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Corona-Virus: So kämpfen Unternehmen gegen die Folgen | BR24

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Apotheker Helmut Strohmeier in der Theater-Apotheke in Würzburg.

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Corona-Virus: So kämpfen Unternehmen gegen die Folgen

Das Corona-Virus hat auch die Wirtschaft fest im Griff. Das zeigt die Entscheidung, die Internationale Handwerksmesse in München abzusagen. Die Aussteller sind aber nicht die einzigen, die die Furcht vor einer schweren Epidemie zu spüren bekommen.

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Alarm in der Apotheke: Helmut Strohmeier von der Theaterapotheke in Würzburg kann seine Kunden nicht mehr mit den vom Arzt verordneten Medikamenten versorgen. Mindestens eine Stunde am Tag verbringt er damit, online bei Großhändlern nach verfügbaren Arzneien zu suchen - häufig ohne Erfolg. Ursache seien die Lieferengpässe in China, meint er.

"Das Problem ist, dass die Ausgangsstoffe in China hergestellt werden. Und letztendlich alle Firmen, die in Europa ansässig sind, die Ausgangsstoffe dort beziehen und dann unter ihrem Label weiterverarbeiten. Das heißt, wenn der Grundstoff nicht da ist, dann können die anderen auch nicht liefern." Helmut Strohmeier, Theater-Apotheke, Würzburg

Desinfektionsmittel nicht mehr lieferbar

In der Theaterapotheke sind zudem bereits seit Wochen Desinfektionsmittel nicht mehr lieferbar. Gerne würde Helmut Strohmeier nach Rezepturen der Weltgesundheitsorganisation für seine Kunden selber mischen. Doch auch die Grundsubstanzen dafür sind nicht mehr zu haben. Nur Kleinmengen für den Eigengebrauch hat er noch. Er fordert von der Politik Entscheidungen, dass entsprechende Vorräte an Grundsubstanzen geschaffen werden.

Sind auch Lebensmittellieferungen gefährdet?

Der Großmarkt in München ist der größte Umschlagplatz für Gemüse und Obst in Bayern. Rund fünf Millionen Menschen werden von hier aus versorgt. Weit mehr als hundert Lkw aus allen Teilen Europas liefern täglich ihre frische Ware, auch aus Norditalien. Günther Warchola hält zwar strikt die Hygieneordnung ein. Doch er macht sich Sorgen, dass ein Fahrer das Virus einschleppen könnte.

"Wenn der Großmarkt unter Quarantäne gestellt werden würde, dann wäre das schlichtweg eine Katastrophe für die Händler hier, aber auch für die gesamte Bevölkerung in ganz Bayern und Österreich. Wir könnten nichts mehr liefern und für 14 Tage wäre keine Frischware mehr am Markt, also keine Salate, kein Gemüse mehr. Dann gibt es wirklich nur noch Konserven, wenn es die dann noch gibt." Günther Warchola, Präsident, Bayerischer Fruchthandelsverband

Noch ist das allerdings nur eine Befürchtung.

Speditionen rüsten sich gegen Corona-Virus

Auch beim Unternehmen Kukla-Logistik in München herrscht Sorge. Die internationale Spedition für Lebensmittel mit Repräsentanzen auf der ganzen Welt bewegt 60.000 LKW-Ladungen im Jahr. Gerade erst hat die Firma 120 Extra-Ladungen abgewickelt für einen Discounter, um die leeren Regale nach den Hamsterkäufen wieder zu füllen. Die Firmenleitung hat gerade erst einen Notfallplan erarbeitet und zum Beispiel für alle Schlüsselmitarbeiter Notebooks und Handys bestellt, um im Ernstfall die Firma mit Homeoffice am Laufen zu halten, sonst wären sie die Kunden sofort los.

"Wenn wir jetzt zwei Wochen nicht arbeiten können, auf Grund der Tatsache, dass sich ein Mitarbeiter infizieren würde, würde es eine Firma, die es seit fast 80 Jahren gibt, in zwei Wochen wahrscheinlich nicht mehr geben. Weil wir in der Logistik Tag und Nacht verfügbar sein müssen." Knut Sander, Geschäftsführer, Robert Kukla GmbH

Auch Messebau von Corona-Virus betroffen

Sorgen hat auch die Messebau-Firma Max Rappenglitz im oberbayerischen Maisach. Auf dem Hof steht ein kompletter Messestand. Fertig verpackt für den Transport nach Südfrankreich. Aber kurz vor der Abfahrt ist die Immobilienmesse auf den Sommer verschoben worden.

"Der Auftragswert ist ungefähr eine Viertel Million Euro und die fehlt uns natürlich erst mal. Das Material liegt jetzt erst mal im Lager, ohne irgendeinen Ertrag zu bringen, den wir natürlich dringend brauchen." Michael Lex Geschäftsführer, Max Rappenglitz GmbH

Viele Messebauer kämpfen derzeit ums Überleben. Schätzungen zufolge ist der Branche in den vergangenen zwei Wochen bereits ein Schaden von fast einer halben Milliarde Euro entstanden. Wer auf den Kosten sitzen bleibt, ist derzeit noch völlig offen.

Zwei Millionen Euro hat die Maisacher Firma durch Corona schon verloren. 20 Prozent des gesamten Jahresumsatzes. Statt Aufträgen hagelt es Stornierungen: erst die Absage der Münchner Handwerksmesse, dann die nächste Hiobsbotschaft: Die Hannover-Messe ist verschoben worden.

"Wir haben versucht, uns über das Thema Kurzarbeit zu informieren und haben nicht einmal einen Termin bei der Agentur für Arbeit bekommen und fühlen uns da schon sehr im Stich gelassen." Michael Lex Geschäftsführer, Max Rappenglitz GmbH

Für die 80 Mitarbeiter fallen jeden Monat eine halbe Million Euro an Löhnen an. Lange hält der Betrieb das nicht mehr durch.

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