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Preiswillkür bei Corona-Schnelltests? | BR24

© dpa-Bildfunk/Federico Gambarini

In 15 Minuten soll ein Schnelltest Ergebnisse liefern. Doch zahlen müssen die Getesteten üblicherweise selbst - und die Kosten haben es in sich.

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    Preiswillkür bei Corona-Schnelltests?

    Mit dem Wattestäbchen zehn Sekunden lang tief in die Nase und rund 15 Minuten später kommt das Ergebnis. So funktionieren Corona-Schnelltests. Kunden müssen sie in der Regel selbst zahlen, die Preise dafür schwanken nach Recherchen des BR aber enorm.

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    Von
    • Reinhard Weber

    In Bayern kann sich jeder auf Kosten des Freistaates mit einem Labortest, einem so genannten PCR-Test, auf Corona testen lassen. Doch die Ergebnisse können - je nach Laborauslastung - einige Tage dauern. Deutlich flotter geht das mit sogenannten Corona-Schnelltests, auch wenn sie wohl etwas weniger zuverlässig sind als die Labortests. Schnelltests liefern ihr Ergebnis üblicherweise in rund 15 Minuten. Doch die müssen in den meisten Fällen selber bezahlt werden. Vorsicht ist geboten: Denn bayernweit schwanken die Preise enorm - und dann kommen teils falsche Abrechnungen dazu.

    Große Unterschiede in Bayern

    Corona-Schnelltest in einer Arztpraxis in Germering bei München. Eine junge Kundin will ein Ergebnis, bevor sie ihre Oma besucht. Für den Abstrich bezahlt sie hier 25 Euro. Abgerechnet wird als so genannte "IGel"-Leistung, also als Privatrechnung nach dem Rahmen der Gebührenordnung der Ärzte GOÄ.

    Den Preis setzt die Ärztin Dr. Manuela Nader bewusst am unteren Minimum des Rahmens an. Sie möchte, dass die Menschen den Test möglichst häufig machen. Sie glaubt, die Hemmschwelle sei einfach niedriger, wenn der Test günstig ist. Dann kämen die Leute und würden das einfach machen, um sicherzugehen, dass die Familie etwa die Oma besuchen kann, ohne sie möglicherweise zu infizieren.

    Was darf ein Schnelltest kosten?

    Mit 25 Euro ist der Schnelltest in Dr. Naders Praxis in Germering recht günstig. Recherchen des BR haben Angebote und Rechnungen von bis zu 81 Euro für einen Schnelltest ermittelt. Laut Ärztekammer sollte der jedoch maximal 49,83 € kosten und klar definierte Leistungen zur Abrechnung enthalten. Dem BR teilt die Ärztekammer mit:

    "Grundsätzlich kommt für die Abrechnung der derzeit gängigsten Antigenschnelltests zur Covid-19 Diagnostik unseres Erachtens ein Ansatz der Ziffer 4648 GOÄ in Betracht. Darüber hinaus kann die Abstrichentnahme mit der Ziffer 298 GOÄ abgerechnet werden. Diese müssen dann auch auf der Rechnung stehen. Darüber hinaus haben die Ärzte die Möglichkeit, Leistungen mit dem bis zu 2,3 fachen Satz des angesetzten Grundbetrages abzurechnen. Unterm Strich eben nicht mehr als 49,83 €. " Landesärztekammer Bayern

    Auch die privaten Krankenkassen erstatten bis zu 50 Euro für einen Schnelltest. Wie aber kommen dann Preise um die 80 Euro zustande?

    Teuer wird's am Flughafen München

    Am Flughafen München zum Beispiel kostete der Schnelltest 81 Euro. Es wurden weitere Untersuchungen berechnet, außerdem zusätzliche Sachkosten für den Test verlangt. Auf Anfrage rechtfertigt der Flughafen die Kosten so: Die symptombezogene Untersuchung sei angebracht, da man den speziellen Anforderungen von Fluggästen beziehungsweise von Airlines gerecht werden müsse.

    Die Abstriche für die Testungen rechtfertigen nach Ansicht des Flughafens eine Abrechnung nach der aktuell gültigen Gebührenordnung für Ärzte. Auch die Preise für die Durchführung des Schnelltests sowie die zusätzlichen Sachkosten für die Testkassette seien gerechtfertigt.

    Verstöße werden nur im Einzelfall geprüft

    Die Bayerische Landesärztekammer hingegen teilt dem BR auf Anfrage mit: Die Kosten für den Test könnten nicht separat als Sachkosten geltend gemacht werden, da diese Kosten bereits mit den Gebühren abgegolten seien.

    Verstöße werden allerdings nur im Einzelfall geprüft, wenn Kunden sich bei den ärztlichen Bezirksverbänden beschweren. Dann drohen eine Rüge und eventuell eine Geldbuße. Rückforderungen von zu viel Bezahltem muss der Kunde aber auf dem zivilrechtlichen Wege durchfechten.

    Ein Preisvergleich ist sinnvoll

    Frau Dr. Manuela Nader gibt den Tipp, sich vorab gut zu erkundigen:

    "Ich würde einfach raten, bei den eigenen Hausärzten nachzufragen, ob die den Test anbieten und auch danach zu fragen, wie es abgerechnet wird, ob es tatsächlich korrekt nach Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet wird. Einfach vorher fragen und dann kann man ruhig mal ein paar Telefonate führen, um herauszufinden, wo man das günstig machen kann." Dr. Manuela Nader

    Wann zahlt die Krankenkasse?

    Die Krankenkasse übernimmt die Kosten eines Antigen-Schnelltests nur, wenn jemand Kontaktperson ersten Grades K1 ist, also länger mit einer Corona-positiven Person zusammen war. Oder wenn die Corona-Warn-App ein "erhöhtes Risiko" anzeigt. Ebenso übernimmt die Kasse die Kosten für Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet.

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