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Coronatests am Flughafen

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    Corona-Tests: Wer sind Eurofins und Ecolog und wie arbeiten sie?

    Erst Testpannen an Autobahnen, dann an Flughäfen: Bei der Weitergabe der Coronatests in Bayern läuft noch immer vieles schief. An den Autobahnen und Bahnhöfen wurden die Testcrews nun ausgetauscht und Ende September wird der Betrieb dort eingestellt.

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    Von
    • Reinhard Weber

    Immer wieder Pannen

    Am Flughafen München kam es nach einem Coronatest Ende August zu einer Falschzustellung. Einem Getesteten wurde ein Ergebnis eines Gleichnamigen zugestellt. Normalerweise erhält jede Person eine individuell festgelegte ID-Nummer und einen Code für den Testvorgang, damit eben genau das nicht passiert. Der Dienstleister Ecolog, der die Tests an den Bayerischen Flughäfen durchführt, sprach auf Anfrage von einem Einzelfall und entschuldigte sich dafür. Nur ein Beispiel für eine Serie von ähnlichen Pannen.

    Testreihen an Privatfirma vergeben

    Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat den Auftrag für die Testreihen an den Flughäfen an Ecolog vergeben. Laufend überprüft das LGL die Arbeit der Firma. Der Bayerische Rundfunk bat um Interview beim LGL, wollte erfahren wie Kontrollen ablaufen, was geprüft wird und ob Pannen Konsequenzen haben. Das LGL war zu keinem Interview bereit, antwortete aber schriftlich. Das LGL sei in engem, ständigem Kontakt mit den Dienstleistern, hieß es darin. Es werde regelmäßig die Lage bewertet und es würden frühzeitig potenziell kritische Punkte angesprochen. Darüber hinaus gehe das LGL unabhängig davon auch potenziellen Fehlerquellen nach, zum Beispiel, wenn es Hinweise über mögliche Störungen in den Abläufen von dritter Stelle erhält. Bei Pannen gebe es Möglichkeiten, Vertragsstrafen geltend zu machen. Darüber hinaus können weitergehende Schadensersatzansprüche entstehen.

    Wer steht hinter Ecolog?

    Doch wer steckt eigentlich hinter der Firma Ecolog? Der Hauptsitz ist in Dubai, das Kerngeschäft sind Militärdienstleistung. Ecolog organisierte bereits die Versorgung der Bundeswehrsoldaten im Kosovokrieg mit sauberer Wäsche und Toiletten. Auch in Afghanistan und im Irak war Ecolog im Einsatz. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in 40 Ländern mit mehr als 150 Standorten aktiv. Man habe einen Ressourcenpool von weltweit etwa 12.000 Mitarbeitern. In Deutschland seien etwa 1.000 Menschen beschäftigt, davon in Bayern an den Flughäfen 400. Für den Testauftrag in Bayern mussten in Kürze viele neue Mitarbeiter rekrutiert werden. In der Regel arbeitet Ecolog mit Unterauftragnehmern zusammen. Nach eigenen Angaben verfolgt das Unternehmen einen professionellen Rekrutierungsprozess und wählt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Grundlage spezifischer Anforderungsprofile aus, die sich aus der Natur der Projekte ergeben.

    Beispielsweise sei es Ecolog wichtig, dass jemand im Administrationsbereich, über gute Computer- & verschiedene Sprachkenntnisse verfügt, während Mitarbeiter, die Proben entnehmen, von einem Arzt vor Ort geschult würden. Hier kam es allerdings in den vergangenen Tagen zu Kritik, Ecolog würde ungelerntes Personal einsetzen und zu wenig schulen. Neben den Corona-Testzentren an den bayerischen Flughäfen betreut Ecolog auch Stationen in Augsburg, Ansbach, Nürnberg und Neustadt/Weiden. Ecolog übernimmt aber nur die Abnahme der Tests und die Organisation der Testzentren.

    Laboranalyse von Eurofins

    Die Laboranalyse macht die Firma Eurofins, eines der weltweit größten Bioanalytik-Unternehmen mit Hauptsitz in Luxemburg. Eurofins ist Weltmarktführer im Bereich Lebensmittelanalytik und Marktführer in Europa. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 48.000 Mitarbeiter weltweit. Unter dem Namen Eurofins arbeiten 800 Laboratorien. 2019 setzte Eurofins über 4,5 Milliarden Euro um. Das Unternehmen ist börsennotiert. Der Aktienkurs hat sich nach mehreren Corona-Testaufträgen in verschiedenen Ländern seit März bis August nahezu verdoppelt. Die Firma hatte zunächst auch den Auftrag, die Tests an den bayerischen Autobahnen und Bahnhöfen durchzuführen. Doch der Vertrag lief aus, es gab eine neue europaweite Ausschreibung und einen Wechsel.

    Neue Betreiber an Autobahnen und Bahnhöfen

    Die Testungen an den Bahnhöfen in München und Nürnberg führt nun seit dem 8. September die Rostocker Firma Centogene durch. An den Autobahnraststätten wird die Teststation an der A8 Hochfelln nun von hauptamtlichen Mitarbeitenden der Malteser betreut, Betreiber der Teststationen an der A93 Inntal-Ost und an der A3 Donautal-Ost ist die Firma MKT-Krankentransporte. Der Betreiberwechsel war notwendig, nachdem ursprünglich die Verträge nur eine Laufzeit bis zum Ferienende hatten, so eine Pressemitteilung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Ende September werden die Tests an Autobahnen und Bahnhöfen eingestellt. Die Laboruntersuchungen für die Tests am Flughafen bleiben weiterhin bei Eurofins. Der Vertrag mit Ecolog läuft am 30. September aus.

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