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Coronakrise: Banken verweigern Hilfskredite | BR24

© Felix Lincke/BR

Staatliche Förderbank KfW: Bei der Präsentation der Jahresbilanz 2019 standen heute die Corona-Hilfen im Mittelpunkt

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Coronakrise: Banken verweigern Hilfskredite

Die staatliche Förderbank KfW rechnet mit Anträgen auf staatliche Hilfskredite über mindestens 50 Milliarden Euro. Das Geld soll Firmen helfen, die Coronakrise zu überstehen. Doch viele Unternehmen sehen in der Praxis Probleme.

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Die Coronakrise trifft gerade kleine Unternehmen mit wenig Finanzpolster mit voller Wucht. Sie brauchen am schnellsten Hilfe. Nicole Heilmaier vom Pointnerhof in Bad Endorf hat eine Reitschule mit acht Pferden - ein Familienbetrieb. Sie musste schließen, hat keine Einnahmen mehr, doch die Kosten laufen weiter. Um diese bezahlen zu können hat sie einen Corona-Hilfskredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von 25.000 Euro beantragt. Der Antrag und eine Kreditvergabe wird aber nicht direkt über die KfW abgewickelt, sondern über die Hausbank. Und die mauert.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Wer haftet für was bei den Hilfen?

Coronakredite der KfW werden vom Bund bis zu 90 Prozent abgesichert. Der Staat übernimmt also das Hauptrisiko eines Kreditausfalles. 10 Prozent Restrisiko tragen die Hausbanken. Das Gleiche gilt für Coronakredite der LfA Förderbank Bayern. Die Politik fordert eine rasche Kreditvergabe, doch die Geldinstitute zieren sich, zögern eine Kreditvergabe hinaus, verlangen unzählige Unterlagen von den Unternehmen, die gerade in der Krise kaum zu erstellen sind. Sie verlangen private Absicherung über Immobilien, bieten eigene Kredite an oder verweigern Corona-Kredite komplett. Nicole Heilmaier ist da kein Einzelfall.

Ärger bei Kreditanfragen auf breiter Front

Den Bayerischen Rundfunk haben zahlreiche Beschwerden von Unternehmen erreicht, denen die Hausbanken keine Corona-Kredite gewähren wollen. Die meisten wollen anonym bleiben, schließlich müssen sie mit ihrer Hausbank noch weiterhin auskommen. Ein Unternehmer überließ uns aber vertrauensvoll den Schriftverkehr, dort heißt es von dem Geldinstitut:

"Eine Finanzierung der ….. GmbH ist derzeit über unser Haus nicht darstellbar. … Alternativ wäre die Gewährung einer weiteren Finanzierung des Liquiditätsengpasses mit Ihnen als Privatpersonen als Darlehensnehmer denkbar. Als Voraussetzung hierfür ist die Besicherung in Form von werthaltigen Grundschulden oder entsprechendem Guthaben als zu hinterlegende Sicherheit zu nennen." Schriftverkehr mit einer Hausbank

Eine Selbständige, seit einem Jahr auf dem Markt, übermittelt uns die Ablehnung Ihrer Hausbank: "...mit Ihrem Schufascore probieren wir das gar nicht" und "...die Firma ist ja erst ein Jahr". Sogar Unternehmen, die bislang alles mit Eigenmitteln finanziert hatten, bekommen eine Ablehnung. Die Liste mit Beispielen lässt sich noch lange fortführen.

Wie verteidigen sich die Geldinstitute?

Der Bayerische Rundfunk hat die Verbände angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten, warum sie Förderkredite verweigern.

Die Sparkassen sind Marktführer bei der Vergabe von Geschäftskrediten an Kleinunternehmer. Ihr Verband schrieb:

"Die Sparkassen verweigern ganz sicher niemandem einen Förderkredit. Es müssen aber die Voraussetzungen beim Kunden gegeben sein. Die meisten staatlichen Programme sind Kreditprogramme, damit ist auch eine Kredit- und Risikoprüfung zwingend erforderlich und rechtlich vorgegeben." Sparkassenverband Bayern

Der bayerische Bankenverband schreibt:

"Nach den derzeitigen Bankenregularien dürfen die Banken nur Kredite bewilligen, die sie auf ihr eigenes Buch nehmen, die der Regulatorik entsprechen. Zu diesen Regularien gehört, dass ein Unternehmen in der Lage sein muss, den Kredit in dem vereinbarten Zeitraum zurückzuzahlen und eine entsprechende Sicherheit zu stellen. Bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen ist das aber gerade das Problem in der aktuellen Situation. Würde der Staat die 100% Haftung bis zu einer bestimmten Kreditsumme (z.B. 500.000 € ) übernehmen, könnten sich die Banken auf eine Plausibilitätsprüfung beschränken, die Mitnahmeeffekte ausschließt." Bayerischer Bankenverband

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. antwortet:

"……mindestens 10 Prozent des Risikos muss also die Bank bei einem Ausfall tragen. In der Corona-Krise funktioniert das aber nicht mehr. Jeder Kredit, bei dem ein Ausfalls droht, bindet aufsichtsrechtlich massiv das Eigenkapital einer Bank, das dieser für andere Kredite dann nicht mehr zur Verfügung steht." Genossenschaftsverband Bayern

Tauziehen zwischen Politik und Banken

Die Hilfen müssen schnell kommen. So fordern Politiker die Geldinstitute auf, auch mal die Augen zuzudrücken. Die Banken aber verschanzen sich hinter ihren Vergaberegeln. So gibt es ein Tauziehen zwischen Politik und Banken.

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. hat am 01.04.2020 eine Pressemeldung veröffentlicht, in der es heißt: "Die Politik mache es sich dieser Tage etwas zu leicht und zeige mit dem Finger in Richtung der Banken. Jahrelang hat der Gesetzgeber die Banken in ein Korsett gezwängt und erwartet nun, dass die Kreditinstitute es ihrerseits abstreifen."

Ausgetragen wird das Tauziehen auf dem Rücken der Unternehmer, denen das Geld zum Überleben fehlt.

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