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Bildrechte: BR/MEV/Hubertus Blume

Die dritte Corona-Welle hinterlässt in der Wirtschaft tiefe Spuren. Die führenden deutschen Wirtschafts-Institute haben ihre Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Gegen steigende Staatsschulden empfehlen sie unter anderem ein höheres Rentenalter.

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Corona verzögert Aufschwung: Forschungsinstitute senken Prognose

Die Wirtschaft wird sich in diesem Jahr deutlich langsamer erholen. In ihrem Frühjahrsgutachten prognostizieren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ein Wachstum von 3,7 Prozent im laufenden Jahr. Grund: die andauernden Corona-Beschränkungen.

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Von
  • Ralf Schmidberger

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sagen für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 3,7 Prozent voraus. Im Herbst waren sie noch von einem Plus von 4,7 Prozent ausgegangen. Der erneute Shutdown verzögert die wirtschaftliche Erholung, heißt es in dem Frühjahrsgutachten.

Normalität erst Anfang 2022

Die gute Nachricht: Sobald die Infektionsgefahren vor allem durch das Impfen gebannt sein werden, wird eine kräftige Erholung einsetzen, meinen die Wirtschaftsforscher. Etwa zu Beginn des kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft zur Normalauslastung zurückkehren. 2022 wird demnach das Bruttoinlandsprodukt um 3,9 Prozent steigen.

Jahresstart mit deutlichem Einbruch

"Aufgrund des anhaltenden Shutdowns dürfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 1,8 Prozent gesunken sein", sagte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Die neue Infektionswelle und die damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen führen zu einer Abwärtsrevision der Prognose für das Jahr 2021 um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Herbstgutachten 2020.

Hoffnung für Dienstleister

In ihrer Prognose gehen die Institute davon aus, dass der derzeitige Lockdown zunächst fortgesetzt wird und dabei auch die zuletzt erfolgten Lockerungen wieder weitgehend zurückgenommen werden. Erneute Lockerungsschritte werden erst ab Mitte des zweiten Quartals erwartet, eine Aufhebung der Beschränkungen dann bis zum Ende des dritten Quartals. "Im Zuge der Lockerungen erwarten wir für das Sommerhalbjahr eine kräftige Ausweitung der Wirtschaftsaktivität, vor allem bei den von der Pandemie besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen", so Schmidt.

Weniger Arbeitslose ab Mai

Angesichts der zu erwartenden Lockerungen dürfte auch die Erholung der Erwerbstätigkeit im Sommerhalbjahr an Fahrt gewinnen. Ab Mai erwarten die Wirtschaftsforscher, dass die Zahl der Arbeitslosen verstärkt zurückgehen wird.

Starkes Staatsdefizit

Die öffentlichen Haushalte dürften im Jahr 2021 ein Defizit aufweisen, das mit 159 Milliarden Euro noch etwas höher ausfällt als im Jahr zuvor. Zwar nehmen konjunkturell die Steuereinnahmen bereits wieder zu. Die Ausgaben für Impfungen und Tests lassen jedoch die sozialen Sachleistungen kräftig steigen. Die Investitionstätigkeit des Staates wird wohl weiter expandieren, insbesondere aufgrund der verfügbaren Mittel in Investitionsprogrammen. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt dürfte das gesamtstaatliche Budgetdefizit im Jahr 2021 mit 4,5 Prozent in etwa konstant bleiben und im Jahr 2022 deutlich auf 1,6 Prozent zurückgehen.

Bald wird die Demographie zum großen Problem

Die Corona-Pandemie hinterlässt auch Spuren beim Produktionspotenzial. Nach der aktuellen Schätzung dürfte es in den Jahren 2020 bis 2024 durchschnittlich rund 1,1 Prozent unter dem Niveau liegen, das vor der Corona-Krise geschätzt wurde. Zudem rücken die Konsequenzen des demografischen Wandels in Deutschland immer näher. Mit dem Eintritt der Babyboomer in das Rentenalter wird die Erwerbsbevölkerung in wenigen Jahren schrumpfen und der Anteil der Älteren deutlich steigen. Die Folgen für das Potenzialwachstum sind beträchtlich: Bis zum Jahr 2030 muss mit einer Verringerung der jährlichen Potenzialwachstumsrate um rund einen Prozentpunkt gerechnet werden.

Gefahr: neue Corona-Mutationen

Die weitere Entwicklung der Pandemie ist weiterhin das bedeutendste Abwärtsrisiko für die Prognose. Nach wie vor kann es bei der Lieferung von Impfstoffen und Tests zu Engpässen und Verzögerungen kommen. Darüber hinaus könnte das Auftreten neuer Mutationen des Virus die Wirksamkeit der Impfstoffe reduzieren, wodurch der Öffnungsprozess möglicherweise gestoppt werden müsste und damit die wirtschaftliche Erholung abermals zurückgeworfen würde.

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