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Person nimmt in einem Testzentrum einen Speicheltest von einem Besucher ab.

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    Corona-Testpflicht in Unternehmen: Das gilt ab Dienstag

    Alle Arbeitgeber in Deutschland müssen ihren Beschäftigten ab heute Corona-Tests anbieten – sofern sie nicht zuhause arbeiten. Was bedeutet das für die Firmen? Was müssen die Arbeitnehmer tun? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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    Von
    • Ralf Schmidberger
    • Tobias Betz

    Corona-Tests am Arbeitsplatz – das müssen die Unternehmen ihren Beschäftigten ab heute anbieten, wenn sie nicht im Homeoffice arbeiten. Was die neue Regelung bedeutet.

    Was heißt das für die Unternehmen?

    Die Arbeitgeber müssen regelmäßig Schnell- oder Selbsttests anbieten - grundsätzlich einmal die Woche. Für besonders gefährdete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die tätigkeitsbedingt häufige Kundenkontakte haben oder körpernahe Dienstleistungen ausführen, sind mindestens zwei Testangebote pro Woche Pflicht, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Auch Beschäftigte, die vom Arbeitgeber in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, müssen demnach zweimal pro Woche ein Testangebot erhalten. Dies gilt zunächst bis Ende Juni.

    Muss der Arbeitnehmer den Test machen?

    Für die Beschäftigten sind die Tests freiwillig. Arbeitsminister Heil sagte, er erwarte, dass diese die Angebote aber annehmen. Jeder müsse seinen persönlichen Beitrag leisten, um die dritte Welle zu brechen. Ob allerdings eine Firma seine Beschäftigten zu einem Test verpflichten kann, ist eine heikle Frage im Arbeitsrecht – und noch nicht abschließend beantwortet. Oft hängt es vom Einzelfall ab.

    Wer zahlt die Tests?

    Die Kosten tragen die Arbeitgeber. Die Bundesregierung geht von Kosten in Höhe von 130 Euro pro Beschäftigtem bis Ende Juni aus.

    Wer überwacht die Test-Angebotspflicht der Unternehmen?

    Kontrollieren sollen die neue Testpflicht die zuständigen Arbeitsschutzbehörden der Länder - etwa auf Beschwerde von Arbeitnehmern hin. Die Behörden "können die Einhaltung aller Anforderungen der Verordnung im Einzelfall durch behördliche Anordnungen durchsetzen und Verstöße gegen ihre Anordnung mit einem Bußgeld von bis zu einer Höhe von 30.000 Euro ahnden", erklärte das Ministerium. Allerdings sieht das Wirtschaftsministerium das anders. Dort heißt es: "Es sind keine Sanktionen gegen Unternehmen vorgesehen." Die Sache ist also noch unklar.

    Was sollen die Tests bringen?

    Die Schnell- oder Selbsttests sollen helfen, Corona-Infizierte zu entdecken, die noch keine deutlichen Symptome spüren. Ausschließen können sie eine Infektion laut Wissenschaftlern allerdings nicht. Selbst bei korrekter Anwendung sei es bei einem negativen Test "lediglich weniger wahrscheinlich", für andere ansteckend zu sein, erklärt das Robert Koch-Institut. Vor allem bei Infizierten ohne Symptome besteht durchaus die Gefahr falsch-negativer Ergebnisse. Unklar ist, ob man dann für andere überhaupt ansteckend ist oder nicht. Die Testergebnisse sind zudem nur für etwa einen Tag aussagekräftig. Ob ein wöchentlicher Test im Büro ausreicht, wird daher von vielen bezweifelt.

    Wie kommen die Firmen an die Tests?

    In einem Brief an das Kanzleramt haben die großen Wirtschaftsverbände betont, jedes dritte Unternehmen berichte von Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit. Bund und Länder hätten viele der Tests auf dem Markt bereits für die Schüler reserviert. Die Verbände fordern deshalb, Tests aus nicht genutzten Kontingenten kostengünstig den Firmen zur Verfügung zu stellen. Vizekanzler Olaf Scholz hatte am Wochenende in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Es sind auf dem Markt mittlerweile genügend Tests verfügbar. Man muss sich darum aber kümmern. Wer jetzt erst anfängt, Angebote einzuholen, der braucht wahrscheinlich eine Anlaufzeit von zwei oder drei Wochen. Mehr aber auch nicht."

    Was halten die Unternehmen von der Angebotspflicht?

    Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) lehnt die Erweiterung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung um eine Angebotspflicht von Corona-Tests ab. Wie bisher bei freiwilligen Angeboten zu bleiben, wäre besser gewesen, heißt es bei der vbw. Sie verweist auf eine im März 2021 unter 3.300 bayerischen Unternehmen durchgeführte Umfrage, nach der bereits heute rund 75 Prozent der Betriebe in Bayern ihren Belegschaften aus eigenem Antrieb Tests anbieten oder planen, dies zu tun.

    Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Büro überhaupt?

    Führende Aerosol-Forscher aus Deutschland betonen, Sars-CoV-2 werde "fast ausnahmslos" in Innenräumen übertragen. Anstecken kann man sich demnach nicht nur beim direkten Treffen mit einem Infizierten, sondern auch in einem leeren, schlecht belüfteten Raum, in dem sich vorher ein Infizierter aufhielt. Berliner Mobilitätsforscher fordern deshalb, dass man Mehrpersonenbüros nur noch mit gültigem Schnelltest oder nach Impfung betreten darf - oder alle müssten FFP2-Maske tragen.

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