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Corona: Wie die Pandemie die Gesellschaft nachhaltig verändert | BR24

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Die Corona-Krise hat unser Zusammenlebens verändert, zum Beispiel in den Bereichen Arbeit, Pflege und Ernährung. Würden wir wollen, dass diese Veränderungen von Dauer sind? Einige Denkanstöße.

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Corona: Wie die Pandemie die Gesellschaft nachhaltig verändert

Die Corona-Krise hat unser Zusammenleben verändert. Die Digitalisierung boomt in vielen Bereichen. Aber was macht dieser technische Fortschritt mit uns Menschen? Und: Was wird nach der Pandemie bleiben? Einige Denkanstöße.

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Die Corona-Pandemie hat unsere Berufswelt im Eiltempo digitalisiert - angefangen bei der Industrie bis ins Home-Office. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil fordert sogar ein Recht auf Home-Office.

"Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Home-Office arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist." Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD

Aber: sind wir dafür technisch fit genug? Brauchen wir nicht eine digitale Bildungsoffensive, damit jeder mithalten kann? Und was ist mit der Grenze zwischen Berufs- und Privatleben? Gibt es die bald nicht mehr?

Wie verändert das Home-Office unser Familienleben?

Ob uns das Home-Office mehr Flexibilität und damit eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bringt, hat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung untersucht. Es kommt zu dem Ergebnis: Mütter haben zu Corona-Zeiten deutlich häufiger vom Home-Office aus gearbeitet als Väter. Gleichzeitig kümmerten sie sich mehr um Haushalt und Kinder.

Das Home-Office könnte also teilweise zu einem Rückschritt in traditionelle Rollenbilder führen und die Gleichberechtigung von Frau und Mann gefährden.

Telemedizin boomt: Menschliche Nähe trotz Digitalisierung

Auch im Bereich Pflege und Medizin hat sich durch Corona viel verändert. Stichwort: Telemedizin. Die Angst vor einer Ansteckung hat dazu geführt, dass Fernbehandlungen unbürokratischer möglich sind und boomen. So können Ärzte mittlerweile Patienten mit Atemwegserkrankungen nach einem Telefonat oder Videochat für bis zu 14 Tage krankschreiben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert: "Digitale Angebote sollen schnell im Patienten-Alltag ankommen".

Nur kann es sich nicht jeder leisten, sein Zuhause technisch aufzurüsten. Und die Telemedizin stellt Arztpraxen vor große Herausforderungen. Denn sie müssen menschliche Nähe aufrechterhalten, trotz einer digitalisierten Medizin.

Online-Sprechstunde, Rezepte und Krankschreibung via App bietet auch die Münchner Firma Teleclinic an. Die Zahl ihrer Patienten hat sich innerhalb eines Monats auf 8.000 verdoppelt. Die Video-Sprechstunden haben zwischen Ende Januar und Ende Mai um 210 Prozent zugenommen, teilt das Unternehmen auf BR-Anfrage mit. Telemedizin wird wohl auch nach der Corona-Pandemie ein immer stärkerer Teil unseres Alltags werden.

Regionalität versus Globalisierung

Corona hat unser Leben auch 'regionaler' gemacht. Werden wir das beibehalten? Wie abhängig wir von globalen Handelsströmen sind, haben wir in der Krise gespürt. Macht uns Regionalität wirklich weniger angreifbar? Positiv ist sie bei Schutzkleidung und bei Lebensmitteln. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern sagt, wir sollten hier "stark auf Selbstversorgung setzen. Importe sind fragwürdig".

Laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft hat der Absatz von Bio-Milch beispielsweise von März bis Mai in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zugenommen. Das ist bereits ein Anzeichen dafür, dass der Trend zu regionaler und umweltbewusster Ernährung auch nach den ersten Wochen der Pandemie anhält.

Wie wollen wir zukünftig leben?

Wir müssen uns in Zukunft also deutlich intensiver mit Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit auseinandersetzen. Eine digitalisierte Arbeitswelt senkt den Flug- und Autoverkehr deutlich und schützt so das Klima. Allerdings müssen wir uns die Frage stellen, ob wirklich jede Branche digital werden kann und wie unsere Zukunft fair für alle wird. Die Corona-Pandemie stellt uns gesellschaftlich vor viele Herausforderungen. Vor allem vor die Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben?

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