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Corona-Podcast: "Wir brauchen ein Schuldenendlager!" | BR24

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Im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" beleuchtet Christine Bergmann wirtschaftliche Fragen in der Coronakrise.

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    Corona-Podcast: "Wir brauchen ein Schuldenendlager!"

    Um die schwer angeschlagene Wirtschaft zu beleben, hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket beschlossen. Wer soll das bezahlen? Niemand, meint der Ökonom Daniel Stelter im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise".

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    Der Staat greift derzeit tief in die Tasche, um die Corona-Krise abzumildern: Fördergelder, Kreditgarantien und ein ziemlich großes Konjunkturpaket. Wie werden wir die Schulden wieder los? Oder werden sie unter Umständen nie zurückgezahlt?

    Darüber hat die BR-Expertin für Wirtschaft und Finanzen Christine Bergmann mit dem Ökonomen und Buchautor Daniel Stelter im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" diskutiert.

    "Schulden nicht mit Steuererhöhungen tilgen"

    Die Schulden könne man nicht mit Steuererhöhungen bezahlen, meint der Ökonom Daniel Stelter. Ein großes Problem bei Steuererhöhungen sei: Wenn das nicht alle anderen Länder auch machten, hätte Deutschland einen starken Wettbewerbsnachteil und außerdem sei das eine äußerst unpopuläre Maßnahme.

    Wachstum wird immer schwieriger

    Ein anderer Weg, Schulden zurückzuzahlen, ist Wachstum. So hat es Deutschland nach der Finanzkrise gemacht. Doch auch hier hat Daniel Stelter Einwände: "Denken Sie an die demographische Entwicklung. Wir stehen vor einem Rückgang der Erwerbsbevölkerung, wir haben seit Jahren rückläufige Produktivitätsfortschritte."

    Das führe zu weniger Wachstum und damit werde es dementsprechend immer schwerer, Schulden über Wachstum abzubauen.

    Notenbanken als "Schuldenendlager"

    In der Folge wird es nach Ansicht des Berliner Ökonomen darauf hinauslaufen, dass die Schulden bei den Notenbanken abgegeben werden. Ins Endlager für Schulden sozusagen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die anderen Notenbanken werden die Staatsanleihen laut Daniel Stelter weiterhin kaufen und irgendwann auf die Rückzahlung verzichten oder sie zumindest weit in die Zukunft verschieben. Der Ökonom sieht hier klare Vorteile:

    "Dann könnten wir in Deutschland endlich im Inland investieren. Und wir könnten gleichzeitig die Steuern und Abgaben senken. Wir könnten in Bildung und Innovationen investieren und damit Deutschland fitter machen für die Zukunft." Ökonom Daniel Stelter

    "Umschuldung": Wie Unternehmen entlasten?

    Ganz ähnlich wie den Staaten werde es auch den Unternehmen gehen, meint Daniel Stelter. Viele Unternehmen könnten die Hilfskredite gar nicht zurückzahlen. Es bräuchte ein Programm zur Umschuldung der Unternehmen.

    "Im Prinzip würde der Staat dann sagen: Wir verzichten auf die Rückzahlung oder wir machen die Rückzahlung abhängig davon, dass bestimmte Gewinne wieder erzielt werden", so der Ökonom weiter. So könne man signalisieren: Unternehmen sollen schnell wieder Mitarbeiter beschäftigen, investieren und positiv in die Zukunft schauen. Schulden würden hingegen eine erhebliche Last darstellen.

    Ökonom Stelter für nationale Währungen neben dem Euro

    Ob Schulden der Unternehmen oder des Staates – das ist nicht nur ein deutsches Problem. Innerhalb der Eurozone gibt es Länder, die noch viel stärker betroffen sind. Und da spielt auch der Euro eine Rolle.

    Denn in einer gemeinsamen Währungsunion können die Länder nicht so eigenständig handeln, wie sie möchten. Um das "Korsett der Währungsunion", wie es Stelter nennt, zu lockern, sollten alle Länder Parallelwährungen einführen können, also neben dem Euro noch nationale Währungen.

    "Das wäre ein Gesichtsverlust für die Politik, aber ich glaube, wenn wir die Europäische Union zusammenhalten wollen, müssen wir in diese Richtung denken. Denn der Euro erweist sich mehr als ein Spaltpilz als ein Vehikel, um die Einheit zu fördern." Ökonom Daniel Stelter

    Mit einer nationalen Währung könnten die Länder wieder eine eigenständigere Politik verfolgen, die auch ihrer Kultur entspricht. Ungebetene Ratschläge wären dann überflüssig.

    Das ganze Gespräch von Christine Bergmann mit dem Ökonomen Daniel Stelter können Sie in unserem Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" hören.

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