsausrüsters A. W. Niemeyer, Christoph Steinkuhl.

    "Die Frage war nicht, was kostet das Stand-Up-Board, sondern: Wann kann ich es haben?" Christoph Steinkuhl, A. W. Niemeyer

    Wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen habe der Corona-Trend zum Urlaub in Deutschland. Sein Unternehmen habe in den vergangenen Monaten den Umsatz um eine "hohe zweistellige Prozentzahl" gegenüber dem Vorjahr gesteigert.

    Zahl der Prüflinge für das Bodenseeschifferpatent um ein Drittel gestiegen

    Auch beim Landratsamt Friedrichshafen, der Heimat der Messe Interboot, war der Trend zu spüren. Nachdem die Saison in diesem Jahr zwar verzögert begonnen habe, heißt es, habe es im Anschluss einen regelrechten Run gegeben, als Häfen und Segelschulen wieder öffnen durften.

    Die Zahl der Prüflinge für das Bodensee-Schifferpatent - Voraussetzung um auf dem See ein Boot fahren zu dürfen - stieg nach Angaben des Landratsamts bis Anfang September um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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