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Corona-Podcast: Warum wir Sportvereine retten sollten | BR24

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Markus Kurscheidt, Professor für Sportökonomie an der Universität Bayreuth

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    Corona-Podcast: Warum wir Sportvereine retten sollten

    Auch Sportvereine leiden massiv unter den Corona-Einschränkungen. Insgesamt rechnen Profi- wie Amateurvereine mit Milliardenverlusten. Im Podcast erklärt ein Sportökonom, warum Sportvereine für die Gesellschaft so wichtig sind.

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    Die Corona-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Leben. Auch auf den Sport. Der deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwartet, dass die Vereine und Verbände in Deutschland Milliardenverluste machen. Sowohl im Breiten- als auch im Profisport. Staatliche Unterstützung ist in Aussicht gestellt, um den Vereinen zu helfen. Zuletzt hatten auch Profivereine wie Borussia Dortmund oder Werder Bremen darüber nachgedacht, möglicherweise staatliche Kredithilfen in Anspruch zu nehmen.

    Verständnis für leidenschaftliche Debatte

    Im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" findet Markus Kurscheidt, Professor für Sportökonomie an der Universität Bayreuth, die Idee zunächst einmal nachvollziehbar. Er hat aber auch Verständnis für die daraus entstehende gesellschaftliche Diskussion.

    "Das wird in der Gesellschaft natürlich nicht gut ankommen. Das Problem beim Profifußball ist einfach, dass Einzelpersonen besonders hohe Gehälter erhalten, und da haben wir natürlich einen unheimlichen Fokus drauf. So viel anders ist das bei VW oder Lufthansa auch nicht, und da haben wir in der Tat auch ähnlich kritische Debatten in der Gesellschaft." Markus Kurscheidt, Professor für Sportökonomie an der Universität Bayreuth

    Geisterspiele, um an die Fernsehgelder zu kommen, dazu die Diskussion um mögliche Staatshilfen. Das Verhalten von Bundesligavereinen erinnert manchen an die Raupe Nimmersatt aus den Kinderbüchern. Für viele macht der Fußball aktuell keine gute Figur.

    Bundesliga-Fortsetzung hat mehr Vor- als Nachteile

    Trotzdem hat – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht – die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga mehr Vor- als Nachteile. "Einerseits ist es richtig, dass erstmal die Debatte in der Gesellschaft relativ kritisch ist, (…) andererseits müssen wir sagen, da reden wir über ca. 300 Millionen Euro, die ansonsten dem Profifußball verloren gegangen wären", sagt Kurscheidt.

    Einige Vereine wie Schalke 04 hatten gewarnt, wenn sie an die letzte Tranche der Mediengelder nicht rankommen, dann stehe die Insolvenz im Raum. Für Kurscheidt bedeutet das: "Wir als Gesellschaft müssen dann sagen, lasst die lieber das Geschäft machen, und wir müssen nicht unterstützen als Gesellschaft. Das ist dann letztendlich immer noch die bessere Lösung."

    Insgesamt hat die gesamte Sportwirtschaft, nicht der Profisport allein, mit einem Volumen von etwa 70 Milliarden Euro durchaus eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung. Entsprechend hängen natürlich auch Arbeitsplätze am Sport.

    Sport hat eine viel größere Bedeutung für die Gesellschaft

    Das Hauptargument aber, den Sport zu fördern, sollten trotzdem nicht Umsatz und Arbeitsplätze sein, sagt Prof. Markus Kurscheidt im Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise":

    "Da sollten ja wohl die gesellschaftlichen Wohlfahrtswirkungen im sozialen Bereich, in der Integration und allem voran natürlich die Gesundheitswirkung, also Gemeinwohlfunktionen für die Gesellschaft eindeutig im Vordergrund stehen." Markus Kurscheidt

    Obwohl das Vereinsleben zuletzt weitgehend still stand, waren die Sportclubs nicht tatenlos. Gerade in den zunehmenden Online-Angeboten, die aus der Not heraus entstanden sind, sieht Prof. Kurscheidt jetzt auch eine Chance für die Vereine. Eine Konkurrenz zu den kommerziellen Fitness-Anbietern sieht er nicht: "Der Wettbewerb ist immer da. Das Vereins- und Verbandssystem ist ungeheuer stabil, hat aber nicht die Dynamik, die ein eher marktbasiertes System hat, wie die kommerziellen Fitness-Studios."

    Mehr Sorgen mache er sich um kleinere Studios. "Im Fitness-Studio, wenn da nichts vorangeht, ist man vielleicht eher geneigt, seinen Vertrag auslaufen zu lassen. Weil auch die soziale Einbindung und die emotionale Identifikation eine andere ist als mit dem Stadtteil – oder Dorfverein."

    Langfristig keine Systemänderung im Profifußball

    Nochmal den Blick auf den Profisport, speziell den Fußball gerichtet, erwartet der Sportökonom im Bereich von Gehältern und Ablösesummen nur kurzfristige Korrekturen durch die Corona-Pandemie:

    "Kurzfristig werden wir einen Dämpfer haben. Jetzt ist einfach weniger Geld im System. In der mittleren und längeren Frist glaube ich nicht daran. Die Kernmechanismen des Marktes, die hie und da ihre überschießenden Effekte haben, die wird es wieder geben." Markus Kurscheidt

    Wenn man sich aktuell den Transfermarkt anschaue, sei der zwar gedämpft. Aber die Diskussion und das Hin- und Hergeschachere der Spieler, daran habe sich nichts geändert", sagt Kurscheidt.

    Trotzdem bleibt die Hoffnung, so Kurscheidt, dass sich in der Wertschätzung der Fans und in der Kommunikation etwas verändert. Es gibt erste Anzeichen und die Hoffnung, dass davon nach der Krise auch etwas übrig bleibt. Ein gewisses Umdenken sei zu spüren, aber es gilt abzuwarten, wie nachhaltig das sein wird.

    Das ganze Gespräch von Christine Bergmann mit dem Sportökonom Markus Kurscheidt können Sie in unserem Podcast "B5 Extra Coronavirus – Wege aus der wirtschaftlichen Krise" hören. Die Folge ist hier abrufbar. Sie können das Gespräch auch im Radioprogramm von B5 aktuell hören - am Freitag um 7.47 Uhr und um 9.47 Uhr.

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